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DJ Bobo: «Lieber kein Superstar»

Persönlich. Eurodance-Popstar und Familienvater DJ Bobo (42) über seine neue CD «Fantasy», den Buddha als Bühne, Schulfreuden und bedauernswerte Genies.

Coopzeitung: Was hat Ihre Fantasie angeregt, als Sie «Fantasy» machten?

DJ Bobo: Mein grosses Glück war, dass Eurodance dank David Guetta und Lady Gaga wieder salonfähig geworden ist. So musste ich nicht mehr ein Album nach einem speziellen Konzept aufnehmen, sondern konnte einfach meinem Bauchgefühl folgen und drauflos produzieren.

Was hat die Musik für Sie bedeutet, bevor Sie eigene Ambitionen hatten?
In mein Zimmer abzutauchen und Musik zu hören war als Kind mein Schlupfloch aus dem nicht so rosigen Alltag mit einem Stiefvater. Ein noch besseres Ventil wurde der Breakdance, bei dem ich auch körperlich Dampf ablassen konnte.

Und heute flüchten Sie sich in den Buddhismus?
Sie meinen wegen unserer Bühne für die aktuelle Show und dem CD-Cover? Nein, dieser Buddha hat keinen religiösen Hintergrund. Wir haben das Wort deshalb zuerst gemieden und ihn Gigant genannt. Wir mussten aber einsehen, dass eine Gestalt mit sechs Armen nun mal als Buddha gilt – selbst, wenn er noch Tattoos und ein Sixpack hat ...

Wie sind Sie auf ihn gekommen?
Ich brauchte verschiedene Plattformen für die Musiker und wollte sie auf Händen tragen, und nicht wie einst George Michael in einem hässlichem Baugerüst platzieren. Der Prototyp hatte noch einen Bart und sah aus wie der Samichlaus. Schliesslich entschieden wir uns für eine zeitlose Mischung aus historischem und futuristischem Wesen.

Wie gefällt er Ihren Kindern?
Die finden den Buddha me-ga. Mit drei und sieben Jahren sind sie allerdings in einem Alter, wo sie alles super finden, was der Papi macht. Ich muss diesen Heldenstatus noch etwas geniessen. Wenn ich meinen Sohn in zwei Jahren mit dem Auto irgendwohin bringe, will er sicher schon, dass ich ihn an einem Ort ablade, wo man uns nicht zusammen sieht.

Was bekommt er von Ihrer Arbeit mit?
Alles! Jamiro ist der kritischste Beobachter der Bühnenbauten. Er hat sehr schnell gefragt, weshalb der Buddhadie Augen nicht öffnet. Da war es zwar schon geplant, dass dieser sie im Laufe der Show noch auftut, doch ist es schon frappant, wie Jamiro das gleich aufgefallen ist.

Wie fördern Sie Ihre Kinder?
Jamiro ging drei Jahre in den Montessori-Kindergarten. Da werden drei Jahrgängegemeinsam betreut. Das verbessert die Sozialkompetenz der Kinder: Die Stärkeren helfen den Schwächeren und die Älteren den Jüngeren. Der grösste Unterschied ist, dass die Talente der Kinder gefördert werden und sie sich nicht mit dem quälen müssen, das ihnen nicht liegt.

Geht Ihr Sohn nun auch auf eine Privatschule?
Nein, er besucht eine öffentliche Schule an unserem Wohnort und fühlt sich dort sehr wohl. Sie hat nur 180 Schüler und ein gutes soziales Umfeld. Da ich einen Beruf habe, in dem sich alles um zwischenmenschliche Beziehungen und Emotionen dreht, war es mir sehr wichtig, dass er mit den Kindern aus der Nachbarschaft den Schulweg teilen oder sie spontan zum Spielen treffen kann.

Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Schulzeit in Kölliken?
Ich habe mich jeden Tag auf die Schule gefreut, aber eigentlich nur wegen der Kollegen. Wir treffen uns heute noch zweimal pro Jahr, einer davon gehört sogar zu meinem Team. Dieser Zusammenhalt auf dem Land ist für mich ein Stück heile Welt.

Was halten Sie von der aktuellen Bildungsdebatte?
Ich bin vom Typ her ein Multikulti, habe aber auch Probleme damit, wenn die Kinder nicht mehr richtig Deutsch lernen. Andererseits machenes sich die Eltern zu leicht, wenn sie alles auf die Schule abschieben. In erster Linie sind wir in der Pflicht und müssen in der Erziehung mit gutem Beispiel vorangehen.

Welches waren Ihre Vorbilder?
Meine direkten Vorbilder fand ich unter den Fussballtrainern und Lehrern. Auf dem musikalischen Sektor war Michael Jackson mein Idol.Nicht, dass ich davon träumte, in die Charts zu kommen, das war viel zu weit weg, aber ich wollte wie er tanzen können.

Wie hat Sie sein Tod berührt?
Ich hatte mich gefreut, dass er auf die Bühne zurückkehren wollte. Als ich von seinem Tod hörte, wurde mir plötzlich bewusst, dass wir 1996 auf der «HIStory»-Europatournee die letzten waren, die in seinem Vorprogramm auftreten konnten. Bei der Digitalisierung unserer Video-8-Aufnahmen sah ich mich vor ein paar Wochen plötzlich auf der Bühne vor 140 000 Zuschauern ankündigen: «And now, Ladies and Gentlemen, please welcome the King of Pop, Michael Jackson!» Da bekam ich schon Gänsehaut.

Können Sie Person und Künstler trennen?
Solange die Songs gut sind, ist es mir egal, ob Elton John schwul oder Amy Winehouse drogenabhängig ist. Harmoniert beides wie bei Herbert Grönemeyer, den ich als Mensch mit Tiefe schätze, umso besser. Mit Prince, auf der Bühne ein Genie, aber Backstage ein Häufchen Elend, möchte ich dagegen keine Sekunde tauschen. Lieber kein Superstar, aber dafür einigermassen normal! (lacht)

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Reinhold Hönle

Autor

Foto:
Christian Lanz
Veröffentlicht:
Dienstag 23.02.2010, 00:00 Uhr

Steckbrief

DJ Bobo

Beruf: Sänger, Rapper, Tänzer und Songschreiber.
Geburtsdatum:
5. Januar 1968 als René Baumann in Kölliken AG
Zivilstand:
verheiratet mit Nancy Rentzsch (39), Sohn Jamiro (7) und Tochter Kayley (3)
Wohnort:
Kastanienbaum LU
Werdegang:
Lehre als Bäcker/Konditor und DJ-Karriere. 1993 erster Nr. 1-Hit «Somebody Dance With Me». Grösster Hit: «Chihuahua» (2002). Total 14 Millionen verkaufte CDs.
Link: Homepage DJ Bobo



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