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Kurt Schaad: «Wir machten quasi Barfuss-Fernsehen»

Persönlich. Kurt Schaad, der Reisespezialist und TV-Mann, nimmt uns mit auf seine letzte grosse Reise fürs Schweizer Fernsehen: nach Afrika.

Coopzeitung: Sie reisten fürs Schweizer Fernsehen von Kairo nach Kapstadt. Wozu das?
Kurt Schaad: In Südafrika findet im Juni die erste Fussballweltmeisterschaft auf dem Schwarzen Kontinent statt. Dadurch gerät ganz Afrika in den Fokus der Aufmerksamkeit. Unsere Reise ist eine Annäherung an den Kontinent. Nicht Fussball steht im Zentrum, es geht um Begegnungen mit Menschen und Landschaften.

Was war der Höhepunkt?
Es gab keinen eigentlichen Höhepunkt. Länder oder Landesteile, die man bei uns nicht so kennt, waren besonders interessant. Wer kennt schon den Nordsudan oder Malawi? Äthiopien ist speziell, da es nie kolonialisiert war, der Kongo ist chaotisch. Jedes Land war anders, jedes spannend. Überall gab es interessante Begegnungen.

War es beschwerlich, so in Afrika herumzureisen?
Wir machten «Barfuss-Fernsehen» mit minimalem technischen Aufwand. Bei früheren Reisesendungen war das Team grösser, und meine Aufgabe war das Moderieren. Hier waren wir nur zu viert, was uns zwar sehr beweglich machte, aber es war auch sehr anstrengend.

Was ist der Unterschied zwischen einer privaten Reise und einer fürs Fernsehen?
Die privaten Reisen mit meiner Partnerin sind erholsam. Diejenigen fürs Fernsehen sind Arbeit, eine schöne Arbeit, aber Knochenarbeit. Oft reise ich privat nach einer Sendung nochmals ins Land, um in Ruhe Leute zu treffen und ohne Stress zu reisen.

Wohin würde Ihre private Afrikareise führen?
Vielleicht nochmals mit dem Schiff auf den Malawisee oder mit dem Töff durch Südafrika.

Was ist Ihr liebstes Land?
Immer dasjenige, das ich gerade bereise. Japan, China, Osteuropa, Kanada, die USA, Australien oder Neuseeland habe ich oft besucht. In Europa sind es Spanien, Italien und Skandinavien, die mir speziell gut gefallen.

Sie sind seit fast 40 Jahren beim Schweizer Fernsehen und haben einen Traumjob. Wie schafft man es, das Reisen zum Beruf zu machen?
Das müssen Sie meine Kunden, die Fernsehzuschauer, fragen. Sie gucken sich die Sendungen nur an, wenn ich ihnen etwas bieten kann. Gute Einschaltquoten sind immer die Bedingung für ein nächstes Projekt.

Wollen Sie Leute zum Reisen bringen? Oder geht es darum, den Menschen, die nicht reisen können, die Welt ins Wohnzimmer zu bringen?
Jede Sendung hat auch eine gewisse Werbewirkung. Die Zuschauerreaktionen zeigen aber: Die Welt ins Wohnzimmer zu bringen ist ganz wichtig.

Wohin führte die erste Reisesendung?
In die Ukraine, 1992 herrschte dort eine enorme Aufbruchstimmung. Wir produzierten zehn Live-Sendungen, für die wir den Telepreis erhielten.

Legendär ist Ihre Reisesendung über die Zugfahrt im Orientexpress von Moskau nach Peking.
Das war 1993. Nun war ich letztes Jahr wieder dort und natürlich hat sich viel geändert. Das ist auch spannend am Reisen, dass man die Entwicklung von Ländern mitverfolgen kann.

Was hat Sie in Ihrer Laufbahn am meisten geprägt?
Die Vorabendsendung «Karussell». Wir waren ein Team, das praktisch freie Hand hatte und das Fernsehen neu erfand. Moderator wurde ich, weil das Team fand, ich solle das machen. Wir waren echt innovativ, vielleicht weil uns niemand von oben reinredete. Die Sendung kam beim Publikum extrem gut an. Es erstaunt mich immer wieder, wie viele Leute sich heute noch an sie erinnern.

Sind Sie glücklich?
Es gab und es gibt hoffentlich auch in Zukunft immer wieder Glücksmomente. Sie sind das Salz in der Lebenssuppe. Ich bin sehr zufrieden, dass ich mit dieser Afrikareise meine Fernseharbeit nach 37 Jahren abschliessen und loslassen kann. Ich begebe mich selber aktiv vorzeitig in Pension.

Und dann?
Es gibt ein paar Projekte, aber die sind noch nicht spruchreif. Daneben steht Zeit fürs Fliegen, fürs Golfspielen oder für die eine oder andere Reise auf dem Plan.

Welches war als Kind Ihr Berufswunsch?
Zuerst wollte ich Lokiführer werden. Dann Fahrer der Wagen, welche die Koffer vom Flughafengebäude zum Flugzeug transportieren. Das Thema Reisen war also früh präsent!

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Eva Nydegger

Redaktorin der Coopzeitung

Veröffentlicht:
Dienstag 27.04.2010, 00:00 Uhr

Steckbrief

Kurt Schaad

Geburtsdatum: 20. November 1950 
Wohnsituation: Lebt mit seiner Partnerin und deren Tochter in Zürich 
Ausbildung: Primarlehrerdiplom, 1972–1974 Volontariat in der Unterhaltungsabteilung des Schweizer Fernsehens Berufliches: Der Reisejournalist war bei der Sendung «Karussell» und bei der Tagesschau von SF 1 auch Produzent und Moderator, dann Redaktionsleiter für «SF Spezial». Zuletzt Aufbau und Leitung des Wirtschaftsmagazins Eco, das eben den Fernsehpreis von Tele und TV-Star erhielt. 
Hobbys: Ski und Töff fahren, fliegen, tauchen, Golf, Kino, lesen 




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