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Heidi Maria Glössner: «Lieber ohne Glamour»

Persönlich. Heidi Maria Glössner über ihren frühen Verzicht auf Hollywood und ihre späte Filmkarriere beim Schweizer Fernsehen.

Coopzeitung: Im SF-Sonntagabendfilm «Verstrickt und zugenäht» spielen Sie die Ehefrau eines Sockenfabrikanten. Spezialisieren Sie sich nun aufs Textilgewerbe?

Heidi Maria Glössner: Sie meinen, weil es in «Die Herbstzeitlosen» um Unterwäsche ging? Daran habe ich noch gar nicht gedacht. Wer weiss, vielleicht spiele ich in meinem nächsten Film eine Modechefin wie Anna Wintour in «The Devil Wears Prada».

Als Maria Callas im Stück «Meisterklasse» am Stadttheater Bern tragen Sie ja schon Haute-Couture ...
Nachdem sie 36 Kilo abgenommen hatte, galt die Operndiva als eleganteste Frau der Welt! Da sie sich zuvor hässlich und ungeliebt gefühlt hatte, genoss sie diese Bewunderung besonders.

Stricken oder nähen Sie manchmal auch selbst?
In jungen Jahren habe ich mir Kleider genäht, aber eine grosse Liebe war das nie. Stricken war unter Schauspielern nie sehr verbreitet, mehr bei Balletttänzern, die sich mit den Stulpen ihre Muskeln warm halten.

Was hat Sie an «Verstrickt und zugenäht» gereizt?
Obwohl die Rolle nicht gross genug ist, damit man ihr Tiefgang verleihen kann, spürte ich sofort, dass sie mir Spass machen würde. Charlotte Rittmeyer ist eine arrogante Fabrikanten-Gattin, die sich vor ihrer ausgeleierten Ehe in den Alkohol geflüchtet hat und es sehr unchic findet, allein mit einer Sockenfabrik dazustehen, nachdem ihr Mann mit Geld und Freundin durchgebrannt ist. Nur dank den Arbeiterinnen, die um ihre Jobs kämpfen, blüht sie langsam wieder auf.

Sie spielen seit 1987 am Stadttheater Bern, bekommen seit wenigen Jahren grössere Film- und Fernsehrollen – dank den «Herbstzeitlosen»?
Wenn man sieht, wie oft ich heute noch auf der Strasse angesprochen werde und welch interessante Angebote ich seither bekomme, war diese Komödie wirklich ein Glücksfall. Auch wir vier Frauen hatten es unheimlich gut. Es gab keine Eifersüchteleien. Jeder hat Stephanie Glaser die Hauptrolle der Martha von Herzen gegönnt.

Marthas Jugendtraum war eine Lingerie-Boutique. Und Ihrer?
In meiner Kindheit wollte ich Tänzerin werden, was jedoch mangels Ballettschule in der Umgebung unmöglich war. Als junges Mädchen sah ich dann all die Hollywood-Filme, träumte von der Schauspielerei und ihrem Glamour. Als er mir auf dem Servier-tablett präsentiert wurde, zog ich eine Schauspielausbildung in Zürich vor.

Wie kam es dazu?
Nach der Matura an der Kantonsschule St. Gallen besuchte ich meinen 13 Jahre älteren Bruder, der Mitte der 50er-Jahre in die USA ausgewandert war. Durch ihn und den Anwalt, in den ich mich verliebte, bekam ich Zugang zu den Traumhäusern von Beverly Hills, tanzte bei Lana Turner mit Charles Bronson und lernte auch Doris Day und Rock Hudson kennen. Einige Stars boten damals an, mir zu einer Filmkarriere zu verhelfen.

Weshalb haben Sie diese Angebote ausgeschlagen?
Das ganze High-Society-Getue wurde mir schnell langweilig. Ich fand es auch traurig, wie leer diese Party-Gespräche waren, die sich meist um Äusserlichkeiten drehten. Ich war eben nicht nur eine Unschuld vom Lande, sondern auch eine Idealistin, die in der Schweiz in Philosophie-Zirkeln mitdiskutiert und sich eigentlich verpflichtet hatte, zwei Jahre in einer Missionsbuchhandlung in Togo zu arbeiten. Dann war jedoch die Einladung, mit der Mutter nach Amerika zu reisen, dazwischengekommen.

Haben Sie Ihren Entscheid nie bereut?
Überhaupt nicht. Dank der Erfahrung, dass der Glamour von Hollywood nicht meine Welt ist, muss ich mich nie mehr dorthin träumen. Ich habe einen Beruf, der mich ausfüllt und kann ein normales Leben führen.

Was tun Sie, wenn Sie mal Abstand brauchen?
Ein Tag allein mit meinen Katzen in meiner Wohnung mit Ausblick auf die Altstadt kann sehr erholsam sein. Wenn ich zudem einen Tapetenwechsel benötige, fahre ich nach Italien, wo mein Freund lebt.

Sie führen eine Wochenendbeziehung?
Ja, schon seit 20 Jahren! Während meiner Ehe habe ich gemerkt, dass der Schauspieler-Beruf eine Zumutung für jeden Partner mit normalen Arbeitszeiten ist. Nun sehen wir uns, wenn wir auch Zeit füreinander haben.

Sind Katzen unkomplizierter? Mimi und ihr Sohn Tobi nutzen meine Gutmütigkeit aus, bringen mich aber auch oft dazu, laut herauszulachen – speziell Tobi. Solange ich mich morgens nicht bewege, lässt er mich in Ruhe. Wenn ich nur ein Auge öffne, hüpft er sofort aufs Bett und zupft mich an den Haaren oder versucht seinen Kopf auf mein Kissen zu legen, obwohl er weiss, dass ich das gar nicht mag! (lacht)

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Reinhold Hönle

Autor

Foto:
Peter Mosimann
Veröffentlicht:
Dienstag 23.03.2010, 00:00 Uhr

Steckbrief

Heidi Maria Glössner

Beruf: Schauspielerin
Geboren:
20. Oktober 1943 in Messkirch (Baden-Württemberg)
Zivilstand:
glücklich geschieden, mit 20-jähriger Wochenendbeziehung
Wohnort:
Bern
Ausbildung: Schauspielschule Zürich (1965–1969)
Laufbahn:
seit 1970 Theater-Engagements in deutschsprachigen Raum, ab 1987 Ensemblemitglied am Berner Stadt-theater. Filme: «Hildes Reise» (2004), «Handyman», «Die Herbstzeitlosen» (2006). SF-Serie «Tag und Nacht» (2008).
Link: Stadttheater Bern




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