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Richard Wherlock: «Respekt ist unsere Basis»

Persönlich. Richard Wherlock und seine Ballettcompagnie präsentieren seit 10 Jahren Tanz vom Feinsten. Der Erfolg ist auf ihrer Seite, auch international.

Coopzeitung: Wie geht es Ihnen in Basel?
Richard Wherlock: Super.

Seit zehn Jahren super?
Ja, ich lebe und arbeite sehr gerne hier. Basel und sein Publikum haben übrigens ein gutes Renommee in der Tanzwelt: kritisch und offen für Neues.

Ihre Compagnie hat ein sehr hohes tänzerisches Niveau. War es von Anfang an Ihr Konzept?
Das ist seit 25 Jahren mein Konzept. Auch mit Choreografen zu arbeiten, – sorry, dass ich das so sage – , die noch nicht verstorben sind, sodass auch externe Choreografen die Möglichkeit haben, mit unseren Tänzern zusammenzuarbeiten.

Wurde Ihr choreografischer Stil hier gut akzeptiert?
Ja, trotzdem ist bei mir auch immer ein bisschen Nervosität im Spiel. Jedes Mal, wenn ich mich mit einer neuen Produktion auseinandersetze, stelle ich mir die Frage, «Schaffe ich das?». Und wenn es dann eine besonders erfolgreiche Produktion war, ist das wunderschön, und zugleich umso schwerer, den eigenen Erfolg zu toppen.

Wie würden Sie Ihren künstlerischen Stil beschreiben?
Ich glaube, ich bin die falsche Person für diese Frage.

Haben Sie keine künstlerischen Ambitionen?
Ich hatte verschiedene künstlerische Phasen. Ich war immer für sehr schnelle, dynamische, akrobatische Choreografien bekannt. Dann habe ich langsamere Stücke kreiert, in einem anderenMoment hatte ich Lust, ein Handlungsballett zu machenoder Spitzenschuhe einzusetzen. Es ist schwer zu sagen «Dieses Eine ist es, was ich will.» Ich wünsche mir jedoch, dass meine Arbeit in der Theater- und Tanzwelt einen angesehenen Platz findet.

Das scheint gelungen.
Unser Standing in der Stadt und in der Schweiz ist sehr gut. Ja sogar in Europa und international ist das Ballett Basel eine sehr gerne gesehene Botschafterin für die Schweiz. Durch Gastspiele erleben wir, wie sehr wir auch dort geschätzt werden.

Welches Stück hat Ihr Publikum am meisten geliebt?
Gar nicht so einfach zu sagen.

Würde das Publikum merken, wenn Sie dieselbe Choreografie in anderen Kostümen noch mal tanzen würden?
Ich denke schon.

Sie sagen immer: Der Respekt vor dem Individuum liege Ihnen am Herzen. Woran merkt man das?
Respekt ist die Philosophie der Compagnie. Jeder von uns hat eine andere Herkunftund Geschichte, es gibt die Individuen und die Gemeinschaft. Respekt vor der Hautfarbe, der Sprache, der Sexualität, dem Arbeitsplatz, dem Publikum und last but not least vor der Profession. Ich bin kein politischer Künstler, aber im Theater gibt es die wunderbare Möglichkeit, die Verschiedenartigkeit der Menschen zu leben.

Wie viele Nationalitäten sind in Ihrer Compagnie?
14. Ich finde das gut, auch in Bezug auf die politische Situation in der Schweiz.

Warum?
In der Schweiz gibt es einen politischen Rechtsruck, der mich beunruhigt.

Wäre das kein Thema für ein Stück?
Nicht für mich. Mit meinen Choreografien will ich neue Emotionen provozieren. Und jenes Publikum, das der Meinung ist, «Ballett ist blöd», aus der Ecke locken. Oder junges Publikum ansprechen, wie bei unserem «Education-Projekt».

Ein Erziehungsprojekt?
Ja, wir gehen in die Schulen und arbeiten mit den Schülern. Das erste Mal war die Reaktion der Jugendlichen «Pff, Tanz ist doch blöd!» Inzwischen, wir machen das jetzt das fünfte Jahr, sind sie völlig bei der Sache. Körperlicher Ausdruck und ein gesundes Selbstwertgefühl sind eine ganz wichtige Erfahrung. In diese Richtung könnte ich mir auch meine Zukunft vorstellen.

Eine Vision?
Absolut! Ich habe aber noch eine andere Vision. Ich höre zum Beispiel oft die Frage, warum ich keine Schweizer Tänzer in meiner Compagnie habe? Der Grund ist, dass die Schweizer Tänzer meistens ins Ausland gehen. Gehen müssen.

Warum, gibt es hier keine gute Infrastruktur für Tanz?
Es gibt eine, aber sie ist zu klein. Ich würde gerne den Standort Schweiz für den Tanz auf professionellem Niveau international attraktiver machen! Mir schwebt eine Art Tanzakademie vor. Nicht nur in England gibt es das schon lange.

Wie sind Sie selbst zum Tanz gekommen?
Vor seeeehr langer Zeit, ich war 17 Jahre alt und jobbte gerade als Koch, als ich ein Mädchen traf, das Tänzerin war und mich zum Tanz geführt hat.

Ist Tänzer nicht auch ein undankbarer Beruf?
Ich glaube, es ist ein wunderbarer Beruf. Aber es ist richtig, im Schnitt kann man nur bis zum Alter von 35 Jahren tanzen, manchmal bis knapp über 40 Jahre. Kürzlich traf ich einen befreundeten Anwalt, der erzählte mir, er hätte einen neuen Angestellten, der sei so wahnsinnig jung, erst 45 Jahre alt. In dem Alter sind wir in unserem Beruf die Oldies.

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Bettina Ullmann

Redaktorin

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Dienstag 26.10.2010, 00:00 Uhr

Steckbrief
Richard Wherlock

Geboren: 1958 in Bristol (GB)
Ausbildung: Studium an der renommierten Rambert School of Ballet London, anschliessend Tänzer in deren Compagnie. Seit 2001/2002 ist er Direktor und Chefchoreograf des Ballett Basel und seit 2004 Intendant des Festivals «basel tanzt». Er hat weltweit für zahlreiche Ballettensembles choreografiert.

 



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