Easy Rider

Die Töfflitour ins Tessin verändert ihn mehr, als ihr lieb ist.

Steven Schneider: Auf der Töfflitour ins Tessin mit meinem Neffen stelle ich fest, dass Sightseeing auf dem Schnäpper grandios ist: 33 km/h schnell – oder langsam – unterwegs zu sein ist ideal, um die Landschaft zu geniessen.

«

Born to be wild der grossen Freiheit entgegen.»

Ich beginne ein wenig zu träumen, summe «Born to be wild» und fahre wie Peter Fonda damals als «Easy Rider» der grossen Freiheit entgegen. Auch wenn ich nur 50 Kubikzentimeter unterm Hintern habe und keine tausend, und auch wenn auf meinem Tank nicht «Harley-Davidson» steht, sondern «Puch». 

Doch jeder Traum hat ein Ende, und meiner endet in Flüelen, wo wir endlich eine Tankstelle finden, die Töffli-Benzin anbietet. Wir brauchen dringend Treibstoff. Da stehen wir nun, werfen Einfränkler in eine Zapfsäule und ich fühle mich unwohl, als eine Gruppe grosser Motorräder angeknattert kommt.  Soll bloss keiner sehen, dass ich ein Mann im reiferen Alter bin, und stülpe mir rasch den Helm über. Aber zu spät. 

Ein Typ mit schwerer Lederkluft und seine Töffbraut blicken zu mir, steigen von ihren Maschinen ab und kommen langsam auf mich zu. Ich sehe aus wie Quax, der Bruchpilot, und fühle mich auch so. Da fällt mir ein: Der Streifen «Easy Rider» hatte kein Happy End.

Sybil Schreiber: Mein Handy klingelt. Schneider. Endlich! Habe seit Stunden nichts gehört. «Wo seid ihr denn?», frage ich nervös. «In Wassen, in einem Strassencafé.» «Noch keine Panne?» «Nein, alles bestens.

«

Star der Landstrasse? Das beunruhigt mich.»

Ich bin erleichtert. Denn seine Töffchentour ins Tessin ist zwar originell, aber nicht ganz altersgerecht. Schneider ist immerhin auf dem Weg in die Lebensmitte! «Ist es nicht zu anstrengend für dich?», frage ich sanft. «Anstrengend? Es ist grossartig! Ich bin der Star der Landstrasse!» Das beunruhigt mich nun aber doch. Noch dazu als Schneider erzählt, dass ihn an der Tankstelle Harley-Fahrer angesprochen und Komplimente gemacht haben.

«Und jetzt steht mein Puch zwischen einer Motoguzzi und einer grossen BMW und wird bewundert. Super, oder? Die haben eben alle auch mal so angefangen. Denn weisst du, es ist egal, wie viele PS eine Maschine hat. Wichtig ist, on the  road zu sein, verstehst du? Echt, ich fühle mich wie ein richtiger Kerl!»

Oh, Gott! Jetzt springt ihm gleich die Sicherung raus. Ich sollte mal mit unserem Neffen ein ernstes Wörtchen reden. Hoffentlich ist der noch klar im Kopf. Denn wenn auf der Strasse etwas wirklich gefährlich ist, dann Selbstüberschätzung.

(Coopzeitung Nr. 37/2013)

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Montag 09.09.2013, 14:13 Uhr

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