Die Kniffe der Grossen

Schneider versucht sich als Krisenkommunikator

Sybil Schreiber: Bevor ich ins Bett gehe, drehe ich immer noch eine Runde bei den Kindern. Heute rufe ich Schneider dazu, denn wir haben schon lange nicht mehr gemeinsam unsere beiden schlafenden Töchter angeschaut und uns über dieses Wunder gefreut. Ich seufze zufrieden.
Da quietscht das Rad im Mäusegehege. Unsere drei Rennmäuse sind aufgewacht und machen Rambazamba. «Man muss das Laufrad aus dem Käfig nehmen, das ist ja wahnsinnig laut», flüstert Schneider. Mit «man» meint er mich. Ich handle, öffne den Deckel und hole das Gitterrad heraus. Schneider steht daneben und tut nichts. Danach gehen wir ins andere Kinderzimmer.
Auch unsere Grössere schläft selig. Da entdeckt Schneider am Fussende unseren Kater, der ebenfalls selig schläft. Dabei verbringt er normalerweise die Nacht im Freien.
«Sollen wir ihn hier übernachten lassen? Er sieht so zufrieden aus», meint Schneider.
«Und wenn er mitten in der Nacht raus will? Er schläft doch nie so lange drinnen und muss dann bestimmt mal ...», gebe ich zu bedenken.
«Na, dann machen wir die Türe auf und tun ihn einfach raus», sagt Schneider.
Soso! Schneider wacht nachts nur aus einem einzigen Grund auf: wenn er mal muss. Deshalb frage ich nach: «Wen genau meinst du mit ‹wir›?»

Steven Schneider: Wenn ich etwas nicht mag, dann Diskussionen kurz vor dem Einschlafen.
«Ich will, dass du diese ‹wirs› und ‹mans› nicht mehr verwendest», sagt Schreiber.
«Warum?»
«Weil du nicht ehrlich bist! Wenn du sagst, man sollte im Schopf aufräumen oder wir müssten das Lavabo entkalken, meinst du in Wahrheit, ich sollte es machen.»
Kann ich so tun, als sei ich grad jetzt eingeschlafen?
Nein.
Also muss ich kontern. Bloss wie? Wenn ich ehrlich bin, hat sie nämlich recht. Ich sage nie: «Du könntest ruhig wieder mal das Bad putzen.» Die Antwort käme postwendend: «Sonst noch was?» oder «Mach’ doch selber!»
Also packe ich meine Forderungen am liebsten dick in Watte. Das machen andere Kaliber doch auch. Krisenkommunikation bedeutet, elegant zu umgehen, was Sache ist: Kernkompetenzkonzentration statt Entlassung, Gewinnrückgang statt Verlust, Raumpflegen statt putzen.
Warum soll ich also nicht auch die Kniffe der Grossen anwenden?
Warum nicht von denen lernen, wie man Katastrophen, Skandale und Schweinereien formuliert, dass sie eigentlich ganz nett klingen?
Deshalb sage ich jetzt folgerichtig und freundlich: «Findest du nicht, wir sollten jetzt schlafen?»

(Coopzeitung 44/2011)

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Donnerstag 27.10.2011, 14:29 Uhr

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