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The Glue: «Wir machen Bio-Musik»

Die Basler A-capella-Gruppe «The Glue» hat in der Ausscheidung zum Eurovisionssong der Schweiz überzeugt und ist jetzt in die USA eingeladen.

Coopzeitung: Warum heisst Eure Gruppe «Leim»?
Tumasch: Der Name «The Glue» ist am Anfang der Bandgeschichte entstanden, vor mittlerweile 14 Jahren. Die damaligen Mitglieder haben nach einem Namen gesucht, der gut tönt und sind auf «The Glue» gestossen, ohne genau zu wissen, was es heisst. Als sich herausgestellt hat, dass es «Leim» heisst, haben wir verschiedenste Varianten gesucht, den Namen zu begründen, von «wir leimen Stile zusammen» bis «wir fesseln das Publikum, wie wenn es angeleimt wäre» - die Wahrheit ist aber: Es tönt einfach gut.

Dass fünf Sechzehnjährige sich zum Singen zusammentun, ist nicht ganz alltäglich. Wie seid Ihr auf die Idee gekommen?
Oliver: Wir sangen alle in der Knabenkantorei Basel und waren auf einer Reise in Wien. Da haben wir in einer kleineren Gruppe Strassenmusik gemacht und damit Geld verdient, um in den Prater zu gehen. Da hatten wir die Idee, das mit poppigeren Songs weiterzuführen. Seither haben wir uns von Klassik zu Pop bewegt und stehen immer noch irgendwo dazwischen. Die Klassiker sehen uns nicht als Klassik, die Pop-Leute nicht als Pop, und genau das ist unsere Stärke: Dass wir das ganze Spektrum beibehalten. Übrigens: Wir gehen dieses Jahr zum ersten Mal nach Wien für ein Konzert, zum fast 15-jährigen Bestehen der Band schliesst sich also der Kreis.

Die erste, bekannte Vokalgruppe waren wohl die Comedian Harmonists. Ein Vorbild für Euch?
Tumasch: Musikalisch überhaupt nicht. Sie haben schon auch so Dinge gemacht, wie bekannte Volkslieder umarrangiert. Von daher ist es ein ähnlicher Prozess und wir haben auch schon Songs der Comedian Harmonists gesungen. Unsere Vorbilder sind aber vielfältiger, es sind für jeden Song eine bestimmte Band oder ein Musiker.
Oliver: Wir suchen nicht im A-capella-Bereich nach Vorbildern, wir nehmen uns die Musik von richtigen Bands vor.
Michael: Und dann gibt es auch Stücke, die kein Vorbild haben, die aus uns selbst heraus entstanden sind.

A-capella-Ensembles aus neuerer Zeit sind etwa die «King Singers», die «Prinzen» oder die «Wiese Guys» - orientiert Ihr Euch daran?
Oliver: Wir funktionieren eher wie eine Band: Wir schreiben unsere Songs selbst und legen uns nicht auf einen Stil fest. Die meisten A-capella-Bands haben eher neutrale Musical-Stimmen, wir dagegen eher Charakterstimmen, vielleicht wegen unseres klassischen Hintergrunds.

Man hat fast das Gefühl, Singen sei wieder «in»?
Tumasch: Es ist schon so: Es gibt immer mehr junge Leute, die singen und es gibt mehr Konzerte und Veranstaltungen. Den Eindruck habe ich auch.

Warum?

Oliver: Vielleicht ist es ein Trend weg von der Technik, hin zum Natürlichen? Es gibt ja auch immer mehr Bands, die Unplugged-Konzerte geben. 
Tumasch: Wir verwenden schon auch Technik, aber unser eigentliches Ziel ist es, jeden Sound, den man sonst elektronisch kreiert, natürlich zu produzieren.

Macht Ihr also eine Art Bio-Musik?

Oliver: Das müsste man Michi fragen, er studiert Bio.
Michael: Bio-Musik, das tönt gar nicht so schlecht.

Bio-Musik, also. Viele A-capella-Gruppen sind Männer. Warum?

Tumasch: Das stimmt, es sind grösstenteils Männer. Vielleicht hat es mit dem Stimmspektrum zu tun. Eine Frau kann kaum einen richtigen Bass singen. Wir können mit der Kopfstimme aber die Frauenstimme dazunehmen.
Michael: Auch Beatboxer sind meistens Männer. Ich weiss nicht, warum.

Ist es nicht langweilig, ohne Instrumente Musik zu machen?
Tumasch: Nein, überhaupt nicht. 
Oliver: Gesang ist das Instrument, das alle verbindet. Theoretisch zumindest hat jeder die Möglichkeit, zu singen. Es ist das natürlichste Instrument.
Michael: Es ist das, was einem am nächsten ist.
Oliver: Wir können deshalb über alle Altersstufen hinweg Menschen ansprechen. Auch wenn die Musik zum Teil neu ist, ist doch vieles altbekannt. Man kann uns immer auf die Lippen sehen, dann merkt man, wie wir es machen. 

Jetzt geht Ihr auf eine USA-Tournee?
Tumasch: Wir geben acht Konzerte an der Ostküste in den USA und in Kanada. Wir sind an die Harmony Sweep-stakes nach New York eingeladen worden.
Oliver: Aus der Einladung hat sich eine kleine Tournee entwickelt. In Washington sind wir auch in der Jury des Festivals.

The Glue

Oliver Rudin: Bariton und Management, geboren 1981, unterrichtet am Gymnasium Musik und ist Chorleiter in Basel.
Tumasch Clalüna: Bariton und Texter, geboren 1980, ist freischaffender Regisseur.
Michael Moor: Bass und Beatboxer, geboren 1992, studiert Biologie an der Universität Basel.
Gregor Beermann und Jonas Göttin waren beim Gespräch nicht anwesend.
Aktuelle CD: Kin' de Lele

Zur Homepage von The Glue

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Matthias Zehnder

Ehemaliger Chefredaktor

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Dienstag 15.03.2011, 08:00 Uhr

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