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Engagiert für Film und Bild

Persönlich. Co-Direktorin Nadja Schildknecht (37) über das 6. Zurich Film Festival, Stars, Kontroversen, Mutterschaft und eine Riesenkröte.

Coopzeitung: Können Sie noch ruhig schlafen, wenn Sie an die Stars denken, die Sie am Zurich Film Festival erwarten?
Nadja Schildknecht: Die Stars zu treffen macht mich nicht nervös, mehr ob alles im Hintergrund klappt. Die Organisation an sich für einen solchen Grossanlass ist eine grosse Verantwortung.

Wie wichtig ist es für das Festival, dass die Stars nicht im letzten Moment verhindert sind?
Der Hauptfokus liegt nicht auf den Stars, die wir lieber Persönlichkeiten nennen, sondern auf der Förderung von Nachwuchstalenten. Aber die jungen Filmemacher und Schauspieler profitieren von der erhöhten Aufmerksamkeit für das Festival, wenn wir solchen Koryphäen einen Preis verleihen und diese ihnen eine Masterclass geben.

Hat die Polanski-Affäre mehr geschadet oder genutzt?
Im ersten Moment war die Situation schwierig, organisatorisch und emotionell, als er im letzten Jahr am Flughafen vor unseren Augen verhaftet wurde. Unser kleines Team war vom weltweiten Medieninteresse eine Woche lang komplett absorbiert. Daneben lief das Festival weiter ... Geschadet hat es aber Gott sei Dank nicht, vor allem, weil klar war, dass wir keine Schuld tragen. Es war eine politische Angelegenheit.

Und nun fällt Michael Douglas wegen seiner schweren Erkrankung aus.
Dafür springt jedoch sein Freund Danny DeVito ein. Ausserdem hat unser künstlerischer Leiter Karl Spoerri ein tolles Programm zusammengestellt. Wir freuen uns, gleich fünf Schweizer Produktionen zeigen zu können, darunter «Sennentuntschi» als Eröffnungsfilm.

Das steckt auch viel Sprengstoff drin ...
Ich denke, jeder weiss um die Kontroversen, die es in Zusammenhang mit dieser Sage schon gegeben hat, und ist gespannt, was aus dem Filmmaterial geworden ist, dessen Verarbeitung Michael Steiner beinahe nicht finanziert bekommen hätte. Jeder soll sich selbst ein Bild machen, ich jedenfalls freue mich, dass wir diesen Film zeigen können.

Welcher Film hat Ihre Liebe zum Kino geweckt?
Mmh. Nach «Bambi», den ich wie jedes kleine Mädchen gesehen habe, hat mich vor allem «Amadeus» geprägt, dessen Regisseur Milos Forman bei uns in diesem Jahr für sein Lebenswerk geehrt wird, aber auch Filme wie «Der Pate» oder «Spiel mir das Lied vom Tod».

Träumten Sie davon, ein Leinwandstar zu werden?
Wer nicht, als Kind? Danach habe mich selbst aber nie mehr als Schauspielerin gesehen, obwohl ich in meiner Model-Zeit oft in Szene gesetzt wurde. Ich finde es toll, als Festival-Organisatorin nun die Fäden im Hintergrund zu ziehen und etwas bewegen zu können.

Wie wurden Sie zu einem der gefragtesten Schweizer Models der 90er-Jahre?
Obwohl ich mehrfach gefragt wurde, ob ich nicht modeln wollte, lehnte ich zuerst ab, da ich mich nicht schön fand. Erst als mich die KV-Lehre nicht wirklich befriedigte, liess ich mich doch noch von einer Agentur überzeugen, dass ich das Zeug zu einer internationalen Modelkarriere hätte. Ich lebte in New York, Paris und Mailand, aber nach zehn Jahren in dieser Branche brauchte ich eine neue Herausforderung. Mit dem Geld, das ich gespart hatte, gründete ich mit meinen Partnern die Firma Spoundation Motion Picture, die 2005 das Zurich Film Festival ins Leben rief. Das klingt jetzt alles sehr einfach, aber ohne viel Herzblut und Durchhaltevermögen wären wir nie soweit gekommen.

Sie bezeichnen die Fotografie als Ihr Hobby. Sind Sie Sammlerin oder fotografieren Sie?
Ich hatte schon immer Freude an der Fotokunst, besuche Galerien und habe zuhause auch ein paar schöne Werke. Mein Lieblingsbild hat Grazia Toderi in der Mailänder Scala gemacht. Ich wünschte, dass ich selbst auch mehr fotografieren würde, aber meine knappe Freizeit widme ich momentan lieber meinem Sohn.

War bei Ihnen die Geburt des ersten Kindes nicht Motivation zum Fotografieren genug?
Leider nicht ganz, was eigentlich schade ist. Er ist ein so herziger und lebenslustiger kleiner Bub. Er wickelt jeden um den Finger. Zum Glück fotografiert sein Grossmami gerne.

Wie hat die Mutterschaft Ihr Denken verändert?
Es gibt da plötzlich einen Menschen, für den man die Verantwortung trägt. Er ist das Wichtigste in deinem Leben. Das ist eine enorm schöne Liebe, aber jeder muss selbst entscheiden, ob er sein Leben komplett umkrempeln will. Für mich ist mein Beruf momentan ebenfalls wichtig. Ich stecke viel Zeit, Kraft und Energie in das Festival, was dank einer Nanny und der Hilfe der Verwandtschaft möglich ist.

Welches sind Ihre drei persönlichen Festival-Tipps?
Neben dem amerikanischen Spielfilmen «Monogamy», «The Con Artist» und «Wall Street: Money Never Sleeps» würde ich auch einen Dokumentarstreifen empfehlen: «Cane Toads: The Conquest», der von einer Riesenkröte handelt, die man nach Australien holte, um einen Käfer biologisch zu bekämpfen. Mangels natürlicher Feinde hat sie sich unglaublich schnell vermehrt. Nun sind die rund 1,5 Milliarden Exemplare selbst eine Plage. Ein 3D-Film, der garantiert für Gesprächsstoff sorgen wird!

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Steckbrief
Nadja Schildknecht

Tätigkeit: Co-Direktorin und Geschäftsführerin des Zurich Film Festival.
Geburtsdatum: 16. August 1973 in Zürich
Zivilstand: liiert mit CS-Banker Urs Rohner (49), ein Sohn (2)
Wohnort: Zürich.
Laufbahn: 1993 Wahl zum «Gesicht des Jahres», Model-Karriere für Labels wie Armani, Laura Biagotti und Christian Dior. 2007 Moderation der Casting Show «Supermodel» (3plus). Seit 2005 ist sie Geschäftsführerin der Firma Spoundation Motion Picture GmbH und ist zuständig für Finanzen, Marketing/Sponsoring und Organisation
Aktuell: 6. Zurich Film Festival (23.9. bis 3. Oktober) in den Kinos corso und Arthouse Le Paris sowie weiteren Lokalitäten rund ums Bellevue.

Link: Zurich Film Festival

ds



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