1 von 2


Bären sind fas immer friedfertig.

Reno Sommerhalder auf der Suche nach Bärenspuren in Mittelfinnland. Hierher wird er 2012 auch die Coopzeitung-Leserreisen begleiten.

Reno Sommerhalder: «Der Bär kam auf dem Rückweg»

Persönlich. Dieser Tage erscheint «Ungezähmt», eine Autobiografie des Schweizer Bärenforschers Reno Sommerhalder. Im nächsten Sommer begleitet er die Leserreisen der Coopzeitung nach Mittelfinnland.

Coopzeitung: Es gibt Leute, die behaupten, dass Hund und Herrchen sich gleichen. Sie haben auch ein bisschen was von einem Bären.

Reno Sommerhalder: Ach wirklich? – (lacht) Dabei habe ich mir für diese Fotos extra von meiner Freundin noch den Bart stutzen lassen. Aber charakterlich hätte ich manchmal gerne etwas mehr von einem Bären.

Was zum Beispiel?
Bären sind ruhig, friedfertig, überlegt – Eigenschaften, die auch Menschen oft ganz gut anstehen würden.

Wären Sie gerne ein Bär?
Nein, sicher nicht! Ich bin ein Mensch und das gefällt mir ganz gut.

Aber der Bär spielt in Ihrem Leben eine wichtige Rolle.
Das auf jeden Fall. Ich habe durch den Bären zu mir selber gefunden.

Tönt ein bisschen esoterisch. Was meinen Sie damit?
Nach meiner Kochlehre wollte ich mit zwei Freunden ein Abenteuer erleben. Das war grad nach dem Erscheinen des «Rambo»-Films. Wir hatten Krafttraining gemacht, packten Messer, Pfeil und Bogen in den Rucksack und wollten in der kanadischen Wildnis überleben.

Und wo kommt der Bär ins Spiel?
Auf dem Rückweg. Dazu muss man wissen: Ich war damals 19, hatte eine Freundin und Freunde, spielte Fussball und trieb Sport, ging im Wald spazieren und begann, Rehe und Füchse zu beobachten – aber ich wusste nicht so recht, wie weiter. Und der Bär, wo kommt er? Das war dann eben in Kanada. Nach dem besagten Trip besuchte ich einen Freund, der als Koch in einer Lodge in Jasper arbeitete. Auch dort zog ich oft mit dem Rucksack los, streifte tagelang durch die Wälder und übernachtete ab und zu im Zelt. Irgendeinmal wache ich mitten in der Nacht auf, weil das Glöckchen an meinem Zelt bimmelt. Ich setze mich auf – und starre in die Augen eines Bären, der die Seitenwand meines Zeltes aufgerissen hat. Wir glotzen uns an, beide gleichermas-sen erschrocken, und dann zieht der Bär den Kopf zurück und zottelt davon.

Ihr Schlüsselerlebnis?
Ganz klar. Ich redete dann mit meinem Kollegen und gleichentags offerierte mir sein Küchenchef einen Job. Ich sagte spontan zu und beschloss damit, nach Kanada auszuwandern …

… und konnten sich dort in Ihrer Freizeit auf die Spuren der Bären begeben.
Genau so wars. Erst in meiner Freizeit, dann immer intensiver.

Wie viel Zeit verbringen Sie heute mit den Bären?
Pro Jahr vielleicht fünf Monate. Ich lebe in Kanada und bin normalerweise nur im Winter, wenn die Bären Winterruhe halten, jeweils für kurze Zeit in der Schweiz. Dieses Jahr ist eine Ausnahme, weil Ende Mai meine zweite Tochter Ara zur Welt gekommen ist.

Wird sich dieser Rhythmus mit dem Kind ändern?
Mein Rythmus hat sich über all die Jahre dem der Bären angepasst. Oftmals begleiten mich meine zwei Töchter Isha und Ara und mein Schatz Andrea, denn zu lange möchte ich nicht von meiner Familie getrennt sein.

Bären sind friedfertig, behaupten Sie.
Das sind sie fast immer. Unser tägliches Leben in der Stadt ist um einiges gefährlicher als das unter Bären. Statistiken beweisen das. Allein von Bäumen herunterfallende Kokosnüsse töten jedes Jahr mehr Menschen, als dies Bären tun. Und meine Erfahrung nach Tausenden von Begegnungen mit Bären bestätigt mir das immer wieder von Neuem.

Das sind Begegnungen in der Wildnis, wo Bär und Mensch viel Platz haben. In den Kulturlandschaften der Schweiz dagegen sind Mensch und Bär Konkurrenten.
Ja. Aber wir haben heute das Wissen und die Mittel, um ein friedliches Zusammenleben von Mensch und Bär zu ermöglichen. Im Vergleich zum Menschen sind die Bedürfnisse des Bären sehr bescheiden. Ist es uns in unserem Wohlstand nicht möglich, ihm dieses einfache Leben zu gewähren?

Sie haben gut reden. Sie sind nicht der Bauer, dem der Bär die Schafe frisst.
Die paar Tiere, die Bär und Co. reissen, stehen in keinem Verhältnis zu den Tausenden von Schafen, die, weil meist unbeaufsichtigt, in den Bergen jedes Jahr durch Abstürze oder Krankheiten zugrunde gehen. Zudem werden die verlorenen Tiere meist von Bund oder Kanton vergütet.

Aber es ist ein Unterschied, ob der Bär in der Wildnis Alaskas lebt oder in der Lenzerheide rumspaziert.
Natürlich. Aber Bären in Europa brauchen weniger Platz als Bären in Alaska; die Lebensraumqualität in den europäischen Mischwäldern ist hoch. Zudem hat sich über die vielen Jahre das Verhalten des europäischen Braunbären der Menschendichte angepasst. Der Bär in Europa ist sehr menschenscheu.

Aber die Schweiz ist dicht besiedelt. Hat es trotzdem Platz für Bären?
In der Schweiz könnten 20 bis 40 unauffällige, scheue Bären leben, wenn entsprechende Vorkehrungen getroffen würden.

Zur Leserreise: Finnland mit Reno Sommerhalder

Reno Sommerhalder

Geburtsdatum: 24. September 1965
Beruf: gelernter Koch; heute Naturforscher/Bärenspezialist «oder einfach Mensch»
Zivilstand: nicht verheiratet, aber in einer festen Beziehung, zwei Töchter: Isha (11) und Ara (5 Monate)
Wohnort: Canmore/Alberta (Kanada), Goldiwil am Thunersee
Aktuell: Am 20. Oktober erscheint Reno Sommerhalders Biografie «Ungezähmt» (im Buchhandel oder direkt beim Verlag unter www.woerterseh.ch für Fr. 29.90 statt Fr. 39.90, inkl. Porto und Verpackung); Tournee mit seiner Multivisionsshow durch 50 Ortschaften: 25. Oktober: Bern, 26. Oktober: Spiez, 28. Oktober: Burgdorf usw. (Infos/Reservation im Internet oder Tel. 031 974 11 02).
Coopzeitung-Leserreise: Im Sommer 2012 begleitet Reno Sommerhalder drei Leserreisen der Coopzeitung nach Finnland.
www.renosommerhalder.ch
www.olalei.ch

Kommentare (1)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.





Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld:

$springMacroRequestContext.getMessage($code, $text)






Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.

Martin Zimmerli

Redaktor

Foto:
Georgios Kefalas
Veröffentlicht:
Mittwoch 19.10.2011, 14:10 Uhr

Weiterempfehlen:



Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?