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Caroline Rominger: «Es war keine Liebe auf den ersten Blick»

Caroline Rominger ist die beste Golfspielerin der Schweiz. Dieses Jahr ist die Bündnerin schon zum dritten Mal als Profigolferin auf der Ladies European Tour unterwegs.

Coopzeitung: Meine Freunde wollen unbedingt, dass ich mit Golf anfange. Weshalb sollte ich das tun?
Caroline Rominger: Golf ist eine dieser Sportarten, die jeder mit jedem machen kann. Es kommt nicht auf das Niveau an. Und man ist draussen, in der Natur, man bewegt sich. Aber es braucht ziemlich viel Durchhaltevermögen. Ehrlich gesagt, am Anfang gefiel mir das Golfen auch nicht. Mir machte es erst ab einem gewissen Handicap Spass. Wenn du den Ball etwas mehr spürst und nicht nur drauflosschlägst. Aber wenn du Ehrgeiz hast, geht es relativ schnell voran. Du musst einfach dranbleiben. 

Dann war es bei Ihnen keine Liebe auf den ersten Blick?
Überhaupt nicht. Nachdem ich als 11-Jährige zum ersten Mal einen Schläger in der Hand gehalten hatte, habe ich zwei Jahre gar nicht mehr gespielt. Ich blieb lieber bei dem, was ich schon konnte: Reiten, Tennis und Skifahren. Erst später bin ich wieder zum Golf gekommen.

Und die anderen in Ihrer Familie?
Unterdessen spielen wir alle sechs Golf und machen auch mal ein «Mätchli». Mein Bruder Martin ist auch Golfprofi. Eine meiner Schwestern war mal in einem Regionalkader und der jüngere Bruder hat vom Eishockey her ein gutes Ballgefühl. 

Sind es nun die sportlichen Gene oder ist es Ehrgeiz?
Das ist schwierig zu sagen. Wir haben immer sehr viele Sportarten gemacht. Mein Grossvater war Skirennfahrer und hat an Olympischen Spielen teilgenommen. Es ist möglich, dass es einfach in der Familie gegeben ist. Dass es nun gerade Golf geworden ist, ist wohl Zufall. Jetzt sind Sie schon das dritte Jahr auf der Ladies European Tour. 

Wie ist das Leben als Profigolferin?
Mittlerweile gefällt es mir sehr gut. Am Anfang hatte ich eher etwas Mühe. Es war schwierig mit dem vielen Reisen. Ich kannte fast niemanden. Und in der ersten Saison spielte ich auch nicht so gut. Damals hatte ich eine Teilkarte und nur wenige Turniere gespielt. Eigentlich ist jetzt erst mein zweites volles Jahr. Mittlerweile habe ich aber gute Freundinnen auf der Tour. Wir verabreden uns oft, teilen die Hotelzimmer, gehen zusammen essen und bleiben auch mal einen Tag länger an einem Ort. 

Und dann gibts auch mal ein Glas Bier am Abend?
Also, ich trinke sowieso kein Bier, aber ich trinke auch sonst eher wenig. Wenn ich Sport mache, dann mache ich es richtig oder lass es sein. Aber es ist nicht so, dass Alkohol auf der Tour tabu wäre. Vor allem die Engländerinnen, die nehmen schon mal ein Bier. 

Gibt es bei Ihnen auch Tage, an denen Sie am Morgen aufstehen und überhaupt keine Lust auf Golf haben?
Nein, gar nicht. Bei mir geht es eher in die andere Richtung, ich muss mich manchmal zurücknehmen und bewusst einen Tag Pause machen. Ich spiele extrem gerne und trainiere extrem gerne. Es gibt höchstens Tage, an denen ich einfach müde bin, wo es mir zu viel wird, mit dem Reisen, mit den ganzen Verpflichtungen und Terminen. Aber nicht das Golfen selbst. Das war immer schon mein Traum. Und ich konnte das Hobby zu meinem Beruf machen. Momentan ist es genau das, was ich möchte. 

Und wovon träumen Sie jetzt?
Ich würde sehr gerne einmal ein Turnier gewinnen. Oder mich für ein British Open qualifizieren. Und dann möchte ich einfach Schritt für Schritt weiterkommen. Aber das Wichtigste ist, dass ich Spass daran habe und die Leidenschaft für diesen Sport an andere Leute weitergeben kann. 

Wie lange möchten Sie noch Golfprofi bleiben?
Ich glaube, im Sport kann man nicht so planen. Ich könnte mich verletzen oder eine extrem schlechte Saison haben, dann wäre Schluss. Es ist aber auch das Gegenteil möglich, dass ich eine sehr gute Saison habe. Wenn ich ein Turnier gewinne, habe ich die Spielberechtigung für die nächsten zwei Jahre. Man muss sich ja auch Jahr für Jahr wieder qualifizieren. Ein paar Jahre möchte ich sicher noch spielen, ich stehe ja erst am Anfang. 

Trotzdem: Was würden Sie machen, wenn Sie nicht golfen könnten?
Vermutlich etwas im Bereich Eventorganisation, Sponsoring oder Marketing. Hingegen wollte ich nie auf der Driving Range stehen und unterrichten. Aber da habe ich mir noch nicht so Gedanken gemacht. Jetzt möchte ich lieber noch etwas Golf spielen. 

Was können Frauen beim Golfen besser als Männer?
Frauen haben beim Schwung einen besseren Rhythmus. Männer hauen einfach stärker drauf. Dadurch kommen sie zwar viel weiter, ihre Bälle fliegen aber auch weniger gerade als jene der Frauen. 

Verraten Sie mir das Geheimnis des perfekten Schwungs?
Das Geheimnis? Üben. Den perfekten Schwung gibt es nicht. Den hat niemand. Auch ich trainiere möglichst oft mit dem Pro. Obwohl ich täglich unzählige Bälle schlage. Um gut zu spielen, muss man einfach üben.

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Nicole Hättenschwiler

Stv. Chefredaktorin

Foto:
Christoph Kaminski
Veröffentlicht:
Montag 11.07.2011, 08:00 Uhr

Steckbrief
Caroline Rominger

Geboren: 15. Mai 1983 in Samedan
Zivilstand: ledig, aber vergeben 
Wohnort: Hünenberg 
Werdegang: Spielt Golf seit 1995. Nach dem Gymnasium Studium in den USA und in Samedan (Tourismus und Eventmanagement). Als Amateurin sechsfache Schweizermeisterin im Stroke-Play und Match-Play. Von 2006 bis 2008 führte sie die Schweizer Jahresrangliste an. Seit 2009 als Proette (Berufsgolferin) auf der European Tour, der zweitgrössten Tour der Welt. Mit dem 11. Rang am Allianz Slovak Open im Mai 2011 schaffte Caroline Rominger ihr bisher bestes Resultat. Über ihr Leben auf der Tour schreibt sie eine monatliche Kolumne im Magazin Golf & Country. Ihr älterer Bruder Martin ist ebenfalls Golfprofi und derzeit auf der Asian Tour unterwegs.
Link:
Homepage von Caroline Rominger

 



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