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Mike Schmid: «Bis jetzt geniesse ich es»

Persönlich. Mike Schmid bleibt nach seinem Olympiasieg bescheiden: Im Sommer will der von Coop unterstützte Skicrosser wieder Strassen bauen. Auch seine eigene.

Coopzeitung: Haben Sie schon gekündigt
Mike Schmid: Gekündigt - was gekündigt?

Ihren Job als Strassenbauer natürlich?
Ha! Ich brauche meinen Job.

Auch jetzt noch, als Olympiasieger?
Ja, ich wüsste nichts anderes, daran hat sich bis jetzt nichts geändert. Im Sommer Strassenbauer, im Winter Skicrosser - das ist schon okay so.

Sie möchten also gar nicht Ski-Profi werden?
Doch, natürlich. Das Hobby zum Beruf zu machen, davon träumt doch jeder Sportler. Aber wie gesagt, ich kenne nichts anderes als das, wie es bis anhin war.

Ist der Wunsch, Profi zu werden, realistisch?
Als Olympiasieger vielleicht etwas realistischer als zuvor, aber das wird sehr schwierig. Damit habe ich mich noch gar nicht befasst, darüber will ich auch gar noch nicht nachdenken. Im Moment sind wir ja noch mitten in der Saison, und ich habe ein ganz grosses Ziel in diesem Jahr: den Gewinn des Gesamt-Weltcups. Daran hat der Olympiasieg nichts geändert.

Drei Rennen stehen noch an, diese Woche die beiden Weltcup-Rennen vor Ihrer Haustür in Meiringen-Hasliberg und Grindelwald. Das wird für Sie sicher etwas Besonderes.
Die Rennen in der Schweiz sind jedes Jahr etwas Besonderes. Und diesmal vielleicht etwas noch Besondereres. Ich freue mich sehr. Ich hoffe, dass ganz, ganz viele Leute kommen werden.

Welche Veränderungen hat denn der Olympiasieg bis jetzt für Sie gebracht?
Im Grunde nicht viel. Dass ich jetzt einfach sehr viele Interviews geben muss, dass viele Fotos gemacht und Zeitungsartikel über mich geschrieben werden. Aber sonst - mich selber verändert das nicht, und das ist auch gut so.

Abgehoben haben Sie jedenfalls noch nicht ...
... und wenn ich in irgendeiner Form abheben sollte, habe ich ein gutes Umfeld zu Hause und im Team: Die würden mich schnell wieder runterholen.

Macht Ihnen der Rummel um Ihre Person Spass?
Die Olympischen Spiele, die Empfänge, das Interesse der Medien und überhaupt der Leute: Bis jetzt geniesse ich es, ja. Aber das hört dann alles von selber wieder auf - da mache ich mir nichts vor.

Was wird sich für die kommende Saison verändern?
Ich hoffe natürlich, dass sich für den Sport etwas verändert, für das Skicross. Dass unser Sport noch populärer wird, dass die Leute wissen, was Skicross ist, dass es mehr in den Medien und vor allem auch mehr im Fernsehen kommt. Dass auch unser Team mehr Unterstützung bekommt.

Werden Sie Ihren unbezahlten Urlaub nach der Saison diesmal etwas verlängern?
Nein, nein. Ich habe jedes Jahr nach der Saison mit meiner Freundin noch ein bisschen Ferien gemacht, und so wird es auch dieses Jahr sein. Und jetzt habe ich von meinem persönlichen Sponsor Coop noch Ferien geschenkt bekommen - das trifft sich gut.

Wohin fahren Sie?
Das weiss ich noch nicht, ich habe erst den Katalog bekommen.

Die Gemeinde Frutigen will Ihnen zu Ehren eine Strasse nach Ihnen benennen.
Ja, das ist eine lustige Idee.

Das Lustigste und das Spezielle aber ist, dass Sie Ihre Strasse möglicherweise selber bauen müssen.
Ja, wenn mein Arbeitgeber den Auftrag erhält ... Speziell ist das schon, aber dann bauen wir sie halt.

Haben Sie sich die Olympischen Spiele als solche so vorgestellt?
Für uns alle war es ein Riesenerlebnis, an Olympischen Spielen dabei zu sein. Ich hatte auch genügend Zeit, das Ganze zu geniessen, die Atmosphäre und alles richtig einzusaugen und mitzuerleben. Das olympische Dorf, die vielen Sportler, das Zusammentreffen mit Sportlern aus anderen Ländern und Sportarten: Das war unheimlich schön.

Was hat Sie am meisten beeindruckt?
Die ganze Organisation. Zum Beispiel, als wir in Vancouver ankamen: Da hat man uns sofort das Gepäck abgenommen und an den richtigen Ort gebracht. Wie sich die Leute um uns bemüht haben - das kann ich gar nicht mit Worten beschreiben. Das sind wir Skicrosser nicht gewohnt.

Haben Sie andere Wettkämpfe gesehen?
Ja, wir schauten uns das Skicross-Rennen der Frauen an, Frauen-Curling Schweiz-Kanada, Frauen-Hockey und natürlich Herren-Eishockey Schweiz-Kanada - das war natürlich das absolute Highlight.

Haben Sie sich nach Ihrem Sieg etwas Besonderes geleistet, eine Belohnung?
Nein. Nichts Grosses. Wir waren zusammen essen, und ich habe es einfach so lange wie möglich genossen.

Haben Sie für Ihre Medaille zu Hause schon ein spezielles Plätzchen gefunden?
Nein, die kommt irgendwo in meine Wohnung. Wo genau, weiss ich noch nicht. Nicht in einen Banksafe? Nein, nein. Die kommt in die Wohnung, damit ich sie auch sehen und anschauen kann. Für das ist sie schliesslich da.

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Martin Zimmerli

Redaktor

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Dienstag 09.03.2010, 00:00 Uhr

Steckbrief

Mike Schmid

Wohnort: Frutigen BE
Geburtsdatum: 18. März 1984
Beruf: Skicrosser im Winter, Strassenbauer im Sommer
Zivilstand: ledig
Grösse/Gewicht: 193 cm/95 kg
Erfolge: Olympiasieger in Vancouver; aktueller Leader im Skicross-GesamtWeltcup
Links: Homepage von Mike Schmid, Skicross FIS World Cup, Coop Skicross Tour



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