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Lorenz Keiser: «Überleben kann nur einer»

Kabarettist Lorenz Keiser (51) über seine erste Kinokomödie «Länger leben», deren Nicht-Förderung und sein Interesse fürs Universum.

Coopzeitung: Besitzen Sie einen Organspender-Ausweis?

Lorenz Keiser: Als ich die Thematik in meinem letzten Kabarett-Programm angeschnitten habe, besass ich noch einen. In der Zwischenzeit ist er wohl verloren gegangen. Vermutlich würde man meine Organe aber eh nicht mehr wollen ...

Was fühlen Sie beim Gedanken, dass Ihr Herz in einer fremden Brust schlagen könnte?
Gar nichts, wenn das passiert, bin ich tot.

Was hat Sie zur Komödie «Länger leben» inspiriert?
Einerseits die Überalterung unserer Gesellschaft, anderseits die fehlenden Organe für Transplantationen. Weil ich einen leichten, lustigen Film drehen wollte, der fern der traurigen Realität ist, und ich zudem ein Fan von Kino-Duellen bin, lasse ich die beiden Protagonisten aufeinander los. Wer zuerst stirbt, muss dem anderen das Organ spenden, das dieser nötig hat ...

Nach welchen Kriterien besetzten Sie die Hauptrollen?
Wenn man sich an eine Sache heranwagt, von der man gar nichts versteht, ist es besonders wichtig, sich mit den besten Leuten zu umgeben. Mit Mathias Gnädinger und Nikolaus Paryla ist es uns gelungen, die besten Schauspieler zu engagieren, die ich mir für diese Rollen vorstellen konnte. Sie sind einfach umwerfend!

Man kennt Sie als theatralischen Kabarettisten. Trotzdem sagten Sie der Coopzeitung vor zehn Jahren, Sie sähen sich nicht als Schauspieler. Denken Sie inzwischen anders?
Nein, meine Selbsteinschätzung hat sich in keiner Weise verändert. Ich betrachte mich als schwächsten Punkt in diesem Film, weil mir als Schauspieler das breite Spekt-rum an Ausdrucksmöglichkeiten fehlt. Anfänglich wollte ich gar nicht mitwirken, doch am Ende haben mich meine Koproduzenten dazu genötigt. Ich habe den Arzt übernommen, da diese Rolle altersmässig zu mir passt.

Stimmt es, dass der Film keine Fördermittel erhalten hat?
Ja, als ich vor fünf Jahren die Idee zu «Länger leben» hatte und diese schnell zu einem ersten Drehbuch verarbeitete, habe ich einen taktischen Fehler gemacht. Im Subventionsladen Schweiz lässt man sich erst eine Idee, dann das Drehbuch und am Schluss die Produktion finanzieren. Einem Outlaw wie mir hat die eidgenössische Filmförderung die Eingabe mit zwei Sätzen abgeschmettert. Einer war: «Das Engagement dieser Stars in Verbindung mit den vorgeschlagenen Regisseuren ist nicht realistisch.» Das finde ich heute noch lustig.

Wie bekamen Sie das Geld trotzdem zusammen?
Obwohl die Zürcher Filmstiftung und das Schweizer Fernsehen ebenfalls abwinkten, wollten Bernard Lang, Adriano Viganò und ich nicht aufgeben. Das Drehbuch stiess sonst überall auf Begeisterung. Wir brachten die 700 000 Franken, die eigentlich nicht reichen, um einen solchen Film zu drehen, dann auch zusammen – mithilfe von kleinen Investoren, die Anteilscheine kauften. Um das Geld zurückzahlen zu können, brauchen wir nun 80 000 Besucher, was mit dem «Sennentuntschi» in diesem Jahr erst ein Schweizer Film geschafft hat.

Mit Ihrem Film greifen Sie nach den Sternen, in der Urania Sternwarte blicken Sie zu ihnen hoch. Weshalb?
Ich wollte als Kind Astronaut werden! Ich weiss noch, wie wir am Tag der ersten Mondlandung nach Hause rannten und fasziniert die Fernsehübertragung ansahen. Heute interessieren mich alle Wissenschaften, die sich mit dem Universum befassen, und speziell die dabei auftauchenden philosophischen Fragen.

Weshalb wurden Sie Kabarettist statt Astronaut?
In der Pubertät wusste ich nicht, was ich werden wollte. Mit Sicherheit strebte ich nicht das an, was meine Eltern machten. Ich wurde Lehrer, doch bald merkte ich, dass ich dafür überhaupt nicht geeignet bin. Um Kindern etwas mitgeben zu können, braucht es ruhige, geduldige, grossmütige Menschen. Ich aber bin nervös, ungeduldig und hektisch. So blieb mir nur das Schreiben übrig und ich trat doch noch in die Fussstapfen meiner Eltern.

Hat der Tod Ihres Vaters Cés Ihre Einstellung zu Ihrem Beruf verändert?
Nein, zumindest ist es mir nicht bewusst. Es geht mir wie vielen anderen, die einen geliebten Menschen verloren haben. Ich denke oft an ihn und bedaure, dass ich dies oder jenes, von dem ich annehme, dass er daran Freude gehabt hätte, nicht mehr mit ihm teilen kann.

Was können Sie uns über Ihr neues Kabarett-Programm «Big Bang» verraten, das am 12. Januar Premiere hat?
Es ist Stand-up-Comedy zum Thema «Woher kommen wir, wohin gehen wir?» Das Einzige, was über die Zukunft feststeht, ist ja, dass sie kommt. Auch wenn es bei uns ganze Parteien gibt, die denken, dass sie nicht kommt ...

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Reinhold Hönle

Autor

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Dienstag 16.11.2010, 00:00 Uhr

Steckbrief
Lorenz Keiser

Beruf: Kabarettist und Autor

Geburtsdatum: 20. Oktober 1959 in Zürich als Sohn der Kabarett-Legenden César Keiser und Margrit Läubli
Zivilstand: verheiratet, zwei Kinder
Wohnort: Zürich
Laufbahn: 1981–83 Primarlehrer, 1984–88 Redaktor Radio DRS, 1989 «Zug verpasst» (erstes von bisher sechs Solo-Kabarett-Programmen)
Preise: Salzburger Stier (1989), Oltner Tanne (1994), Oltner Cornichon (2001), Prix Walo (2004)
Aktuell: «Länger leben» (ab 25. November im Kino), Kabarett-Programm «Big Bang» (ab 12. Januar 2011 im Zürcher Theater im Seefeld)

Link: Homepage von Lorenz Keiser

 



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