Die kranke Jägerin

Das hätte böse enden können: Nach einer Rauferei mit einem anderen Hund wird der Ellenbogen von Diana immer dicker. Sie kann das Gelenk nicht mehr bewegen. Zum Glück reagiert sie gut auf die Behandlung.

Die Jagdhündin sah sehr hübsch aus, trotz ihres hohen Alters. Um die Schnauze herum hatten sich ihre braunen Haare schon weiss gefärbt. Doch jetzt konnte sie nicht einmal mehr humpeln. Sogar der kurze Weg vom Parkplatz in die Praxis war zu lang. Wir mussten sie im Auto in Narkose legen und auf den Röntgentisch tragen, so sehr schmerzte ihr Ellenbogen.

Danach lag sie entspannt da, und während ich auf das Röntgenbild wartete, untersuchte ich die Hündin. Klar hatte sie an den anderen Gelenken auch Arthrosen, diese waren alle verdickt und liessen sich nur mit einem leisen, knirschenden Geräusch bewegen. Doch dieser rechte Ellenbogen übertraf alles. Er war dick geschwollen und die kleinste Bewegung liess Diana selbst im Schlaf zusammenzucken. Der Besitzer erzählte, sie habe in den letzten Wochen zunehmend gehinkt. «Ich glaubte, sie mache einen Schub mit ihrer Arthrose durch. Doch so stark?» Ich tastete ihren Ellenbogen ab und spürte eine alte Wunde auf der Innenseite. «Hatte sie eine Beisserei?», wollte ich wissen. Der Besitzer antwortete, sie hätte vor zwei Wochen einmal beim Spaziergang aufgeheult, nach einer kurzen Rauferei mit ihrem Erzfeind. Doch man habe keine Verletzung gesehen.

Das Röntgenbild zeigte, dass diese altgediente Jägerin an einer wahrscheinlich bakteriellen Entzündung in ihrem Ellenbogengelenk litt. Kaum aufgeweckt, musste Diana eine Station weiter, in eine Klinik, wo ein Spezialist sie operieren würde. Nach der Rauferei hatten sich Bakterien, durch den Biss ins Ellenbogengelenk gebracht, stark vermehren können. Jetzt war das gesamte Gelenk betroffen und es bildete sich Eiter. Wenn das Gelenk nicht sofort eröffnet und gespült wurde, so würde es innert Kürze irreversibel zerstört. Diana war eine geduldige Patientin. Ihren Klinikaufenthalt liess sie gleichmütig über sich ergehen. Zum Glück reagierte sie auch gut auf die Antibiotika.

Bei der nächsten Kontrolle humpelte sie immer noch stark, doch kam sie bereits mit einem Schwanzwedeln in die Praxis. «Ihr Ellenbogen ist am Heilen», erklärte ich dem Halter nach der Untersuchung. «Doch weil sie zusätzlich andere Gelenkprobleme hat, läuft sie noch nicht so gut!» Er meinte, sie sei ja schliesslich in Pension, wie er auch. «Wir können es jetzt gemütlich nehmen. Wir beide humpeln etwas und müssen nicht mehr arbeiten. So werden wir im Herbst vor dem Kaminfeuer sitzen und von der Jagd nur träumen.»

(Aus der Coopzeitung Nummer 43)

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Chantal Ritter

Tierärtztin

Foto:
Alamy
Veröffentlicht:
Montag 24.10.2011, 18:34 Uhr

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