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Monica Kissling: «Erkenntnis macht mich glücklich»

Persönlich. Monica Kissling gibt im Buch «Madame Etoile, wie werde ich glücklich?» Auskunft über Astrologie, das Schicksal und die Kunst des Glücks.

Coopzeitung: Monica Kissling – was ist Schicksal?

Monica Kissling: Ich würde sagen: Schicksal ist das, was man nicht beeinflussen kann. Höhere Macht.

Das heisst: Es gibt ein Schicksal, das bestimmt ist?
Ich denke schon. Es ist ja nicht so, dass wir alles selber gestalten können. In der heutigen westlichen Gesellschaft haben wir einen überzogenen Freiheitsbegriff und überhöhte Machbarkeitsvorstellungen. Dennoch ist vieles vorbestimmt; denken Sie nur an die Gene. Ich glaube nicht, dass man das Schicksal ausschalten kann.

Wie kann die Astrologie helfen, wenn das Schicksal vorherbestimmt ist?
Astrologie ist nützlich, weil sie hilft, grössere Zusammenhänge zu erkennen. Astrologie beantwortet aber nicht die Frage, warum jemand ein bestimmtes Schicksal hat. Ich kann in einem Horoskop nur erkennen, dass es so ist. Das Horoskop zeigt die Startbedingungen, die Anlagen. Warum ein Mensch mit diesen Bedingungen auf die Welt kommt, das sehe ich nicht.

Ist das Schicksal wie ein Fluss, der mich mit sich reisst?
Astrologie ist eine Lehre von Zyklen. Es ist besser, sich mit den Zyklen, mit dem Fluss zu bewegen, als dagegen.

Haben auch Länder ein Schicksal?
Ja, jedes Land hat sein eigenes Horoskop und seine eigene Geschichte.

Welcher Geburtstag der Schweiz zählt denn für das Horoskop der Schweiz?
Der 12. September 1848. Das ist der Zeitpunkt, als die Schweiz ihre Bundesverfassung erhielt. Länderhoroskope können sich aber verändern. Deutschland etwa hat mit der Wiedervereinigung ein neues Horoskop erhalten.

Wie sieht das Schicksal der Schweiz aus?
Die Schweiz ist Jungfrau, das passt sehr gut. Im Schweizer Horoskop steht Saturn dominant – das Symbol für Sicherheit, Struktur, Ordnung und Tradition. Saturn gibt dem Land etwas Vergangenheitsorientiertes. Die Schweiz ist deshalb nicht sehr innovationsfreudig. Das Schicksalhafte ist das Misstrauen gegenüber dem Neuen.

Sie schreiben, das Horoskop sei das «Drehbuch des Lebens».
Das kann man so sagen. Man kann das Stück verschieden gut aufführen, man kann also entweder das Beste aus seinem Potenzial holen oder es unverwirklicht lassen. Man kann aus einem schlechten Drehbuch einen guten Film machen – und umgekehrt.

In einem Drehbuch steht aber auch der Plot, wie die Geschichte herauskommt.
Das ist so. Ich sehe in einem Horoskop die Grundanlage und die Bestimmung. Das ist wie beim Samen einer Pflanze. Im Samen erkenne ich, ob daraus ein Apfel oder eine Birne wächst. Im Horoskop sehe ich, was der Mensch im Optimalfall aus sich schöpfen kann. Das Ziel wäre, zur Verwirklichung zu bringen, was angelegt ist. Dafür muss man aber auch etwas tun, und man braucht auch entsprechende Umweltbedingungen.

Ist Astrologie Glaubenssache?
Dazu sage ich immer vehement Nein. Ich habe nie an Astrologie geglaubt, sondern mich mit ihr befasst und herausgefunden, dass sie funktioniert. Menschen, die Astrologie gut finden, haben positive Erfahrungen mit ihr gemacht. Deshalb sagt man auch, die Astrologie ist eine Erfahrungswissenschaft.

Also etwa wie Homöopathie?
Im Prinzip, ja. Auch Homöopathie ist nicht einfach Glaubenssache; wenn man die Erfahrung macht, dass es wirkt, dann bleibt man dabei. Die Astrologie ist eine wissenschaftliche Hypothese, die sich mit den heutigen Mitteln noch nicht hat beweisen lassen. Wir Astrologen gehen davon aus, dass es geistige Energien gibt, die sich in den Sternen spiegeln. Es sind nicht die Sterne, die wirken. Vom Mond zum Beispiel gibt es zwar einen physikalischen Einfluss, doch die Astrologie basiert auf einem anderen Denkmodell. Die Sterne bilden die geistigen Energien ab – so, wie die Uhr die Zeit zeigt, aber nicht die Zeit verursacht.

Ihr Buch heisst: «Wie werde ich glücklich?» – macht Astrologie glücklich?
Ja. Weil Erkenntnis glücklich macht. Astrologie ermöglicht es, das Leben besser zu verstehen und einen Sinn zu finden.

Bin ich meines Glückes Schmied?
Da haben wir in der westlichen Welt wohl übertriebene Vorstellungen: Wenn ich nur will, dann kann ich mein Glück selbst machen. Das stimmt natürlich nicht. Das Schicksal kann jederzeit eingreifen, indem ich krank werde, einen geliebten Menschen verliere und plötzlich mein Leben nicht mehr selbst in der Hand habe.

Und Sie selbst? Sind Sie glücklich?
Ich denke schon, ja. Wir sind in der Schweiz enorm privilegiert und von daher schon fast dazu verpflichtet, glücklich zu sein. Glück hat aber auch mit Wertschätzung zu tun: Kann jemand das, was er hat, wertschätzen, auch wenn er vielleicht nicht so viel hat? Dann ist er glücklich.

Warum sind Sie Astrologin geworden?
Aus einem Forschertrieb heraus und weil die Astrologie ein Wissensgebiet ist, bei dem sich immer wieder Neues auftut. Man lernt nie aus. Es ist wie in der Philosophie: Jede Antwort löst zehn neue Fragen aus.

Macht Sie das Wissen über Ihr Schicksal glücklich?
Viele Leute haben Angst vor dem Horoskop, weil sie fürchten, ihr Schicksal darin zu sehen oder eine negative Prognose zu bekommen. Wissen kann auch belastend sein. Mich persönlich macht Erkenntnis glücklich.

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Matthias Zehnder

Ehemaliger Chefredaktor

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Dienstag 23.11.2010, 00:00 Uhr

Steckbrief
Monica Kissling

Geboren: 1957
Werdegang:
Studium der Astrologie am Astrologisch-Psychologischen Institut in Adliswil, Weiterbildung bei Claude Weiss und Liz Greene.
Beruf: Führt seit 1985 eine eigene astrologische Praxis und gibt in Medien wie DRS 3 (Pseudonym Madame Etoile) über die Sterne Auskunft.
Aktuell: Interviewbuch von Christine Loriol: «Madame Etoile, wie werde ich glücklich? Gespräche mit der Astrologin Monica Kissling» Wörterseh Verlag, 200 Seiten, Fr. 36.90.
Link:
Monica Kissling alias Madame Etoile



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