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Rainer Maria Salzgeber: «Fussball ist Passion»

Persönlich. Rainer Maria Salzgeber führt die Schweizer am TV bis an und durch die Fussball-WM 2010.

Rainer Maria Salzgeber führt die Schweizer am TV bis an und durch die Fussball-WM 2010.

Coopzeitung: Was erwartet uns im WM-Magazin?
Rainer Maria Salzgeber: Es soll auf die WM einstimmen, wie ein Countdown. Am Anfang wird im WM-Magazin eine Auswahl der 32 Mannschaften vorgestellt, mit zusätzlichen Informationen über Land und Leute.

Die wievielte WM oder EM ist das nun für Sie?
Ich habe drei EMs als Moderator begleitet und nun meine zweite WM.

Macht das noch Spass?
Ja. Diese Frage ist gegenüber einem Fussballfan fast schon ungehörig. Natürlich gibt es bei den Spiel-Paarungen Wiederholungen, aber im Fussball passiert stets Unvorhergesehenes. Fussball ist Passion und Leidenschaft für mich, das kann nicht langweilig werden, nein, nie!

Auch nicht mit den immer gleichen Gästen ...?
Nein. Es ist eine Art Stammtisch auf hohem Niveau, wie wenn man wie privat diskutiert, da kann dasselbe Thema immer wieder mit Leidenschaft besprochen werden. Das spannende sind die Geschichten und die Menschen.

Sie waren selbst Goalie auf hohem Niveau, in der 1. Liga. Sehen Sie deshalb das Spiel anders als der Laie?
Wenn du weisst, wie sich ein Ball am Fuss anfühlt, wie Goaliehandschuhe sind, ist das sicher ein Vorteil, aber nicht Bedingung für den Job. Mein Fachwissen hilft mir, bei den Gästen auf diese Sache zu zielen, die der Zuschauer gerne hört. Ich würde mir nicht anmassen, einem erfahrenen Trainer wie Gilbert Gress zu sagen, ich habe mehr Ahnung, aber Journalisten sind auch Experten und sollten sich erlauben, ihre eigene Meinung zu vertreten.

Weiss ein Trainer denn wirklich so viel mehr?
Er denkt anders, er schätzt anders ein - er analysiert eben als Trainer, der eine Situation vielleicht schon 700-mal erlebt hat und zudem das Innenleben des Teams kennt. Wir Zuschauer analysieren den Moment, den wir sehen.

Mit den meisten Spielern sind Sie per Du. Im Interview siezt man sich. Warum?
Es ist eine Frage des Respekts gegenüber dem Spieler, aber auch gegenüber dem Zuschauer. Es braucht eine wahrnehmbare Distanz.

Moderiert wird meist auf Mundart. Der Walliser Dialekt scheint im TV sehr populär. Warum?
Beim Schweizer Fernsehengibts genau zwei wahrnehmbare Walliser: Fabienne Pfammatter und mich. Der Walliser Dialekt wird aber extrem stark wahrgenommen, weil ihn alle immer gleich als solchen erkennen. Aber das «Walliser Diitsch» ist natürlich auch eine Marke wie der Name «Rainer Maria».

Der kommt vom Dichter Rainer Maria Rilke?
Nein, obwohl ich aus Raron, wo Rilke bestattet ist, komme. «Rose, oh reiner Widerspruch, Lust, Niemandes Schlaf zu sein unter soviel Lidern» - Das ist Rilkes Grabinschrift, mehr kann ich leider nicht, aber die meisten sind dann schon beeindruckt (lacht). Nein ernsthaft: Ich bin am 15. August zur Welt gekommen, das ist Maria Himmelfahrt und daher der Name.

Ihr Spitzname ist Salzi. Wer darf Sie so nennen?
Der Spitzname hat sich erst hier in Zürich beim Fernsehen entwickelt. Ich kann gut damit leben. Kubi, Zubi, Salzi - da bin ich doch in guter Gesellschaft ... (lacht).

Jetzt wird die Belastung gross und bis zur WM immer grösser. Wie geht Ihre Familie damit um?
Es ist keine Belastung.

... der Arbeitsaufwand wird grösser ...
Bei der Arbeit tue ich etwas, das ich gerne auch in der Freizeit mache, mich mit Fussball, mit der WM befassen. Die Abgrenzung ist manchmal schwierig. Aber es ist es sicher ein Privileg, einen solchen Job zu haben. Es braucht auch ein Umfeld, das dies akzeptiert.

Müssen Ihre zwei Kinder, Cloé und Jascha, jetzt mehr auf den Papa verzichten?
Ich versuche, konsequent am Morgen mit ihnen aufzustehen und sie in die Schule zu begleiten, wenn sie das möchten. Ich hole sie ab, und esse mit ihnen zu Mittag, dafür bin ich abends weg.

Wie reagieren die Kinder darauf, wenn sie Sie im TV sehen?
Mittlerweile ist es Routine geworden, am Anfang war es cool. Aber nun in der Schule ist das nicht mehr so wichtig. Die haben eigene Geschichten - ein 9-jähriges Mädchen will anderes diskutieren, zum Beispiel die neuste Folge von «Hanna Montana».

Gibt es Feedback aus der Familie?
Ja, natürlich. Meine Frau ist fachlich kritisch - sie weiss am besten, was ich kann und was nicht. Und die Kinder sind brutal ehrlich, wenn das Hemd nicht sitzt oder die Frisur nicht passt ...

Sie sagten: Journalisten sind auch Experten. Deshalb hier noch ein paar Fussballfragen: Was würden Sie im Fussball ändern?
Ich würde das Abseits anders gestalten. Bei den Junio-ren gibt es eine Regel, dass das Abseits erst ab dem Sechzehner gilt. Das wäre eine Traumregel von mir. Sie führt zu mehr Raum für das Spiel.

Braucht es Videoentscheide?
Eine Torkamera wäre wohl eine gute Sache, aber kann die weltweit eingeführt werden? Aus finanziellen Gründen wohl eher nicht. Der gros-se Vorteil des Fussballs ist ja, dass er weltweit von 260 Millionen Menschen nach denselben Regeln und mit den einfachsten Mitteln gespielt wird. Im Grunde genommen braucht man nur einen Ball.

Ihre Traumaufstellung der Schweiz an der WM?
Ich habe keine Traumaufstellung, sondern bleibe nahe bei der Realität. Wichtig ist eine verlässliche Achse mit Benaglio, Grichting, Senderos, Huggel, Inler, Frei. Dazu kommen weitere wichtige Spieler wie beispielsweise Barnetta und Vonlanthen.

Die Chancen der Schweiz an der WM?
Das ist echt keine einfache Gruppe, aber die Schweiz wird dort Zweiter und deshalb ist es das Pech von Brasilien, dass sie schon im Achtelfinale auf die Schweizer treffen.

 

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Christian Degen

Chefredaktor

Foto:
Georios Kefalas
Veröffentlicht:
Dienstag 16.03.2010, 00:00 Uhr

Steckbrief

Rainer Maria Salzgeber

Wohnort: ausserhalb Zürich
Geburtsdatum: 15. August 1969 in Raron VS
Beruf: Redaktor und Moderator beim Schweizer Fernsehen (SF) für «sportaktuell» sowie Mode- ration diverser Livesendungen. 
Zivilstand: verheiratet mit Chantal, zwei Kinder Cloé (9) und Jascha (6).
Werdegang: 1990 Wirtschaftsmatur, dann fünf Semester Studium der Geschichte/Politologie und Medien an der Uni Bern. 1992-1994 Radio Rottu Oberwallis. Seit 1994 beim SF.
Auszeichnung: Schweizer Fernsehpreis 2008, Kategorie «National», und Schweizer Sportjournalist des Jahres 2008. 



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