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«Die Kolumne ist das Ventil»

Persönlich: Sybil Schreiber und Steven Schneider im Interview über zehn Jahre Kolumneschreiben, ihre Beziehung, ihre Familie und ihren grössten Traum.

Dieses Gespräch mit Schreiber vs. Schneider ist gleichzeitig Startpunkt einer neuen Video-Serie, von der Sie oben eine Kostprobe sehen. Ab sofort stellt jede Woche  einer der beiden dem Partner eine zum Teil recht schwierige Aufgabe, die dieser lösen muss. Diese Woche: Steven möchte, dass Sybil vom Dreimeterbrett springt. Sehen Sie selbst: Konflikte und viele lustige Momente sind vorprogrammiert.

Coopzeitung:  10 Jahre Zank – kein bisschen müde?
Steven Schneider: Nein. Im Moment nicht. Es hat aber schon Zeiten gegeben, die hart waren und wir uns fragten: Sollen wir aufhören?
Sybil Schreiber: Im Gegenteil. Ich frage mich, was wir machen würden, wenn wir das nicht mehr hätten. Die Kolumne ist unser Ventil. Es ist hilfreich, jede Woche zum Nachdenken gezwungen zu werden.

War das eigentlich gut für die Beziehung, dass Sie Auseinandersetzungen immer so offen geführt haben?
Sie: Für mich ist es eindeutig Abbau von Spannungen. Das Öffentliche ist ja immer erst der letzte Schritt. Zuerst ist die Kolumne zwischen uns. Wenn wir darüber lachen können, dann ist es gut und wir können es veröffentlichen. Wenn es sich nicht löst, dann behalten wir es für uns.
Er: Für mich ist es eine wahnsinnig intensive Art, mich mit meinem Gegenüber auseinanderzusetzen. Warum tickt sie so? Durch die ewige Wiederholung komme ich dazu, meine Frau zu verstehen.
Sie: Ein bisschen.

Eine Art bezahlte Paartherapie?
Sie: Das sage ich immer.
Er: Ich bin ganz anderer Meinung: Wir haben keine Probleme, deshalb brauchen wir auch keine Therapie ...
Sie: Das ist jetzt wieder typisch Mann.

Die Kolumne spielt mit den Geschlechterrollen – sind Sie typische Vertreter Ihres Geschlechts?
Er: Nein, wir sind garantiert keine extremen Vertreter unseres Geschlechts. Aber ich kann einen extremen Mann verstehen, einen Mannmann, der nichts Weibliches in sich hat, auch wenn ich anders bin.
Sie: Ich weiss nicht, ob es weiblich ist, aber dass du zuhören kannst und nachfragst, das ist ja nicht typisch für einen Mann.
Er: Aber du bist ja auch nicht typisch Frau.
Sie: Wir sind nicht krampfhaft gleichberechtigt. Dass der Mann Knöpfe annäht und die Frau den Rasen mäht, das muss nicht sein.
Er: Manchmal sagen uns Leute: Es ist wie bei uns, nur mit umgekehrten Vorzeichen.

Was ist besser für die Beziehung: Die eigene Rolle zu betonen oder aufeinander zuzugehen?
Er: Es schadet sicher nicht, das eine und das andere auszuprobieren.
Sie: In den zehn Jahren, die wir jetzt Familie sind, hat sich unser Alltag stark verändert. Wir haben als exakt gleichberechtigtes Elternpaar angefangen, dabei hatten wir enorm viel Stress. Mit den Jahren hat sich das gelockert: Wir haben gemerkt, dass wir kreativer und produktiver sind, wenn wir nicht alles gemeinsam machen.

Was sagen die Kinder dazu?
Sie: Sie kennen nichts anderes. Dazu kommt: Es sind durchwegs positive Erlebnisse, wenn sie direkt mit uns angesprochen werden. Wenn sie selbst in den Kolumnen vorkommen, dann zeigen wir ihnen den Text.
Er: Diejenigen, die uns gut finden, die lächeln uns an, die anderen lassen uns in Ruhe. Wir haben viele sehr freundliche Begegnungen.

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Was ist Ihr grösstes Problem in der Familie?
Sie: Dass wir vier unordentliche Chaoten sind. Das Problem ist: Ich bin kein gutes Beispiel. Mein Zimmer ist das allerschlimmste. So gesehen: Ein lächerliches Problem. So gesehen haben wir kein grosses Problem.
Er: Das grösste Problem ist höchstens, dass wir durch unsere Lebensform unruhig leben. Das bringt die Selbstständigkeit mit sich.

Worüber freuen Sie sich alle gemeinsam?
Er: Über den Europapark.
Sie: Aber Steven! Das kannst du doch nicht sagen ...
Er: (schwärmt zehn Minuten lang).
Sie: Was wir lieben: Den Rucksack zu packen und am Sonntag loszugehen. Am besten ist es, wenn die Kinder den Lunch organisieren. Dann kommen neben den wichtigen Dingen auch Chips und Schokolade mit. Das ist das Schönste für mich: Wir vier, zu Fuss oder mit dem Fahrrad durch die Natur.

Wofür geben Sie am meisten Geld aus?
Er und Sie stöhnen gemeinsam.
Sie: Puh. Für das Haus. Wir sind nicht so die Materialisten.
Er: Das Haus ist ja auch Material. Aber wir legen keinen Wert auf Statussymbole.

Wofür reicht das Geld nie?
Sie: Für ein Pferd im Garten. Da müssten wir ein doppelt so grosses Grundstück haben und zwei Pferde, weil einem Pferd alleine wäre es langweilig. Und dafür reicht es nicht.
Er: Dafür fehlt aber nicht nur das Geld, sondern auch die Energie.
Sie: Oder ein Jahr lang reisen, das wolltest du doch immer.
Er: Das war einmal. Mittlerweile bin ich gern zu Hause.

Von was träumen Sie?
Er: Ich träume davon, dass unsere Familie intakt bleibt, dass wir immer miteinander reden können. Es gibt wunderschöne Beispiele dafür, es gibt aber eben auch viele andere Beispiele. Das ist echt mein Traum: dass unser Projekt Familie lebt.
Sie: Genau!

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Matthias Zehnder

Ehemaliger Chefredaktor

Foto:
Christian Lanz
Veröffentlicht:
Montag 27.09.2010, 00:00 Uhr

Steckbrief
Sybil Schreiber und
Steven Schneider

Sybil Schreiber ist 47, Modezeichnerin und Journalistin, sie ist verheiratet mit Steven Schneider, er ist 46, Lehrer und Journalist, gemeinsam haben sie zwei Töchter: Alma ist 10, Ida 6 Jahre alt.
Wohnort: Bad Zurzach AG
Aktuell: Ihr neues Buch heisst «Immer ich». Salis Verlag. Fr. 39.80.

Link: Homepage von Schreiber und Schneider

 



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