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«Ich habe ja so vieles: Garten, Äcker, Tiere …»

Regina Fuhrer war zehn Jahre lang Präsidentin von Bio Suisse. Nun geht sie in die Politik und will für die SP in den Nationalrat.

Coopzeitung: Beim ersten Interview als Bio-Suisse-Präsidentin haben wir Sie mit einem Säulein in den Armen fotografiert: Hat es Ihnen Glück gebracht?

Regina Fuhrer: Es braucht gewiss auch Schwein, wenn man zehn Jahre einen Verband präsidiert. Die Bio-Bewegung ist massiv gewachsen und hat sich verändert. Um dieses Wachstum zu bewältigen, brauchte es neben dem Glück vor allem auch Arbeit.

Was hat sich denn vor allem verändert?
Zu den ursprünglichen Grundsätzen des Bio-Landbaus sind neue Kriterien gekommen. Stichworte dazu sind soziale Arbeitsbedingungen, Biodiversität oder fairer Handel. Ausserdem ist der Umsatz von Bio-Produkten in zehn Jahren von 784 Millionen auf 1,639 Milliarden Franken gestiegen.

2010 wurden im ansonsten stagnierenden Lebensmittelmarkt über sechs Prozent mehr Bio-Produkte umgesetzt. Warum ist das so?
Da gibt es ganz verschiedene Gründe. Bio-Konsumenten wollen sich selber etwas Gutes tun und pestizidfreie, geschmackvolle Lebensmittel essen. Ausserdem wachsen die Verantwortung für die Umwelt und das Verständnis für die Zusammenhänge von Produktion, Verarbeitung und Konsum. Das sieht man auch an den steigenden Verkaufszahlen von Bio-Baumwollkleidern oder Fairtrade-Produkten.

Sie haben als Bio-Suisse- Präsidentin immer wieder mit den Vertretern von Coop verhandelt, eine Art David-gegen-Goliath-Situation …?
Es herrscht zwischen Bio Suisse und Coop eine einzigartige partnerschaftliche Gesprächskultur. Unsere oft durchaus auch harten Verhandlungen waren geprägt von gegenseitigem Respekt und fanden auf Augenhöhe statt. Immer.

Wie war es damals, als Sie plötzlich darüber entscheiden mussten, ob Crevetten oder Halbfertigprodukte mit dem Bio-Label ausgezeichnet werden sollten?
Es gab im Verband schon Diskussionen. Doch die Bio-Bewegung war ja nie sektiererisch, und wer Fertig-Kartoffelstock will, soll ihn haben. Für viele berufstätige Menschen sind solche Produkte ja ein Segen. Die Frage war darum eigentlich weniger das Ob, sondern das Wie. Wenn Bio, dann richtig. Das hiess und heisst, dass nicht nur die Herkunft der Rohstoffe, sondern auch der Herstellungsprozess den Knospe-Kriterien genügen muss.

Wer ist eigentlich die Regina Fuhrer jenseits von Bauernhof und Verbandsarbeit?
Dann bin ich ein Mensch wie du und ich. Ein Morgenmuffel etwa, der kaum aus den Augen sieht, bis er die Milch in die Käserei fährt. Ich sehe auch gerne mal einen Fernseh-Tatort. Vor allem aber bin ich ein Sippenmensch. Das Wort Sippe schliesst für mich nicht nur die Familie, sondern auch Freundinnen, Freunde und Bekannte mit ein. Dementsprechend oft haben wir Besuch.

Das Leben besteht ja nicht nur aus Besuch, Tatort und Käsereifahrten, oder?
Natürlich lese ich gerne mal etwas anderes als Protokolle und Zeitungen. Grundsätzlich habe ich das Glück, dass ich gerne arbeite und so vieles habe: Tiere, Äcker, Politik, Obstbäume, Garten ... Die damit verbundenen Arbeiten fliessen alle ineinander über und ich unterscheide eigentlich nicht zwischen Arbeit und Hobby.

Wie geht Ihr Mann damit um, dass Sie oft unterwegs und noch öfter in den Medien sind?
Das müssen Sie ihn selber fragen. Ich für mich kann nur sagen, dass mir mein Mann Res den Boden unter den Füssen gibt. Ohne ihn, seine Ruhe, seine Verbundenheit mit der Erde, den Tieren, hätte ich meine Aufgaben als Präsidentin nicht erfüllen können.

Zum Ende Ihrer Präsidentschaft boomt die Bio-Bewegung, es gibt auch wieder mehr Bauernfamilien, die umstellen. Was aber haben Ihnen die zehn Jahre persönlich gegeben?
Einen Rucksack voll schöner Erinnerungen und wertvollen Erfahrungen. Am meisten haben mir wohl die Begegnungen mit engagierten Bio-Bäuerinnen und -Bauern gebracht. Wenn wir jeweils an unseren Versammlungen oder in Beizen und bei mir daheim über das Wohin der Bio-Bewegung diskutieren, gab mir das viel Energie. Da wurden auch Freundschaften geboren.

Sie betonen, wie gerne Sie Ihre Arbeit als Bio-Bäuerin haben. Und trotzdem kandidieren Sie auf der SP-Liste für den Nationalrat.
Gerade weil ich von der Bio-Landwirtschaft überzeugt bin und etwas von ihr verstehe. In den Landwirtschaftsgremien und -verbänden sind fast nur Männer. Umso wichtiger ist es, dass auch die Bio-Bäuerinnen eine Stimme bekommen. Und warum gerade die SP? Weil die SP meinen Überzeugungen entspricht und weil die SP schon seit vielen Jahren auf die Bio-Landwirtschaft setzt. Es ist nun bald Abend.

Was tun Sie nach diesem Interview?
Brot backen und meine Mails beantworten. Dann ist schon wieder Zeit für den Stall.

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Steckbrief:

Regina Fuhrer

Alter: 52
Familie: verheiratet, zwei erwachsene Kinder
Wohnort: Burgistein BE
Ausbildung: Handweberin und Bäuerin
Stärken: «Offen auf Leute zugehen.»
Schwächen: «Ungeduldig und aufbrausend.»
Link: BioSuisse

Franz Bamert

Redaktor

Foto:
Georgios Kefalas
Veröffentlicht:
Mittwoch 10.08.2011, 17:32 Uhr


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