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Daniel Anrig ist Kommandant der Schweizergarde in Rom.

Der ehemalige Chef der Kantonspolizei Glarus hat im Vatikan seine Berufung gefunden.

Daniel Anrig: «Es war Berufung»

Daniel Anrig ist Kommandant der Schweizergarde in Rom. Der ehemalige Chef der Kantonspolizei Glarus hat im Vatikan seine Berufung gefunden.

Coopzeitung: Warum sind Sie hier?
Daniel Anrig: Als junger Mann war ich von 1992 bis 1994 Gardist. Ich war damals schon vom Wunsch getrieben, etwas für Papst und Kirche zu tun. Als 20-Jähriger war das ein einfacher Schritt nach der Matura. Dass ich heute Kommandant bin, empfinde ich schlichtweg als eine Berufung: Nach der Demission meines Vorgängers haben mir kleine Zeichen gesagt, dass es meine Berufung ist. So durfte ich im Dezember 2008 als Kommandant in den Vatikan zurückkommen.

War Gardist zu werden ein Bubentraum?
Bei mir nicht, nein: Bei mir kam die Idee erst auf, als ich schon 19 Jahre alt war. Kommandant zu sein, das hat sich so ergeben, dies kann man gar nicht träumen.

Sie hatten den Wunsch, etwas für den Papst und die Kirche zu tun. Warum sind Sie nicht Priester geworden?
Die Mehrheit der Katholiken sind Laien. Jeder Laie jeden Alters, ob Frau oder Mann, hat ein religiöses Herz und geht auf die Suche nach Gott. Die Kirche ist das Vermächtnis von Jesus Christus auf Erden. Schon als kleiner Bub habe ich in der Kirche als Ministrant gedient. Der Gardedienst ist ein spezieller Dienst mit einem militärischen Hintergrund. Für jeden jungen Schweizer Katholiken ist es ein sehr spezielles Privileg, so etwas machen zu dürfen. Viele junge Menschen nehmen in der Fülle der Medieneindrücke nicht mehr wahr, welche Möglichkeiten ihnen hier offen stehen. In diesem traditionsreichen Korps zwei Jahre zu dienen, ist eine fantastische Möglichkeit.

Was haben Sie nach Ihrer Zeit als Hellebardier gemacht?
Ich habe an der Uni Fribourg Jus studiert und war danach wissenschaftlich tätig. 2002 wurde ich Chef der Kriminalpolizei des Kantons Glarus, 2006 wurde ich zum Kommandanten der Kantonspolizei Glarus befördert. 

Haben Sie Familie?
Ja, ich bin verheiratet und habe vier Kinder im Alter zwischen 7 und 13 Jahren, die hier in der Kaserne leben und in der Schweizerschule in Rom zur Schule gehen. Innerhalb des Korps haben wir stets etwa 10 bis 15 Familien von verheirateten Gardisten, die alle ebenfalls im Gardequartier wohnen. Zurzeit leben über 20 Kinder in der Kaserne.

Die Schweizergarde gibt es seit über 500 Jahren – was bedeutet Ihnen diese Geschichte?
Die Geschichte ist wesentlich bei der Vermittlung von Werten. Wir schulen jedes Jahr 30 bis 35 Schweizer neu ein. Um die Werte zu vermitteln, ist es wichtig, diese auch vorzuleben. Dies ist nur möglich, wenn man die Garde im Kontext der Geschichte betrachtet. Vor allem für Werte wie Loyalität und Treue ist das Geschichtsverständnis essenziell. Dieser Geschichte gegenüber fühle ich mich verpflichtet. Die Kirche ist schon 2000 Jahre alt – die Garde ist 505-jährig. Wir leisten in der Garde einen Beitrag dazu, dass die Kirche weiterlebt. Wir leben die religiösen und militärischen Werte weiter.

Sind Sie ein Söldner?
Wir sind das letzte Stück einer sehr alten militärischen Tradition: Wir sind die letzte Kompanie in fremden Diensten. Die kleine Schweiz konnte nur überleben, weil über Jahrhunderte viele Männer in fremdem Sold standen. Ein Söldner verpflichtet sich seinem Schirmherrn zur Treue – diese Treue ist sehr essenziell. Der Begriff «Söldner» muss ergänzt werden durch «Schweizer». Die Schweizer Söldner sind in der Geschichte (und heute) vor allem ihrer Treue wegen geschätzt worden. 

Der Papst ist für Sie nicht einfach der Heilige Vater, sondern auch der Mensch, für dessen Schutz Sie besorgt sind. Was bedeutet Ihnen der Papst?

Wir als Schweizergardisten müssen in aller Bescheidenheit sehen, dass wir in erster Linie im Vatikan sind, um Dienst zu leisten. Wir müssen zur Optimierung seines Wirkens beitragen. Unser Kerngeschäft sind die Bewachung und der Schutz des Heiligen Vaters, dessen Residenzen sowie das Leisten von Ordnungs- und Ehrendienst. Es ist unser Auftrag, dafür zu sorgen, dass dies alles rund läuft.

Aber was bedeutet Ihnen der Papst persönlich?
Für mich persönlich ist er zentral und von grosser Wichtigkeit; nicht nur für meinen beruflichen Auftrag, sondern auch für mich als Mensch. Er ist der Stellvertreter des Heilands auf Erden, und wir hören ihm entsprechend zu.

Die CIA schützt den amerikanischen Präsidenten mit modernstem Gerät – Sie stehen mit Hellebarden da. Spielen Sie Theater?

Der Auftrag, das Kirchenoberhaupt zu beschützen, ist anders zu erfüllen als der Auftrag, ein weltliches Oberhaupt zu schützen. Wir haben sämtliche Mittel zur Verfügung, die eine moderne Personenschutzorganisation hat. Die Botschaft der Gardisten in Gardeuniform ist, dass wir im Auftrag der friedlichen Menschen da sind. Der Papst will den Gläubigen begegnen können, wir sind in seinem Dienst.

Und was machen Sie nach der Schweizergarde?
Viele Gardisten arbeiten nach dem Dienst im Vatikan im Sicherheitsbereich, sei es im Militär, sei es bei der Polizei; Maturanden nehmen das Studium auf. Ich bin jetzt da und lebe da und konzentriere mich ganz auf meine Berufung hier. Was der Herr mit mir noch vorhat, wird sich zeigen.

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Matthias Zehnder

Ehemaliger Chefredaktor

Foto:
Christian Lanz
Veröffentlicht:
Donnerstag 28.07.2011, 08:00 Uhr

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Steckbrief
Daniel Anrig

Geboren: 10. Juli 1972 in Walenstadt.

Werdegang: Nach der Matura an der Kantonsschule in Sargans und der Rekrutenschule diente Anrig von 1992 bis 1994 als Hellebardier in der Schweizergarde. Anschliessend studierte er an der Universität Fribourg Rechtswissenschaften. 1999 schloss er sein Studium mit dem Lizenziat in zivilem und kanonischem Recht ab. 2002 wurde er Chef der Kriminalpolizei des Kantons Glarus.

Im März 2006 wurde er zum Kommandanten der Kantonspolizei befördert. Papst Benedikt XVI. hat Daniel Anrig am 19. August 2008 zum 34. Kommandanten der Päpstlichen Schweizergarde ernannt. Er hat das Amt am 1. Dezember 2008 angetreten.

Familie: Anrig ist mit der Theologin Bernadett verheiratet und hat vier Kinder, zwei Buben und zwei Mädchen.

Aktuell: Papst Benedikt XVI. hat Daniel Anrig am 19. August 2008 zum 34. Kommandanten der Päpstlichen Schweizergarde ernannt. Er hat das Amt am 1. Dezember 2008 angetreten.

 

 



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