1 von 2



Manuel Löwensberg: «Früher war ich ein Veloblitz»

Persönlich. Schauspieler Manuel Löwensberg (35) verkörpert im Film «Hugo Koblet – Pédaleur de Charme» den gescheiterten Radsporthelden.

Coopzeitung: Je länger der Film über Hugo Koblet dauert, desto weniger nimmt man den Übergang zwischen nachgestellten Szenen und Archivmaterial wahr. Was unterscheidet Sie am Ende noch von Koblet?
Manuel Löwensberg:
Fast alles! Meine Grösse, mein Beruf, meine Familie. Es gibt eigentlich nicht viele Gemeinsamkeiten, einzig eine gewisse Verspieltheit, Witz und Lebensfreude. Doch während mir sein grosser Rivale Ferdy Kübler immer schon ein Begriff war, wusste ich vor dem Film von Koblet nur, dass es ihn gegeben hat.

Wie gingen Sie an die Rolle heran?
Regisseur Daniel von Aarburg hatte schon seit Jahren recherchiert. Doch es gab Charakterzüge, die wir gemeinsam herausarbeiteten: Etwa, dass Koblet allen gefallen wollte und sich selbst dabei vergass. Das Drehbuch hat sich stark verändert. Wir haben mehr zwischenmenschliche Szenen nachgestellt und weniger Veloaufnahmen gemacht.

Waren Sie darüber froh?
Nein, ich mochte die bewegten Szenen sogar lieber, weil die übrigen ziemlich streng und statisch waren – wie man das aus den Filmen von Kurt Früh und dem Archivmaterial kennt, woran wir uns orientierten.

Wie haben Sie sich auf die Dreharbeiten vorbereitet?
Ich bin etwas mehr Velo gefahren als sonst und habe auf der offenen Rennbahn in Oerlikon trainiert, wo die überhöhten Kurven spezielle Anforderungen stellen. Aber für richtige «Gümmeler-Beine» reichte das nicht. So viel Zeit wie in Hollywood, wo Stars sich mehr als ein Jahr lang vorbereiten können, konnte ich nicht aufwenden, da ich am Schauspielhaus Salzburg noch die Hauptrolle in «Romeo & Julia» spielte.

Sie machen im Film trotzdem eine gute Figur!
Ich war zumindest an den richtigen Stellen braun, weil ich in Velokleidern ins Solarium gegangen bin! Ausserdem war das Velo schon immer mein bevorzugtes Verkehrsmittel. Nach der Matura arbeitete ich als «Veloblitz»; und als Kurier entwickelt man ja einen gewissen Ehrgeiz und schaut, wer der Schnellste ist und wer den grössten Umsatz macht.

Was hat eigentlich Koblets Charme ausgemacht?
Da war einerseits sein unglaubliches Talent. Sein Teamkollege Armin von Büren bezeichnet es als Welt-wunder, wie er allen davonfuhr. Ich glaube aber, dass sich Koblet auch sehr anstrengte, um alles leicht aussehen zu lassen. Er war zudem sprachlich sehr begabt, schlagfertig und witzig. Von den Leuten, mit denen ich über ihn gesprochen habe, hat niemand auch nur ein schlechtes Wort über ihn fallen lassen. Er hat auch immer alle eingeladen und war nie auf Konfrontation aus. Im Gegenteil: Er war ein Verdränger.

Können Sie dies anhand eines Beispiels erklären?
Seine Frau wusste nicht einmal, dass Koblets Vater Alkoholiker war. Sonia und er haben kaum miteinander geredet. Das Model scheint für ihn eine Art Trophäe gewesen zu sein – und er für sie ebenso. Als Koblet in einem Fernsehinterview gefragt wurde, ob er auch schlechte Erinnerungen an seine Karriere habe, sagte er «Nein, nur gute» und zuckte ein wenig. Ein entlarvender Moment, die Antwort kommt viel zu schnell. Du merkst, da schiebt jemand eine Frage von sich weg, lässt Zweifel gar nicht erst aufkommen.

Wie sieht es bei Ihnen mit Selbstzweifeln aus?
Es ist manchmal unerträglich, dass ich nur auf meine Fehler achte. Nach der Vorführung auf der Piazza Grande war ich deprimiert, da ich nochmals in Grossformat gesehen hatte, was ich heute anders machen würde.

Haben Sie inzwischen eingesehen, dass Sie den Koblet überzeugend gespielt haben?
Mittlerweile kann ich es annehmen. Einiges ist wirklich gelungen, aber trotzdem kann ich mich im vielen Lob, das ich glücklicherweise bekommen habe, noch nicht so richtig sonnen. Und das ist keine Koketterie!

Können Sie sich bei Ihrem Vater Moritz Leuenberger nicht väterlichen Rat holen?
Als «Glanz & Gloria» in Locarno mit uns ein Interview machen wollte, zögerte ich, da ich immer darauf geachtet habe, dass ich wegen meiner Leistung und nicht als Bundesratssohn in den Medien erscheine. Dann habe ich kurz mit ihm besprochen, wie ich es anstellen muss, um trotz meiner selbstkritischen Haltung nicht wie ein begossener Pudel vor der Kamera zu stehen – und es hat geklappt.

Koblet ist Ihre erste Filmhauptrolle. Wie konnten Sie bislang Ihren Lebensunterhalt verdienen?
Ich habe seit dem Ende der Schauspielschule immer von der Schauspielerei gelebt. Da ich keine Familie ernähren und kein Haus abzahen muss, ist das möglich. Aber es gibt immer wieder Momente, in denen ich unruhig bin, weil ich nicht weiss, wie es weitergeht. Dann hilft mir meine Flexibilität. Ich war immer bereit, kurzfristig meine Koffer zu packen und in Wien, Chur oder in welcher Stadt auch immer zu spielen. Langsam bekomme ich jedoch das Bedürfnis, irgendwo anzukommen. Ich würde gerne wieder fest an einem Theater arbeiten oder regelmässig drehen.

Kommentare (0)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.





Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld:

$springMacroRequestContext.getMessage($code, $text)






Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.

Reinhold Hönle

Autor

Foto:
Yannick Andrea
Veröffentlicht:
Dienstag 07.09.2010, 00:00 Uhr

Steckbrief:
Manuel Löwensberg

Beruf: Schauspieler
Geburtsdatum: 11. Mai 1975 in Zürich
Zivilstand: liiert
Wohnort: Zürich
Laufbahn: Hochschule für Musik und Theater Bern. Theater, TV & Film, u. a. «Füür oder Flamme» (2002), Urs Zwicky in «Lüthi & Blanc» (2002 bis 2006), «Strähl» (2003), «Tag und Nacht» (2008), «Tag am Meer» (2009).
Aktuell: Film: Hauptrolle in «Hugo Koblet – Pédaleur de Charme» von Daniel von Aarburg (ab 16. September im Kino); Theater: «Endstation Sehnsucht» («Klibühni – Das Theater» in Chur, 11. bis 25. September).



Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?