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Amanda Nikolic: «Ich bin ein Heimweh-Typ»

Persönlich. Amanda Nikolic spielt ab 4. November in Bern im Musical «Ewigi Liebi» Heidi, die weibliche Hauptrolle – und büffelt dafür fleissig Berndeutsch.

Coopzeitung: Im Musical «Dällebach Kari» haben Sie eine Prostituierte gespielt, in «Ewigi Liebi» nun Heidi, ein Landei. In welcher Rolle erkennen Sie sich wieder?
Amanda Nikolic:
Ich sage nicht, in mir schlummere eine Prostituierte, aber solche Rollen machen unheimlich viel Spass; sie sind eine besondere Herausforderung. Die Unschuldige, Sensible durfte ich bis jetzt weniger spielen. Aber Heidi ist auch sehr stark. Von daher passt sie sehr gut zu mir.

Wenn man Ihren Namen googelt, erscheinen vorab Seiten, auf denen Sie sehr viel Haut zeigen. Das ist nicht wirklich Heidi-haft.
Da haben Sie wohl recht (lacht schallend). Ich finde solche Pin-ups halt schön. Ich habe auch keine Angst vor solchen Bildern. Welche Frau ist nicht gerne sexy?

Es geht in diesen Beiträgen vorab um Sex, die Schwulenszene, nackte Haut, Partys. Von Ihnen als Musikerin ist nur marginal die Rede.
Das mit der Schwulenszene hat den Grund darin, dass ich den Song für die Europride 2009 beigesteuert habe; daher die Verbindung.

Aber auch beim Eurovision Song Contest, an dem Sie als Backgroundsängerin von Michael von der Heide teilgenommen haben, lobte man Sie nicht als Sängerin. Die Zeitungen schrieben, Sie verliehen dem Auftritt «die notwendige Prise Sex-Appeal».
Ja, das sind die Boulevard-Medien. Ich selber finde nicht, dass ich gross Sex-Appeal vermittelte. Ich war eine der drei Stimmen, die Michi unterstützt haben – und das Ganze war übrigens äusserst imposant.

Für die meisten Schweizer Musiker ist die Teilnahme am Eurovision Song Contest eher eine Strafe.
Für mich sicher nicht. Ich habe schon als Kind davon geträumt, einmal live dabei zu sein.

Aber Sie sangen ja nur Background.
Nur? Wir standen als Team auf der Bühne und wir mussten alle funktionieren. Für mich ist ein Traum wahr geworden. Übrigens auch mit dem Engagement bei «Ewigi Liebi». Viele dieser Schweizer Mundartsongs wecken alte Erinnerungen. Zum Beispiel «Scharlachrot» von «Patent Ochsner»: Das Lied lief bei mir, als es aktuell war, rauf und runter und hat mich schon immer sehr berührt. Ich freue mich jedesmal, wenn ich diesen Song nun selber singen darf.

Apropos Schweizer: Daniel Kandlbauer, Ihr Partner in «Ewigi Liebi» hat österreichische Wurzeln, und Ihr Name tönt auch nicht wirklich urschweizerisch.
Ich bin in der Schweiz aufgewachsen, mein Mami ist Wettingerin. Natürlich ist das -ic auch in meinem Blut, aber deshalb fühle ich mich nicht weniger als Schweizerin als andere Frauen in meinem Alter. Leider spreche ich nicht ausserordentlich gut Serbisch, aber ich kann mich verständigen.

Die Texte in «Ewigi Liebi» sind auf Berndeutsch – sprechen Sie das?
Ju, gäu! Mer hei äxtra e Bärndütsch-Koutsch.

War das jetzt Berndeutsch?
Ju, aber eigentli chan-i nu die Sache Bärndütsch rede, wo-n-i im Stück muen Bärndütsch chönne. Das geit guet.

Im Gegensatz zu Ihren Mitsängern proben Sie schon seit Wochen ohne Noten.
Ich hab’ da ein kleines Problem: Ich kann keine Noten lesen. Wobei, Problem – ein Problem ist es eigentlich nicht. Ich mogle mich ganz gut durch.

Und damit kommt man in der Musical-Szene durch?
Es gibt einige in dem Business, die keine Noten lesen können. Aber meist kann man dieses Defizit mit einem guten Musikgehör kompensieren.

Was machen Sie, wenn Sie kein Engagement als Musicaldarstellerin haben?
Dann sitze ich in meiner Wohnung und trinke Tee. (lacht)

Das tönt sehr interessant.
Spass beiseite. Wenn ich in einer Produktion bin wie jetzt gerade, bin ich aber tatsächlich sehr viel zu Hause. Dann muss ich extrem Sorge tragen zu mir. Ich esse fein und gehe früh ins Bett. Aber das tut richtig gut, auch der Stimme.

Und wenn Sie kein Engagement haben?
Ich fotografiere sehr gern und sehr viel, schon seit jeher.

Was fotografieren Sie denn? Gibt es Lieblingssujets?
Ich liebe es, Menschen zu porträtieren. Manchmal auf Auftrag, manchmal einfach so, da müssen auch oft meine Freunde ihr Gesicht hinhalten. Und apropos Freizeitbeschäftigungen: Ich koche übrigens auch sehr gern.

Viele Schweizer Musicaldarsteller spielen im Ausland, zum Beispiel in Deutschland. Sie nicht.
Das stimmt, ich mache nicht viel im Ausland.

Warum nicht?
Weil es mich nicht weg zieht. Ich bin ein Heimweh-Typ. Ich bin sehr gerne zu Hause. Mir ist es wichtig, zu wohnen, einfach daheim zu sein. Während dem «Dällebach Kari» in Thun war das nicht möglich, aber bei «Ewigi Liebi» werde ich von Niederrohrdorf nach Bern pendeln.

Pendeln Sie mit dem Auto?
Ja, hab’ ich mir extra ein neues gekauft, einen Hybrid – so muss ich nicht alle zwei Tage tanken.

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Martin Zimmerli

Redaktor

Foto:
Andreas von Gunten
Veröffentlicht:
Dienstag 02.11.2010, 00:00 Uhr

Steckbrief
Amanda Nikolic

Geburtsdatum: 14. September 1978
Wohnort: Niederrohrdorf AG
Beruf: Musicaldarstellerin
Hobbys: Fotografieren, kochen – was mit Sport wieder kompensiert wird
Karriere:1993 bis 2003 Musical «Space Dream», erst im Ensemble, dann in Hauptrollen; 2001 bis 2004 Girlband «Tears»; seit 2009 das eigene Projekt «Gogomandy» mit DJ Gogo; 2009 bis 2010 Moderatorin bei Radio 105; 2010 Eurovision Song Contest mit Michael von der Heide, Rolle als Topsy in «Dällebach Kari» bei den Thunerseespielen.
Aktuell: ab 4. November Hauptrolle Heidi in «Ewigi Liebi» in Bern.

Link: Musical «Ewigi Liebi»

 



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