Tanke, nein Danke!

Sie sieht und er ignoriert, was schiefgehen kann.

Sybil Schreiber: Als Beifahrerin habe ich im Auto den Kopf frei für Dinge, die Schneider übersieht: den Fuchs auf dem Stoppelfeld , die leuchtenden Nachtkerzen im Strassengraben, den Vollmond. Ich gebe mir Mühe, ihm nicht in seine Fahrkünste zu pfuschen und lasse mir mit meinen Hinweisen jeweils Zeit. Doch jetzt grad dauert mir sein Nichtwahrnehmen zu lange: Seit einer gefühlten Ewigkeit leuchtet auf der Armaturen-Anzeige knallorange ein Lämpchen. Es ist die Benzinanzeige. Wir sind also nur noch dank Reservetank auf der Strasse unterwegs.

«Sag mal, siehst du das Licht da?», frage ich ihn. Er pfeift und nickt. «Wir haben bald kein Benzin mehr!», sage ich etwas gereizt. Er pfeift und nickt. «Die nächste Tanke kommt aber erst in ein paar Kilometern, was du bestimmt übersehen hast, weil du zwar auf die Strasse, aber sonst nirgends hin guckst.»
«Das reicht locker ...»
«Das ist mir egal. Die Lampe leuchtet, also sollten wir möglichst rasch Benzin organisieren. Und wenn wir zum Beispiel jetzt nachts hier auf dieser Brücke ausrollen und stehen bleiben, dann ist das erstens saugefährlich, zweitens saudumm und drittens sauteuer!» Schneider lächelt: «Vertrau mir!»


Steven Schneider:
Wie ist das, wenn man ständig in Sorge lebt? Kennt Schreiber überhaupt ein anderes Leben, als nur von der einen nicht eingetretenen Katastrophe zur nächsten nicht eintretenden Katastrophe zu bibbern?
Was wäre schon dabei, wenn wir ohne Benzin stehen bleiben würden? Bis nach Hause sind es keine zehn Kilometer mehr, wunderbare Wanderwege am Rhein entlang, da könnten wir einfach spazieren.

Aber nein, es muss eine Tankstelle her, jetzt gleich. Eigentlich kein Problem. Die schiessen wie Pilze aus dem Boden - sogar unser schönes Nachbardorf hat sich eine riesige, hässliche Tankstelle in die grüne Wiese gebaut, nach dem Motto: der Emma-Laden der Tante geht, die Tanke mit dem Laden kommt.
«In Ordnung», sage ich versöhnlich. «Wir sind gleich in Weiach, da gibts eine alte Zapfsäule. Beruhige dich.»
Es ist kurz vor Mitternacht und kein Mensch da. Der Automat schluckt meine Fünfzigernote, ich heble den Zapfhahn heraus und drücke. Nichts. Ich stecke den Zapfhahn zurück, es scheppert. Auf der Anzeige erscheint die Aufforderung: «Geldnote einführen.» Mist. Ich drücke den Knopf «Quittung». Fehlanzeige.
Aber das Schlimmste: Schreiber schaut mir zu - saumässig sauer.

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Montag 15.08.2011, 19:13 Uhr

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