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Sven Riederer: «Ich brauche Normalität»

Persönlich. Am 21. August verteidigt Triathlet Sven Riederer in Lausanne mit dem Schweizer Team den Weltmeistertitel.

Coopzeitung: Der Rennstart sieht beim Triathlon mehr nach einer Wasserschlacht als nach Schwimmen aus. Haben Sie da auch schon Schläge abbekommen?
Sven Riederer: Das kann es schon geben. Man wird getünkelt, sieht nichts und muss sich trotzdem orientieren, ohne Linie am Boden. Da sind andere Schwimmqualitäten gefragt als im Hallenbad.

Dann steigen Sie mit nassen Hosen und ohne Sattelcreme aufs Velo: Holt man sich da nicht einen wunden Hintern?
Ähhh, nein, eigentlich nicht. Sättel und Hosen sind heute deutlich besser. Ausserdem fahren wir bei der olympischen Distanz nur 40 Kilometer.

Nach so vielen Jahren Training und Wettkampf: Nehmen die Leiden und Schmerzen im Rennen ab oder gar zu?
Der Körper gewöhnt sich schon an vieles und wird resistenter. Über die Jahre hat man sich einen Rucksack erarbeitet.

Nächstes Jahr locken die Olympischen Spiele in London. Ist 2011 nur eine Zwischensaison, um sich darauf vorzubereiten?
Nein, Olympia ist erst 2012 ein Thema. Ich bin in der Weltrangliste gut positioniert, die Qualifikation sollte kein Problem sein. Mit der WM-Serie ist der Triathlon jedes Jahr interessant. Wir sind im Gegensatz zu anderen Sportarten nicht so von olympischen Resultaten abhängig.

Aber Gold wäre schon das höchste aller Gefühle?
Klar, aber es ist nur ein Tag. Da kann vieles passieren.

Erst mal verteidigen Sie am 21. August mit drei anderen Triathleten den Weltmeistertitel über die Sprint­distanz. Gefällt Ihnen der Teamwettkampf?
Das ist eine spannende Geschichte. Ich finde es sehr zeitgemäss, dass zwei Frauen und zwei Männer ein Team bilden. Gehst du als Team Schweiz und nicht als Sven Riederer an den Start, unterstützen dich noch mehr Fans. Selber ist man auch anders unter Druck. Bringst du eine schlechte Leistung, verhaust du nicht nur dein eigenes Rennen.

Prüfen Sie deshalb im Vorfeld den Formstand Ihrer Mitstreiter?
Nein, ändern kann ich ja eh nichts. Man muss es nehmen, wie es kommt.

Auf Ihrer Homepage nennen Sie «Der Alchimist» von Paul Coelho als Lieblingsbuch, einer der wohl beliebtesten Romane bei Sportlern.
Jetzt hab ich schon lange nichts mehr von Coelho gelesen, aber ich finde ihn immer spannend. Es gibt wohl anspruchsvollere Bücher, aber wenn ich nach dem Training kaputt im Bett liege, passt das gut. Es sind immer einfach zu lesende Geschichten, die trotzdem Tiefgang haben und mich als Sportler inspirieren.

Nach welchen Gesichtspunkten suchen Sie Bücher aus?
Im Bücherdschungel ist es schwierig, eine Wahl zu treffen. Anhand des Covers sieht man ja nicht, ob es gut ist - trotzdem entscheide ich oft danach (lacht). Ansonsten lese ich gerne Wirtschaftsbücher.

Wirtschaftsbücher im Sinne von «Ich-baue-mein-Business-auf»-Ratgebern?
Auch, oder Börsenstrategien, Wirtschaftskrisen, was sind die Zusammenhänge und so weiter.

Lesen Sie die Bücher als Vorbereitung für die Zeit nach Ihrer Sportkarriere?
Nein, es interessiert mich jetzt. Ich weiss noch nicht, was ich danach mache.

Sie haben vor zwei Jahren eine Internet-Plattform für Sportartikel lanciert. War das, um Ihr ausrangiertes Material zu verkaufen?
Nein, ich stelle einfach gerne etwas auf die Beine. Das ist ein Ausgleich zum monotonen Ausdauertraining, das ich vor allem den Winter durch betreibe. Da grüble ich über solche Dinge. Der Trainingsaufwand im Triathlon ist hart und man muss auf mehr verzichten als andere Sportler.

Welchen Luxus lassen Sie sich trotzdem nicht nehmen?
Das sieht von aussen wahrscheinlich krasser aus, als es ist. Klar gibt es Athleten, die sehr strikt leben. Ich aber brauche die Normalität, mein Umfeld, meine Familie und ich esse, was ich oder die Familie will. Im Training ist genug Disziplin gefordert. Wenn ich mit anderen Athleten zu lange im Trainings­lager bin, drehe ich durch.

Ist Ihnen das zu eindimensional?
Ja, dann geht es nur um Sport und Training. Wenn ich daheim das Altpapier bündle und das Chübeli nach unten bringe, bin ich schnell wieder in der Normalität. Das nimmt auch die Gefahr nach grossen Rennen, mit Riesenkulisse und Brimborium, abzuheben.

Muss die Familie auf Ihre Sportkarriere sehr viel Rücksicht nehmen?
Der Beruf hat Vor- und Nachteile. Der ältere Sohn geniesst es jedenfalls, an die Wettkämpfe zu kommen.

Schaut ein Junge in dem Alter nicht lieber Fussball?
Er spielt im Fussballclub. Ich finde das die optimale Einsteigersportart. Im Team wird die soziale Kompetenz gefördert, was ich für Kinder das Wichtigste finde. Falls er dann dauernd übers Feld rennt, aber das Goal nicht trifft, erkennt man dann noch früh genug, ob vielleicht eine Ausdauersport­art sinnvoller wäre.

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Steckbrief
Sven Riederer

Beruf(e): Metallbauer, Triathlet

Geburtsdatum: 27. März 1981

Zivilstand: Verheiratet mit Andrea, zwei Söhne (Noël und Lucian Ryan)

Wohnort: Wallisellen ZH

Laufbahn: Nach dem Junioren-EM-Titel 2001 und dem U-23-EM-Titel 2002 gelang Sven Riederer 2003 mit dem Team-Europameister-Titel der internationale Durchbruch als Profi-Triathlet. 2004 folgte der 3. Rang bei den Olympischen Spielen in Athen. Seither Spitzenplatzierungen bei Rennen und Meisterschaften, zuletzt mit dem Team-Weltmeister-Titel im Sprint 2010. Riederer gehört zur «Gold Group» genannten Top Ten der WM-Serie mit fixem Startplatz.

Links: Homepage von Sven Riederer; Sportmarktplatz von Sven Riederer

Olivier Joliat

Autor

Foto:
Christoph Kaminski
Veröffentlicht:
Dienstag 02.08.2011, 08:00 Uhr

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