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Martin Laciga: «Er ist froh, wenn ich gehe»

Persönlich. Martin Laciga (36) ist einer der Grossen des Beachvolleyballs. Er spielt neu mit Jonas Weingart (25). Eine Vater-Sohn-Beziehung der etwas anderen Art.

Coopzeitung: Sie sind verheiratet, haben einen Sohn. Wie vertragen sich Ihre langen Abwesenheiten für Trainingslager und Wettkämpfe mit einer Familie?
Martin Laciga:
Anfangs hatten wir schon Probleme damit. Jan, mein Sohn, hielt sich an meiner Tasche fest, wenn ich von zu Hause abreisen musste, und wollte mich nicht gehen lassen. Das tat mir schon weh – und ihm natürlich auch. Aber in der Zwischenzeit ist es fast schon umgekehrt: Jetzt ist er froh, wenn ich das Haus verlasse (lacht und streichelt seinem Sohn über den Kopf) – das ist natürlich übertrieben. Aber mein Job hat auch den Vorteil, dass ich mich, wenn ich in der Schweiz bin, auch tagsüber intensiver mit meinem Sohn beschäftigen kann, als dies bei einem Vater der Fall ist, der von 8 bis 17 Uhr arbeiten muss.

Wenn man Sie mit Ihrem neuen Spielpartner Jonas Weingart am Strand trainieren sieht, könnte man auf den ersten Blick denken, hier spiele ein Vater mit seinem Sohn.
Ein bisschen übertrieben ist das schon, Jonas ist doch nur elf Jahre jünger als ich.

Ja, aber das ist eine Sportlergeneration.
Das stimmt allerdings.

Und das ist kein Problem?
Eigentlich nicht, wir haben ja dasselbe Ziel: Erfolg. Für mich ist ein junger Partner vorab erfrischend. In seinem Alter ist man in der Lage, mehr und intensiver zu trainieren. Das fordert mich insofern, als die Erholung für mich bisher kein Problem war, heute ist sie fast das Wichtigste.

Letzte Saison spielten Sie mit Jefferson Bellaguarda zusammen auf Weltniveau sehr erfolgreich. Trotzdem hat «Bella» sich entschlossen, die Partnerschaft aufzulösen. Wie war das für Sie?
Der sportliche Erfolg ist das eine, ob es persönlich für beide stimmt, das andere. Und Letzteres war nicht der Fall – das ist kein Geheimnis. Bei 99,9 Prozent der Teams kommt es früher oder später zu zwischenmenschlichen Problemen. Die Frage ist, wie man damit umgeht.

Wie gehen Sie damit um?
Ich habe gelernt, damit zu leben, mich den Problemen zu stellen, mich mit ihnen auseinanderzusetzen. Mein Bruder, mit dem ich zehn Jahre lang zusammengespielt habe, ist fünf Jahre älter als ich, das war nicht immer einfach. Ich wurde in dieser Beziehung immer gefordert – von klein auf. Bei Bella ist es nicht ganz so. Ich bin eher der Arbeiter, Bella der Geniesser. Er ist ein ausgezeichneter Spieler. Aber um seine volle Leistung zu bringen, ist es für ihn viel wichtiger als für mich, auch Spass zu haben. Als ich sehen musste, dass Bella mit mir und meiner Art nicht glücklich war, wurde das auch für mich zum Stressfaktor …

… was schliesslich zur Auflösung Ihres Teams führte.
Ja. Aber ich denke, nun haben Bella und ich neue Spielpartner gefunden, die menschlich besser zu uns passen. Bella spielt mit Pat-rick Heuscher – beides sind eher introvertierte Typen. Jonas und ich dagegen können eher mal rauslassen und ertragen dies auch besser.

Trotzdem ist auffallend, dass Ihr Partnerverschleiss nach der Trennung von Ihrem Bruder relativ gross ist.
Tja, das ist tatsächlich so. Wobei man jeden Fall etwas genauer betrachten muss: Von Markus Egger musste ich mich trennen, weil er sich verletzte, und bei Jan Schnider und Bella waren wir beide der Ansicht, dass die sportlichen Aussichten mit einem neuen Partner besser sind.

Haben Sie sich auch schon die Frage gestellt, dass Sie selber kein einfacher Typ sein könnten?
Ich bin sicher sehr ehrgeizig. Ich bin bereit, für den sportlichen Erfolg viel zu geben. Dasselbe fordere ich von meinen Partnern. Doch für diese ist es nicht immer einfach, mit diesem Erfolgsdruck umzugehen. Ich habe mit vielen Leuten da-rüber gesprochen, und fast alle bestätigten mir, dass man für den Erfolg halt auch hart arbeiten muss. In einem «normalen» Beruf ist das ja nicht anders: Wenn Ihr Chef von Ihnen mehr Umsatz fordert, kann dies auch zu Meinungsverschiedenheiten führen.

Wie sehen Ihre sportlichen Perspektiven mit Jonas Weingart aus?
Wir haben einen grossen Vorteil: Von uns erwartet man nicht allzu viel, wir können das Feld praktisch von hinten aufrollen. Und Jonas ist in einem Alter, da macht er sehr schnell Fortschritte. Wenn ich sehe, wie das bisher im Training gelaufen ist, habe ich überhaupt keinen Zweifel daran, dass es mit uns klappen wird. Die Frage ist, wie es bei Wettkämpfen aussieht, wenn man an einem Tag zwei, drei Spiele gegen Weltklassegegner bestreitet. Aufgrund der bisherigen Resultate Ihres Partners werden Sie eine Weile lang kaum direkt ins Haupttableau der grossen Weltturniere kommen. Das sehe ich anders: Bisher musste ich mit meinen Partnern vielleicht zwei, drei Mal in die Qualifikation, um mich für das Haupttableau zu qualifizieren. Ich wüsste nicht, warum es diesmal nicht klappen sollte. Jonas ist enorm lernfähig und selbstkritisch. Es macht einfach Spass, ihm bei seinen Fortschritten zuzuschauen. Die Zukunft gehört ihm, und ich hoffe, selber noch möglichst lange dabeibleiben zu können.

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Steckbrief:

Martin Laciga

Beruf: Beachvolleyballer
Geburtsdatum: 25. Januar 1975
Zivilstand: verheiratet, ein Sohn (Jan, 6)
Wohnort: Kerzers FR Grösse/Gewicht:195 cm/98 kg
Sportliche Erfolge: Europameister 1998, 1999 und 2000, Schweizermeister 1994, 1996, 2009 und 2010, Olympia-5. 2000 und 2004, Olympia-9. 2008, Vize-Weltmeister 1999, Weltnummer 1 im Jahr 1999.Aktueller Partner: Jonas Weingart
Homepage: Laciga und Weingart


Martin Zimmerli

Redaktor

Foto:
Georgios Kefalas
Veröffentlicht:
Mittwoch 10.08.2011, 17:19 Uhr


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