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Fabienne Suter: «Vreni Schneider war mein Idol»

Persönlich. Super-G-Star Fabienne Suter über den harten Weg aus der Provinz in die Weltspitze und ihre Freude am normalen Leben.

Coopzeitung: Was wünschen Sie sich zu Ihrem 25. Geburtstag am 5. Januar vom Jahr 2010?
Fabienne Suter: Wunschlisten sind nicht unbedingt mein Ding. Lieber lasse ich mich vom Leben überraschen und packe an, was auf mich zukommt. Skifahrerisch würde ich gerne die Resultate der letzten Saison bestätigen.

War der 4. Rang in Val d’Isère nach dem harzigen Start in den Olympia-Winter für Sie das schönste
Weihnachtsgeschenk?
Allerdings! Das Resultat in diesem Super-G mit 5 Schweizerinnen unter den Top 7 war für alle Beteiligten genial und hat der Öffentlichkeit gezeigt, dass wir es doch können und welches Potenzial in den schnellen Disziplinen vorhanden ist. Für uns Athletinnen ist es enorm wichtig, die Trainingsleistungen in den Rennen abrufen zu können.

Was reizt Sie am Skifahren und speziell am Super-G?
Ich habe den Skisport in all seinen Formen schon immer geliebt. Heute genies-se ich vor allem die Dynamik und die Fliehkräfte in den Kurven. Es ist ein wunderbares Gefühl, eine perfekte Kurve zu fahren. Weshalb ich bisher im Super-G die besten Resultate erzielt habe, kann ich nur schwer erklären. Vielleicht habe ich ein besonderes Flair, Super-G-Radien einigermassen optimal zu fahren.

Hatten Sie Idole?
Ich hatte eigentlich nur ein Idol, und das war Vreni Schneider. Ich verpasste keines ihrer Rennen, schrieb ihr lange Briefe und hielt in der Schule Vorträge über diese grandiose Skirennfahrerin.

Sie haben sich nun erstmals für die Olympischen Spiele qualifiziert. Was bedeutet dies für Sie?
Darüber freue ich mich wirklich, allerdings denke ich, dass die Trainer erst in Vancouver aufgrund des Formstandes und der Trainings entscheiden werden, wer die Rennen dann wirklich fährt. Von den fünf qualifizierten Fahrerinnen können ja nur deren vier das Rennen bestreiten.

Bislang ist Ihnen bei Grossanlässen noch kein Exploit geglückt. Wie erklären Sie sich das?
Diese Frage habe ich mir nach der WM in Val d’Isère auch oft gestellt und bis jetzt keine wirkliche Antwort gefunden. Vielleicht erwarte ich gerade in solchen Momenten zu viel von mir und versuche, die «Super-Fahrt» in den Schnee zu legen, anstatt mich auf meine Stärken zu konzentrieren und gelassen zu bleiben.

Fahren Sie grundsätzlich eher riskant oder dosiert?
Eigentlich bin ich schon mehr die Draufgängerin, doch manchmal bin ich genau im falschen Moment zu vorsichtig. Und um da eine gewisse Balance zu finden und ärgerliche Durchhänger zu vermeiden, arbeite ich seit Sommer mit einem Mentaltrainer zusammen.

Beschäftigen Sie auch andere Dinge, etwa die Klimaveränderung?
Wir sehen jeden Sommer, wie sich die Gletscher zurückbilden. Zugleich bin ich mir bewusst, dass wir als Skifahrer viele Auto- und Flugkilometer machen und nicht gross über andere Klimasünder lästern dürfen. Wenn immer möglich, verzichte ich wenigstens zu Hause auf das
Auto, verwende Energiesparlampen oder trenne den Müll.

Sind Sie optimistisch genug, um trotzdem Kinder haben zu wollen?
Darüber habe ich mir auch schon oft Gedanken gemacht, und trotz der nicht immer rosigen Prognosen unserer Klimaforscher finde ich, dass Kinder die Zukunft unserer Welt sind und ich kann mir durchaus vorstellen, einmal welche zu haben.

Hängen Sie auch am Dorf Sattel, oder war das Skifahren für Sie auch eine Möglichkeit, dem ländlichen Leben zu entfliehen?
Im Gegenteil: Als ich auf ein Ski-Internat nach Engelberg hätte gehen können, zog ich es vor, auf der Gemeinde in Sattel eine KV-Lehre zu machen, da ich spürte, dass ich die Geborgenheit hier oben noch brauchte.

Haben Sie in dieser ländlichen Umgebung auch eine Beziehung zu Tieren entwickelt?
Mehrere meiner Onkel haben hier im Dorf einen Bauernhof. Als Kind ging ich oft und gerne zu ihnen. Ich  durfte Traktor fahren und half ihnen beim Heuen oder auch ungestüme Kälber auf die Weide zu treiben – eine Mutprobe, die ich besonders mochte.

Was macht Ihnen abseits der Skipisten Freude?
Ich finde es sehr entspannend, etwas mit meinem Göttibuben zu unternehmen. Er ist sechs Jahre alt und sieht mich nicht als  Skifahrerin. Für ihn bin ich einfach nur «s’Gotti». Überhaupt geniesse ich es, nach Hause zu kommen und die freie Zeit mit meinem Freund oder mit meiner Familie zu verbringen. Sie alle freuen sich mit mir über Erfolge oder bauen mich wieder auf, wenn es mal nicht wunschgemäss gelaufen ist. Vor allem kann ich bei ihnen aber einfach nur «Fabienne» sein.

Wie kommen Sie damit klar, dass Sie oft von Ihrem Freund getrennt sind?
Da mein Freund auch Sportler ist und er daher weiss, was es braucht, um an der Spitze mithalten zu können, wusste er von Anfang an, worauf er sich einlässt. Dank Natel und Skype stehen wir, auch wenn ich weg bin, täglich in Kontakt und geniessen unsere gemeinsame Zeit umso intensiver.

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Bettina Ullmann

Redaktorin

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Dienstag 26.10.2010, 00:00 Uhr

Steckbrief
Fabienne Suter

Beruf: Skirennfahrerin
Ausbildung: Kaufmännische Lehre
Geburtsdatum: 5. Januar 1985
Zivilstand: ledig, aber «in festen Händen»
Wohnort: Sattel SZ
Grösse/Gewicht: 1,68 m/67 kg
Karriere: 2002 erster Europacup-Sieg, Weltcup-Debüt. Schweizer Meisterin 2003 (Super-G, Riesenslalom), 2007 WM-Bronze (Teamwettbewerb), 2008 (Kombination) und 2009 (Super-G). 3. Super-G-Weltcup 2008 und 2009.
Weltcup-Siege: 2008 Sestriere und Bormio (Super-G), 2009 Bansko (Abfahrt)
Link: Homepage Fabienne Suter



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