Sie flippt

Schweigen wie ein Stein ist nicht Schreibers Ding.

Sybil Schreiber: Der Kameramann ist bereit, der Produzent nickt uns zu, das rote Lämpchen leuchtet auf: Los gehts! Wir drehen die neuen Folgen unserer Filmreihe: «Die Herausforderung». Ich bin am Zug und soll einen Stein übers Wasser schiefern.
Ich bin nervös, so vor der Kamera zu agieren, ohne Text und Puder – also extrem spontan.
Durchatmen und nicht denken, sondern machen! Bereits beim ersten Wurf gelingt mir ein Superschmetter, der Stein hüpft über den Rhein nach Deutschland.
Boah!
Ich werfe weitere Steine Richtung Heimat, rede, klopfe Sprüche, suche nach weiteren Steinen und Wörtern für schiefern: «Pfitscheln, flippen, klippen, schlippen ...»
Ich komme in Fahrt, spüre meine Schulter: «Hey, das geht echt in die Knochen», freu mich über die schöne Gegend: «Der Rhein ist hier so was von natürlich, ganz anders als in Köln», weil ich in Köln mal baden wollte und die braune Brühe dort nicht wirklich badetauglich ist. Ich drehe mich zu Schneider: «Mach doch auch mal! Na, bist wohl völlig platt, wie ich die platten Steine übers Wasser pfeffere!»
Schneider steht wie ein Standbild da, dann sagt er: «Du redest wie ein Wasserfall!»
Logisch, schliesslich machen wir keinen Stummfilm!

Steven Schneider: Die grösste Herausforderung bei unseren Filmaufnahmen sind für mich nicht die Aufgaben, sondern Schreibers Geltungsdrang. Sie brabbelt ohne Punkt und Komma und mit derart wenig Inhalt, dass ich mich wie beim Privatfernsehen fühle. Ich meine, wir wollen den Leuten doch was bieten: Unterhaltung und sinnvolle Hintergrundinfos – wie zum Beispiel diese: Steine müssen die Form eines flachen Ellipsoiden haben, tiefstmöglich mit Spin bei null Gegenwind und im 20-Grad-Winkel zur Wasseroberfläche abgegeben werden.
Ich würde das gerne Schreiber erklären, habe aber keine Chance. Sie hüpft aufgeregt am Ufer herum und pfeffert einen Stein nach dem anderen ins Wasser. Zwischendurch klatscht sie begeistert in die Hände und ich befürchte, dass sie demnächst in die Kamera winken wird und ihre Grossmutter grüsst. Dabei hat sie gar keine mehr.
Ich schaue ihrem Veitstanz schweigend zu und vertraue auf das Produktionsteam: Lauter Männer wie ich. Verbündete! Leidensgenossen! Denen geht Schreiber garantiert auch auf den Geist. Nicht zum Aushalten!
Da höre ich den Produzenten begeistert rufen: «Super, Sybil, du bist so was von grossartig! Das haben wir im Kasten!»

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Montag 17.10.2011, 10:26 Uhr

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