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Simon Ammann: «Ich freue mich auf Engelberg»

Persönlich. Rekord-Olympiasieger Simon Ammann (29) über seine Höhenflüge, seine neue Ruhe und das erste Highlight Engelberg.

Coopzeitung: Am nächsten Wochenende findet das Skispringen in Engelberg statt – was bedeutet Ihnen das?

Simon Ammann: Die einzigen Weltcup-Springen in der Schweiz sind für mich der erste Saisonhöhepunkt, weil es besonders schön ist, vor den eigenen Fans gute Resultate zu erzielen und mit ihnen zu feiern. In den letzten drei Wettkämpfen in Engelberg habe ich zweimal gewonnen und einmal wurde ich Zweiter. Daran möchte ich gerne anknüpfen.

Wie fühlen Sie sich nach den drei Podestplätzen zum Saisonstart?
Vor allem der erste Podestplatz war wichtig für die Psyche, da der Erwartungsdruck nach den Erfolgen des letzten Winters gestiegen ist.

Wie ist es Ihnen gelungen, sich nach bescheidenen Trainingsleistungen so zu steigern?
Während die Konkurrenz schon im Training losgelegt hat wie die Feuerwehr, habe ich mich langsam herangetastet, da wir mit Skis sprangen, die wir auf der Sommeranlage in Einsiedeln noch nicht testen konnten. Zudem haben mir die guten Erinnerungen an die letzte Saison geholfen, mich in den Wettkämpfen zu pushen.

Werden Sie in Engelberg bereits Ihre neue Bindung aus dem Ärmel ziehen?
Bevor ich sie einsetze, möchte ich körperlich und technisch so in Form sein, wie ich es mir vorstelle. Wann das sein wird, kann und will ich nicht sagen. Es ist jedoch nicht schlecht, dass die Konkurrenz weiss, dass ich noch etwas in der Hinterhand habe.

Macht Ihnen das Pokern Spass?
Je länger, je mehr, aber man muss wirklich souverän springen, um dieses Risiko eingehen zu können. Letztes Jahr war es mir erstmals über einen längeren Zeitraum möglich.

Wie geht es Ihrem Rücken?
In Kuusamo hatte ich keine Probleme, aber beim Reisen hat er wieder gezwickt. Bisher haben sich die Schmerzen jedoch in Grenzen gehalten, auch dank Stabilisationsübungen. Ihr Hauptziel in diesem Jahr ist der erstmalige Gewinn der Vierschanzentournee.

Was wollen Sie diesmal anders machen?
Ich werde mit einer viel grösseren Ruhe an die Sache herangehen. Ich sage das mit dieser Bestimmtheit, weil es einfach eine andere Kategorie ist, wenn du als Vierfach-Olympiasieger antreten kannst. Ich denke, dass es nicht unbescheiden ist, wenn ich mir dessen bewusst bin.

Haben Sie vor Vancouver noch an sich gezweifelt?
Obwohl es schon nach den enttäuschenden Olympischen Spielen in Turin wieder aufwärts gegangen ist und ich 2007 Weltmeister wurde, blieb hinter meiner Karriere ein Fragezeichen. Nach den zwei weiteren Goldmedaillen in Vancouver ist dieses nun viel kleiner geworden. Um mein Palmarès abzurunden, fehlt mir eigentlich nur noch der Sieg an der Tournee.

Nehmen Sie die Goldmedaillen manchmal hervor und staunen?
Das kann ich nicht, da sie nicht zu Hause, sondern in einem Banksafe in Unterwasser liegen, weil ich Einbrechern keinen Anreiz bieten will. Im Sommer bin ich sogar ganz bewusst auf Distanz zu ihnen gegangen, um es während der Saison wieder richtig geniessen zu können, wenn der Speaker mich als einzigen vierfachen Einzel-Olympiasieger im Skispringen ankündet oder die Leute mich darauf ansprechen, dass ich Geschichte geschrieben habe.

Wie unterschiedlich erlebten Sie die Momente des Glücks, zwischen denen acht Jahre lagen?
In Vancouver habe ich mir im Auslauf bewusst Zeit genommen und die Hände vors Gesicht gehalten, um nach dieser lang ersehnten Bestätigung noch einen Moment allein zu sein. 2002 ist der Jubel einfach aus mir herausgebrochen. Ich wünschte, ich könnte die jugendliche Begeisterung, die damals im Ausdruck «vollgeil» gipfelte, noch einmal so erleben. Dafür bin ich jedoch mittlerweile zu bewusst und umsichtig.

Haben Sie sich in diesem emotionalen Hoch spontan zur Heirat entschlossen?
Nein, die hatten wir schon lange vor. Ich fühlte mich für diesen Schritt reif und es war auch eine Art, mich bei meiner Frau zu bedanken, die mich immer unterstützt und mir den Freiraum gelassen hat, um auf diesem Niveau Spitzensport treiben zu können. Ich bin sehr froh, dass es uns gelungen ist, diesen Tag mit der Familie und Freunden im engsten Kreis zu feiern. Das hat uns zwar ein paar negative Schlagzeilen eingebracht, weil die Medien gerne dabei gewesen wären, doch die haben uns nicht umgehauen.

Wie entspannen Sie sich nach den Wettkämpfen?
Ich lerne etwas Theorie für das Privatpilotenbrevet, das ich dank meines Sponsors Breitling im Sommer machen kann. Viel mehr Freizeit habe ich momentan gar nicht, da wir in dieser Phase mit den Trainern intensive Gespräche führen. Bei Transfers lese ich Zeitung oder höre Musik.

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Reinhold Hönle

Autor

Foto:
Christian Lanz
Veröffentlicht:
Dienstag 14.12.2010, 00:00 Uhr

Steckbrief
Simon Ammann

Geboren: 25. Juni 1981 in Grabs SG
Wohnort: Schindelleggi SZ
Zivilstand: Seit 2010 verheiratet mit Yana.
Beruf: Skispringer
Ausbildung: zwei Semester Elektrotechnik-Studium
Hobbys: Fallschirmspringen, Motorradfahren, Golfspielen
Laufbahn: 1997 Weltcup-Debüt, 2001 erster Podestplatz im Weltcup in Engelberg, 2002 Doppel-Olympia-Gold in Salt Lake City, 2007 Skisprung-Weltmeister, 2010 Doppel-Olympia-Gold in Vancouver, Skiflug-Weltmeister, Gesamt-Weltcup-Sieger
Aktuell: 18. und 19. Dezember Weltcup-Skispringen in Engelberg (je ab 13.35 Uhr auf SF 1).

Link: Homepage von Simon Ammann

 



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