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Die Rolle als Solo-Performerin ist für die erste «The Voice of Switzerland»-Gewinnerin etwas Neues. Nicole Bernegger in ihrem Proberaum bei Basel.









Es ist ja wunderbar, wenn eine alte Freundin zur Schweizer Gesangs-Königin gekürt wird. Deshalb ging Olivier Joliat beim Interview-Termin mit Nicole Bernegger jedoch nicht in die Knie. Die beiden kennen sich gute 15 Jahre und Nicole «The Voice» Bernegger war für den Musikjournalisten schon lange die Schweizer Soul-Stimme. Dass Nicole und ihre Band The Kitchenettes jedoch in einem Proberaum mit Tageslicht proben, warf Keller-Rocker ­Joliat zu Boden. Eine Band, die so exklusiv proben kann, hat den Durchbruch definitiv geschafft.

Nicole Bernegger: «Der frische Wind tut auch mir sehr gut»

Schwangerschaft, Geburt, Studio: Bei der Soul-Sängerin Nicole Bernegger läuft es in den letzten Monaten rund. Den Wechsel zwischen Haushalt, Familienleben und Bühne meistert sie mit Lachen und Schwung.

Coopzeitung: Sie sind eine stimmgewaltige Sängerin. Nutzen Sie das Talent auch als Mutter dreier Kinder?
Nicole Bernegger: Brüllen tu ich daheim eher nicht. Aber ich bin ein sehr emotionaler Mensch. Von daher kann es auch dort mal laut werden und dann reize ich die Oktavierung aus (lacht).

Sie schonen Ihre Kinder und lassen alles Angestaute am Publikum aus?
Genau: Bei den Kindern zähle ich lieber ruhig auf zehn, statt zu röhren. Das Leben zwischen Bühne und Haushalt ist für mich gut ausbalanciert. Ich brauche das Familienleben. Doch kaum fällt die Haustüre hinter mir ins Schloss, tauche ich auch gerne in die Musikwelt ein.

Seit Jahren singen Sie in traditionellen Soul-Bands. Helfen Babydoll und Hochsteckfrisur beim
Rollenwechsel?
Schminken und schön Anziehen gehört sicher zur Bühnenvorbereitung. Nur trage ich Frisur und Kleider auch daheim. Die Liebe zu den 50er-Jahren hört ja nicht bei Musik und Mode auf. Mir gefällt das ganze Design jener Zeit, Möbel, Sonnenbrillen. Die ganze Ästhetik.

Ihr Mann spielt Schlagzeug bei Kalles Kaviar, einer Band, die Old-School-Ska macht. Ist also die ganze Familie auf 50er-Jahre gestylt?
Nein, die Kinder trimme ich nicht. Aber wahrscheinlich kaufe ich den Buben instinktiv engere Jeans.

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Brüllen tu ich eher nicht, aber ich kann auch daheim mal laut werden.»

Darf das Mädchen mit einer pinken Barbie spielen?
Ich durfte das ja nicht. Ich könnte auch gut damit leben, wenn sie keine will.

Wenn sie einen Kopf hat wie Sie, wird sich die Tochter wahrscheinlich durchsetzen.
Es ist zu befürchten, dass es so kommt. Aber Kopf ist ja gut. Man muss nur wissen, wann man ihn durchsetzt und wann besser nachgibt.

In Ihrer gut 15-jährigen Gesangskarriere haben Sie etliche Formationswechsel wohl nur dank sturem Kopf überstanden. Nun haben Sie einen strengen Vertrag mit Universal. Wie viel von
Ihrem Kopf konnten sie da durchbringen?
Genug. Ich glaub, es war für alle Beteiligten klar, dass man mich nicht in ein Format reindrücken kann, und mir war bewusst, dass ich mich öffnen muss. Anfangs gab es Diskussionen und Reibereien, aber das macht nun aus, dass die Mischung spannend ist

Wie muss man sich den Mix aus Ihrer Motown- inspirierten Vergangenheit und dem Hip-Pop von Stress vorstellen?
Es war für mich eine sehr intensive Zeit mit Schwangerschaft, Geburt und Studio. Darum überliess ich Songwriting und Produktion gerne Stress und Fred Herrmann. Heraus kam ein gelungener Mix aus Old-School-Soul und modernem Pop. Nach zehn Jahren Spartenmusik tut der frische Wind auch mir sehr gut.

Ihre Casting-Karriere ist untypisch: Meist werfen sich 18-Jährige in dieses Auslese-Verfahren
und gründen dann mit 30 Familie und Feierabendband. Sie legen nun mit drei Kindern los?
Es wäre auch o.k. gewesen, wenn sich der Erfolg schon früher eingestellt hätte! Ernsthaft: Der Zeitaufwand war ja vorher schon riesig: Ich machte nebst dem Singen noch das Booking und vieles mehr für die Band. Nur standen wir nie so im Fokus des Interesses und kamen irgendwann nicht mehr weiter. Das war mein Grund, bei «The Voice» mitzumachen. Ich wollte sehen, ob da neue Türen aufgehen. Ich probiere lieber etwas aus, statt im Nachhinein gross «hätte und wäre» zu klagen. Nun läuft es super. Das Musikbusiness spielt sich meist abends ab, so kann ich tagsüber voll daheim sein. Da mein Mann auch Musik macht, kennen das die Kinder. Die wachsen damit auf.

«

Meine Kinder hören mich lieber 'Dört äne am Bergli' singen.»

Und wie gefallen ihnen die neuen Songs?
Nicht so sehr! Sie wollen lieber, dass ich «Dört äne am Bärgli» singe!

«The Voice» haben Sie alleine gewonnen. Können Sie die neuen Songs nun live mit ihrer alten Band, The Kitchenettes, spielen?
Das war mir sehr wichtig. Wer Musik macht, weiss, das ist mit sehr viel Warten und anderen Mühseligkeiten verbunden. Es ist wichtig, diese Zeit mit Leuten zu verbringen, die man mag

Ihre erste Single hiess«No Matter». Egal, was kommt: Sie kann man nicht so schnell erschrecken wie junge, unerfahrene Casting-Gewinner?
Nun, bei «The Voice» waren ja die Kandidaten allgemein älter. Es ging weniger darum, Kandidaten in die Emotionen-Waschtrommel zu werfen, damit man sie leiden und weinen sieht. Ich fühlte mich mehr getragen, fast schon fürsorglich betreut. Beim Coaching ging es dann sehr direkt zur Sache. Aber das macht ja auch Sinn und war sehr lehrreich.

Ihr jüngstes Kind ist nur ein paar Monate alt. Haben Sie das Baby mit ins Studio genommen?
Das war für Stress und Fred Herrmann wohl die grösste Umstellung (lacht laut). Eine Stillpumpe war für sie definitiv ein sehr ungewohntes Studio-Gerät! 

Nicole Bernegger

Geburtsdatum: 10. März 1977
Zivilstand: verheiratet mit Daniel. Das Paar hat zwei Buben (4 ½ und 3) und seit Mai eine Tochter.
Wohnort: Birsfelden BL
Beruf: Soul-Sängerin, Hausfrau
Ausbildung: Studium von Germanistik und Geschichte
Laufbahn: Nicole Bernegger steht seit 15 Jahren in verschiedensten Formationen auf der Bühne. Bei der 2003 gegründeten Soul-Band The Kitchenettes auch lange als Frontfrau mit Seitenflügel-Sängerinnen. Im März 2013 gewann sie die SRF-Casting-Show «The Voice of Switzerland». Auf ihre erste Single «No Matter» folgt nach der Babypause das Debütalbum «The Voice».
Aktuell: Ihre Single «The Fool» ab 20. September digital erhältlich.
Live: 28. September 2013: Kirchberg,
17. Oktober 2013 Album-Release-Show in der «Kuppel» in Basel.

Welches Buch liegt grad auf Ihrem Nachttisch?
Ein Krimi von Elizabeth George.

Welches ist Ihr Lieblings-Romanheld?
Kurt Wallander

Und welche Vorbilder haben Sie in der Wirklichkeit?
Etta James

Welchen Film haben Sie zuletzt gesehen?
James Bond, Skyfall

Und welchen Film würden Sie gerne wieder einmal sehen?
Fargo

Ihr Lieblings-Filmheld?
Robin Hood

Was für Musik hören Sie gerade?
Im Moment meine eigenen Songs. Wir sind mitten in den Vorbereitungen für die Konzerte im Oktober. 

Welche CD würden Sie auf die einsame Insel mitnehmen?
Reggae in the Grass

Mit welchem Musiker würden Sie gerne einmal einen trinken?
Mark Ronson

Was kochen Sie selbst?
Eigentlich alles. Ich koche jeden Tag für meine Familie. 

Ihre Lieblingsspeise?
Aah, schwierig. Ich liebe gutes Essen und kann mich da gar nicht entscheiden. 

Ihr Lieblingsgetränk?
Chinotto

Mit wem essen Sie am liebsten?
Dinner for two mit meinem Mann. 

Und wo essen Sie am liebsten?
Als die Kinder noch nicht da waren, Frühstück im Bett, heute grillieren im Garten. 

Mac oder PC?
Meine Beziehung zu Computern ist eher praktischer Natur und leicht unterkühlt. Irgendwie machen sie nie das, was ich gerne von ihnen möchte! ;)

Auto oder Zug?
Ich reise sehr gerne mit dem Zug. Da ist Zeit zum Lesen oder gemeinsam mit den Kindern so viel zu entdecken, aber das Auto hat definitiv auch seine praktischen Seiten, denn manchmal hat man den halben Haushalt zu transportieren mit einer Familie. Dann kann es definitiv bequemer sein. 

Wein oder Bier?
Im Moment hätte meine kleine Tochter etwas dagegen einzuwenden, aber sonst an einem lauen Sommerabend klar ein kühles Bier und zu einem guten Essen einen guten Roten. 

Pasta oder Fondue?
Mmmh, Pasta geht immer! Aber an einem gemütlichen Winterabend ein Fondueessen ist einfach herrlich und sehr gesellig. 

Joggen oder Walken?
Na ja, ich mache beides nicht wirklich … Wie wär’s mit Spazieren?! ;)

Berge oder Meer?
Das Meer. Aber ich habe die Berge lieben gelernt. 

Wann haben Sie zuletzt geweint?
Beim Zwiebeln rüsten für’s Mittagessen. 

Wie bringt man Sie zum Lachen?
Meine Kinder bringen mich jeden Tag zum Lachen. 

Welches Tier wären Sie am liebsten?
Eine Katze: Ein warmes Zuhause mit Streicheleinheiten und die Freiheit die Welt zu entdecken. 

Wovon träumen Sie?
Ich habe das Geschenk eine wundervolle Familie zu haben. Wenn es jetzt noch mit der Musik klappt, dann habe ich mir alle Träum erfüllt.

Was ist für Sie das grösste Glück?
Meine Liebe gefunden zu haben und unsere gemeinsamen Kinder. 

Diese 25 Fragen haben wir auch anderen prominenten Persönlichkeiten gestellt. Lesen Sie, was diese geantwortet haben!

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Text:
Olivier Joliat
Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Mittwoch 18.09.2013, 16:58 Uhr

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