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Barbara Burtscher: «Die Faszination ist so gross»

Persönlich. Barbara Burtscher greift nach den Sternen. Die Astrophysikerin möchte zum Mars fliegen. Ein Jahr hin, ein Jahr zurück.

Coopzeitung: 1,81 Meter gross, Schuhgrösse 44 – sehen so Astronautinnen aus?

Barbara Burtscher: Ich weiss nicht, wie Astronautinnen auszusehen haben. Aber ich denke, sie sollten schon stabil und kräftig sein – und das bin ich. Das ist gut, aber oft auch etwas mühsam. Schuhe finde ich in der normalen Frauenabteilung nie. Ich muss in den Spezialladen.

Sie behaupten, im Armdrücken Männer zu schlagen. Ja, in der Mars-Station war das so. Nur der Kommandant war stärker. Dann sollten Sie Leistungssport treiben und nicht nur geistigen Sport als Physikerin.
Ich spiele aktiv Tischtennis beim TTC Toggenburg. Sogar in der Mars-Station habe ich Turniere organisiert und plane, auch auf den Parabelflug einen kleinen Tischtennis-Tisch mitzunehmen.

Parabelflug?
Ja, einen solchen darf ich in diesem Jahr absolvieren. Da steigt man mit dem Flugzeug sehr hoch hinauf, geht dann in einen Sturzflug über und simuliert so 20 bis 30 Sekunden lang die Schwerelosigkeit. Das wiederholt sich dann rund 15 Mal.

Was braucht es – neben der Sportlichkeit – für Eigenschaften, um Astronautin zu werden?
Idealerweise sollte man ein naturwissenschaftliches Studium abgeschlossen und bereits mehrere Jahre gearbeitet haben. Zudem muss man psychisch stabil sein; in der Mars-Station lebten wir zwei Wochen lang zu sechst auf 24 Quadratmetern. Das muss man aushalten.

Stressresistent sind Sie. Sie haben ein volles Pensum als Physiklehrerin, betreiben mit Ihrem Partner zwei Firmen, unterrichten im Sommer bei der Nasa im Education Center …
… organisiere den Schweizer Astronomietag und führe Live-Sternenhimmelshows durch. Zudem wurde jetzt, passend zum Film «Marsdreamers», ein Ableger der Mars Society in der Schweiz gegründet, deren Vizepräsidentin ich bin. Unser Ziel ist, eine Mission zum Mars voranzutreiben.

Ist denn ein Flug auf den Mars Ihr Lebensziel?
Das wäre schon toll, aber natürlich mit einem recht grossen Aufwand verbunden: rund ein Jahr, bis man dort ist, ein Jahr auf dem Mars, ein Jahr zurück.

Eine Reise zum Mars – wann könnte dies möglich sein?
Es dauert sicher noch fünfzehn, zwanzig Jahre, bis man an eine solche Mission überhaupt nur denken kann.

Im Dokumentarfilm «Marsdreamers» sagen die Leute, die sich mit dem Mars beschäftigen, sie würden schon morgen in die Rakete steigen und hinfliegen – Sie auch?
Nun, wenn es bereits jetzt möglich wäre, würde ich auch ja sagen … aber ich müsste es mir dann noch einmal genau überlegen. Ich habe so viele Kollegen hier, meinen Freund, meine Familie … Aber ich denke, ich würde trotzdem gehen. Die Faszination ist so gross.

Sie sprechen von einer rund dreijährigen Reise. Es gibt auch die Option, zum Mars zu fliegen und dort zu bleiben.
Ich glaube nicht, dass es so weit kommt, dass man hi-nauffliegt und die Leute oben lässt. Aber man muss damit rechnen, dass man – unfreiwillig – für immer oben bleibt oder gar nie ankommt. Die Chance, dass man es wieder retour schafft, ist klein.

Was sagt Ihr Partner zu Ihren Vorstellungen?
Ganz begeistert ist er nicht. Er ist Ökonom und arbeitete als Risk-Manager bei einer Bank. Er kann also sehr gut abschätzen, wie gross das Risiko ist. Und es ist leider sehr gross.

Suchen Sie das Abenteuer?
Ja, schon. Aber mich interessiert vor allem auch die wissenschaftliche Seite eines solchen Flugs. Wie sich der Körper verändert, die Analyse der Bodenproben, ob man den Mars für den Menschen bewohnbar machen kann.

Zurück zum Thema Stress: Offenbar brauchen Sie zum Glück eine volle Agenda.
Ich strebe das nicht an, bin es mir aber gewohnt. Ich begann bereits als Vierzehnjährige mit astronomischen Beobachtungen unter anderem des Kometen 153P/Ikeya-Zhang. Darüber schrieb ich auch meine Maturarbeit, erhielt 2003 bei «Schweizer Jugend forscht» das Prädikat «hervorragend», durfte dann am «European Union Contest for Young Scientists» in Dublin teilnehmen und erhielt als Preis eine Reise nach Chile zum Very Large Telescope und zum La Silla Observatorium. Zudem wurde ich zum Nobelpreisträgertreffen in Lindau eingeladen; das war etwas ganz Besonderes für mich. So ging das immer weiter.

Interessieren sich Ihre Schülerinnen und Schüler für Ihre Astronauten-Ambitionen?
Viele interessieren sich dafür und stellen auch viele Fragen. Verständlich, dann geht die Lektion schneller vorbei. Ich versuche die Fragen bezüglich Raumfahrt nach dem Unterricht zu beantworten; ich unterrichte allgemeine Physik und es ist wichtig, dass die Schüler zuerst die Grundlagen lernen.

Und wie geht es auf dem Weg zur Astronautin weiter?
Wie bereits angetönt, kann ich in diesem Jahr eine Art «Basic Astronauten Training» beginnen. Dazu gehört unter anderem der Parabelflug. Aber mehr darf ich leider nicht verraten. Noch nicht. «In der Mars-Station war nur der Kommandant im Armdrücken stärker als ich.»

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Martin Zimmerli

Redaktor

Foto:
Katharina Lütscher
Veröffentlicht:
Dienstag 16.02.2010, 00:00 Uhr

Steckbrief

Barbara Burtscher

Geburtsdatum: 25. März 1985 
Zivilstand: ledig, seit sechs Jahren liiert mit Martin Signer 
Beruf: Astrophysikerin/Physiklehrerin (Kanti Wattwil SG). 
Tätigkeiten: Mitinhaberin der 4Finance AG (Vermögensverwaltung/Consulting im Finanzbereich) sowie der Astrophysics.ch GmbH (Organisation des Schweizer Astronomietages und Durchführung von Live-Sternenhimmelshows). Vizepräsidentin Mars Society Schweiz. 
Aktuell: Teilnehmerin am Projekt «Mars Desert Research Station» der Mars Society in der Wüste von Hanksville, Utah USA, im Dezember.
Zum Thema: Der Film «Mars-dreamers» des Schweizer Regisseurs Richard Dindo ist soeben angelaufen - eine Dokumentation über die Faszination des Lebens auf dem Mars



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