1 von 2



Matthias Gnädinger: «Ich spaziere redend und gestikulierend durch die Gegend»

Schauspieler Matthias Gnädinger über die Ausflüge zum Textlernen und Schlemmen sowie das Fest zu seinem 70. Geburtstag.

Coopzeitung: Weshalb ist die Insel Werd einer Ihrer Lieblingsorte in der Region Stein am Rhein?
Matthias Gnädinger: Wenn ich zu Hause Text zu lernen versuche und dazu einen Satz zehn Mal wiederhole, dann fange ich immer an, etwas nebenher zu machen. Zum Schluss habe ich zwar abgestaubt, aber den Text noch nicht im Kopf! (lacht) So lerne ich eben oft in der Natur. 

Wie muss man sich das vorstellen?
Ich spaziere redend und gestikulierend durch die Gegend. Früher war ich meistens zwischen Ramsen und Stein am Rhein unterwegs. Da der Weg entlang der Bahnlinie und Strasse führt und es dann die Runde macht: «Der Mathis ist wieder unterwegs!», ziehe ich mich heute lieber aufs Werd-Inseli zurück.

Ist das Textlernen für Sie die härteste Seite Ihres Berufs?
In den ersten zehn Jahren hatte ich die Texte richtig in mich hineingefressen. Als ich während meiner Schriftsetzerlehre vom Stadttheater Schaffhausen angefragt wurde, ob ich einspringen könnte und die Rolle «ums Verrecke» wollte, habe ich den ganzen Text in einer Nacht auswendig gelernt, um zwei andere Laiendarsteller auszustechen!

Und das geht heute nicht mehr so leicht?
Nein, aus dem Wollen wurde ein Müssen. Und bei allem, was ich machen muss, sperrt sich sofort etwas in mir. Als ich nach Weihnachten abnehmen sollte, habe ich gleich zehn Kilo zugenommen! (lacht) Nun hoffe ich auf die Fastenzeit ...

Was hatte einst Ihre Begeisterung für die Schauspielerei geweckt?
Eigentlich wollte ich ja Grafiker werden, doch weil man dies damals in Schaffhausennicht lernen konnte und die Kunstgewerbeschule in Zürich für unsere Familie zu teuer war, riet mir der Berufsberater zur Schriftsetzerlehre. Da machte ich zwar eine Zeitung und Bücher, aber ich war nicht glücklich, weil ich meine Kreativität nicht ausleben konnte. 

Wie kam die Wende?
Ich begann zu festen und herumzusaufen. Eines Tages sagte mir mein Onkel, unter dessen Regie ich Laientheater spielte und der mich immer gefördert hatte, er habe mich für die Aufnahmeprüfung am Bühnenstudio in Zürich angemeldet. Diesen Tritt hatte ich gebraucht! Ich verdanke ihm viel. Er war mein grosses Vorbild.

Weshalb kehrten Sie nach Ihrer Theaterkarriere in Deutschland gerade in die Region zurück, deren Klima Sie in der Jugend als autoritär empfunden hatten?
Das war kein Kopf-, sondern ein Bauchentscheid. Bei mir hat eben alles mit dem Bauch zu tun, auch schon wegen der Schauspielerei wegzugehen! (lacht) 

Freuten Sie sich, als Sie durch den Film «Sternenberg» und die TV-Serie «Lüthi & Blanc» zum Volksschauspieler avancierten?
Ich kann mit solchen Kategorisierungen nicht viel anfangen. Für mich gibt es kein intelligentes oder dummes Publikum. Ich selbst bin keine Intelligenzbestie, kann manche Dinge eher ahnen oder spüren als vom Verstand her knacken. Wenn ich mich volle Pulle reinhänge, verstehe ich auch komplizierte Sätze, könnte sie aber nicht so formulieren wie ein Dramatiker. Anderseits hätte der vermutlich Mühe, sie auf der Bühne umzusetzen. 

Haben Sie Ihrem Sohn Gilles von der Schauspielerei abgeraten?

Nein, aber er musste zuerst eine Kochlehre machen. Nachdem er bei einem Freund war, der in England eine Schauspielschule machte und dann keinen Job fand, hat er das eingesehen, obwohl er mit 14 Jahren - nach seiner ersten Rolle in «Lüthi & Blanc» - schon gesagt hat, dass er Schauspieler werden will. Momentan steckt er in der Grenadier-RS. Seinen Traum hat er aber noch nicht aufgegeben.

Wie werden Sie Ihren 70. Geburtstag feiern?
Normalerweise feiere ich den Geburtstag mit meiner Frau. Diesmal muss ich etwas auf die Zähne beissen, da für meinen Geschmack ein zu grosser Zauber bevorsteht. Das hängt damit zusammen, dass mein vier Jahre jüngerer Bruder wie ich am 25. März Geburtstag hat und ich Ursula heimlich geheiratet habe. Da ich ein Schnapszahl-Fan bin, beschlossen wir, das Fest in unserem verflixten siebten Jahr nachzuholen. Wir haben 111 Leute eingeladen, um 70 + 7, also 77 Jahre, und den 66. Geburtstag meines Bruders zu feiern.

Ihre nächsten Rollen?
Hansjörg Schneider und ich gehen mit meiner Lesefassung seines neuen Romans «Hunkeler und die Augen des Ödipus» auf Tournee. In der Verfilmung im Sommer werde ich den Fall dann hinten herum lösen müssen, da mich der Drehbuchautor schon in der «Silberkiesel»-Folge pensioniert hat. Er dachte, es gebe keine Fortsetzung. Aber ich höre nicht auf!

Worauf freuen Sie sich privat?
Ich bin einer der leidenschaftlichsten Klassenzusammenkunft-Veranstalterder Welt! Drei Monate nachder Schule habe ich schon das erste Treffen auf die Beine gestellt. Zugegeben, nicht ohne Hintergedanken, weil es dann in Ramsen immer eine Freinacht gab! (lacht) Im September lösen wir unser altes Versprechen ein, den Klassenkameraden, der im Périgord wohnt, zu besuchen. Wir fahren mit einem Luxusreisebus für eine Woche in diese Gegend, in der man so fein essen kann ...

Matthias Gnädinger

Beruf: Schauspieler
Geburtsdatum: 25. März 1941 in Ramsen
Zivilstand: Seit sieben Jahren verheiratet mit Jugendliebe Ursula Zanotti, er hat zwei Kinder aus erster Ehe.
Bühnenlaufbahn: Schriftsetzerlehre, Schauspielausbildung am Bühnenstudio Zürich. Engagements an renommierten Theatern in Deutschland und Zürich (bis 1988). Kinofilme (Auswahl):«Das Boot ist voll» (1981), «Leo Sunnyboy» (1989), «Reise der Hoffnung» (1990), «Sternenberg» (2004), «Länger leben» (2010) TV-Serien:«Lüthi & Blanc» (2002–2007), «Hunkeler» (seit 2004)

Kommentare (0)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.





Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld:

$springMacroRequestContext.getMessage($code, $text)






Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.

Reinhold Hönle

Autor

Foto:
Annette Boutellier
Veröffentlicht:
Dienstag 22.03.2011, 08:00 Uhr

Weiterempfehlen:



Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?