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Giulia Steingruber vor der Jubiläumshalle im Nationalen Leistungszentrum Magglingen. Sie hat bewiesen, dass die Kunstturnszene mit ihr rechnen muss.






Giulia Steingruber im Gespräch lässt vor Redaktorin Bettina Ullmann die Muskeln spielen.

Giulia Steingruber:
«Man lernt, den Körper zu spüren»

Persönlich. Giulia Steingruber ist stark und mutig. Das muss sie auch sein. Das 17-jährige Powermädchen über sich, ihren Spass an der Sache und ihre Angst vor Verletzungen.

Coopzeitung: Es gibt für junge Mädchen weniger gefährliche Sportarten als Kunstturnen ...
Giulia Steingruber: Sicher ist es gefährlich. Aber man fängt mit vier Jahren an und wächst Stück für Stück in die Schwierigkeitsstufen hinein. Man lernt quasi von Anfang an, den Körper zu spüren und zu kontrollieren. Wenn man etwas Neues übt, beginnt man immer erst einmal auf weichen Matten. Der Trainer sagt uns, wann wir ohne weiche Matten probieren können. 

Würden Sie Ihrem Kind diese Sportart empfehlen?
Ja, warum nicht? Das ist ein tolles Erlebnis. Man kann in der Welt herumreisen, wenn man auf einem hohen Niveau ist. Ich finde, es ist ein beeindruckender Sport.

Was ist Ihr Lieblingsgerät?
Sprung, Schwebebalken mag ich am wenigsten.

Wie lange üben Sie an einem neuen, schwierigen Teil wie dem WM-Sprung «Tschussovitina»?
Das kann Monate gehen, bis man ein neues Teil wirklich beherrscht. Diesen Sprung habe ich aber schnell gelernt, also in drei Monaten etwa, weil mir das Gerät liegt.

Was ist die grössere Herausforderung für Sie, die Beherrschung einer neuen Technik oder der Umgang mit Verletzungen?
Die Verletzungen! Wenn man monatelang, manchmal jahrelang auf etwas hingearbeitet hat und dann wegen einer Verletzung nicht an einem wichtigen Wettkampf teilnehmen kann, ist das wirklich hart.

Welche Verletzung war für Sie die schlimmste?
Die Fussoperation im September 2008. Da hatte ich zuerst sechs Wochen lang einen Gips, kam im April 09 wieder zurück ins Training, konnte aber für weitere vier Wochen noch nicht voll trainieren.

Wie ging es danach weiter?
Ich war danach einfach auch konditionell nicht auf der Höhe und konnte dann nicht zur Weltmeisterschaft nach London und war sehr enttäuscht. Mein Trainer ist mir auch in diesen Momenten eine Stütze.

Wie ist Ihr Verhältnis zum Trainer: freundschaftlich? Väterlich?
Weder noch. Mein Trainer Zoltan Jordanov ist nur in der Halle für uns zuständig, ausserhalb der Turnhalle ­haben wir nicht viel mit ihm zu tun. Ich habe vier verschiedene Trainerinnen und Trainer mit unterschiedlichen Aufgaben, zum Beispiel ist die Frau von Zoltan, Sznezsana Jordanov, vor allem für den Schwebebalken zuständig, Fabien Martin für den Stufenbarren.

Gibts nie Lämpe?
Doch, klar. Manchmal ist man ja nicht topmotiviert und gibt einfach nicht so viel, wie man könnte. Dann gibt es auch mal Meinungsverschiedenheiten, aber das ist ja normal.

Wann haben Sie Motivationslöcher?
Manchmal hängt meine Motivation vor dem Training etwas durch und ich muss mir einen Tritt geben. Aber sobald ich in der Turnhalle stehe, ist der Moment auch schon wieder vorbei. Mein Trainer hilft mir in diesen Momenten.

Sind Sie nie neidisch auf Ihre Alterskolleginnen, die mehr Freizeit haben?
Doch, im Sommer am Mittwochnachmittag, wenn sich alle in der Badi treffen (lacht). Aber ich bekomme auch etwas für meine Arbeit, was die anderen nicht haben.

Nämlich?
Die Teilnahme an internationalen Wettkämpfen, wie gerade die WM in Japan, ist das Grösste für mich.

Was ist genau der Kick dabei?
Ja – einfach alles! Die Aufregung, die Stimmung, das Publikum, der Wettkampf.

Es ist ja auch immer viel Leistungsdruck im Spiel.
Es gibt immer ein bisschen Leistungsdruck, aber nicht zu viel. Man sollte nie zu stark unter Druck stehen, in solchen Momenten kann der Trainer viel Druck nehmen. Erst wenn es auf einen Wettkampf zugeht, fordert er den vollen Einsatz.

Wie schlafen Sie vor einer Weltmeisterschaft?
Unterschiedlich. Die Nacht vor der WM-Qualifikation habe ich nicht gut geschlafen, aber die Nacht vor dem Finale gut.

Sie sind körperlich auf dem Weg zur Frau. Da spielen ja die Hormone, der Monatszyklus, eventuell die Pille eine grosse Rolle. Wie gehen Sie damit um?
Der Zyklus ist eine Tatsache, mit der wir leben müssen. Wenn wir während der Menstruation einen Wettkampf haben, dann ist das einfach so. Wir dürfen auch die Pille nehmen, wenn wir nicht zu stark zunehmen.

Haben Sie einen Freund?
Ja.

Seit wann?
Seit dem 6.6.2011.

Und gibt es für die Freizeit Reglements, an die Sie sich halten müssen?
Unser Pensum ist natürlich die ganze Woche über gross. Für die körperliche Erholung bleibt für uns dann immer nur das Wochenende. Deswegen sollen wir um 21.30 Uhr daheim sein.

Ihre nächsten turnerischen Höhepunkte?
Ich möchte mich für die Olympischen Sommerspiele 2012 in London qualifizieren und freue mich auf den Swiss Cup am 6. November.

Giulia Steingruber

Giulia Steingruber (1994) trainiert 25 bis 30 Stunden in der Woche im Nationalen Leistungszentrum des STV in Magglingen. Mit ihrem 5. Platz für den Sprung «Tschussovitina» an den Weltmeisterschaften in Japan in diesem Jahr, machte die junge Schweizerin die Kunstturnwelt endgültig auf sich aufmerksam.

20 Prozent Rabatt auf Tickets des Swiss Cup 2011

Auf die Tickets für den Swiss Cup 2011 vom 6. November, ab 12.30 Uhr im Hallenstadion Zürich, gibt es mit der Supercard 20 Prozent Rabatt auf die Kategorien «Gold» und «Silver». Die Tickets können in allen Coop-City-Filialen, an allen Ticketcorner-Vorverkaufsstellen ­unter der Nummer 0900 800 800 (Fr. 1.1.9/Min.) oder über die Website von Swiss Cup bezogen werden. Unbedingt Stichwort «Supercard» angeben!

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Bettina Ullmann

Redaktorin

Foto:
Joel Schweizer
Veröffentlicht:
Dienstag 01.11.2011, 15:06 Uhr

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