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Stress: «Hört den Herzschlag der Natur»

Persönlich. Hip-Hop-Star Stress (32) über den Song, den er für den neuen Coop-TV-Spot zum Thema Biodiversität geschrieben hat.

Coopzeitung: Wann haben Sie zuletzt den Herzschlag der Natur gehört, von dem Sie in Ihrem neuen Lied singen?
Stress: Als wir beim Videoclipdreh in Australien bei den «12 Aposteln» ankamen und ein Sturm die Wellen gegen diese bizarren Kalkfelsen vor der Küste peitschte. Oder als ich später in der Wüste durch einen Salzsee waten musste. Da staunte ich, wie viele Insekten ich mit meinen Schritten aufscheuchte. Das passte perfekt zur Idee des Songs, dass es in der Natur selbst dort Leben gibt, wo wir sie für tot halten. Ihr Kreislauf wäre perfekt, wenn wir ihn nicht stören würden.

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Wie kürzlich beim Tankerunfall am Great Barrier Reef?
Ein typisches Beispiel. Bei uns macht er ein paar Tage Schlagzeilen, aber die Natur wird zehn Jahre brauchen, um die Schäden zu reparieren. Der Rhythmus unserer Konsumgesellschaft ist so hoch, dass sich der Herzschlag der Natur in einem gefährlichen Mass erhöht. Wenn wir wirklich die intelligentesten Lebewesen auf dem Planeten sind, müssen wir Verantwortung übernehmen und versuchen, den Puls wieder herunterzubringen.

Und dieser Puls ist nun Thema Ihres neuen Songs?
Ja, als Coop mich angefragt hat, ob ich ein Lied über Biodiversität schreiben könnte, habe ich nach einem Symbol für diese komplexe Thematik gesucht. Nach zwei Monaten Recherche kam ich darauf, dass alles Leben - ob Mensch, Tier oder Pflanze - einen Herzschlag oder einen Rhythmus hat. 

Wie haben Sie das musikalisch umgesetzt?
Ich habe verschiedene Trommeln verwendet, das Sample eines Herzschlags, Geräu-sche des Waldes und zum Schluss klassische Streicher.

Hat sich Ihr Umweltbewusstsein geändert, seit Sie für die Erziehung von Melanie Winigers achtjährigen Sohn mitverantwortlich sind?
Ich denke, dass es geschärft wurde. Wenn ich Noël gewisse Dinge erkläre, wird mir selbst manches klarer. Auch die Reisen haben meine Sensibilität erhöht.

Vermissen Sie Tiere oder Pflanzen, die es in Ihrer Jugend noch gab?
Als Kind ist man noch sehr auf sich selbst fixiert und macht sich über die Umwelt keine grossen Gedanken. Da ist eine Tomate einfach eine Tomate. Heute gibt es mir zu denken, dass von einst über 5000 Kartoffelsorten nur 33 übrig sind und in der Schweiz höchstens fünf noch kommerziell angebaut werden. So wie ein kluger Banker nicht nur auf eine Aktie setzt, dürfen wir die über Jahrtausende von der Natur entwickelte Artenvielfalt nicht aufs Spiel setzen.

Wie haben Sie Noël verständlich gemacht, weshalb wir die Biodiversität bewahren sollten?
Ich habe ihm erklärt, dass es an jedem Ort unterschiedliche Pflanzen und Tiere gibt, sogar Mikroorganismen, die man gar nicht sieht. Seit ich Noël gesagt habe, dass für die WC-Papier-Herstellung Bäume gefällt werden müssen, hat er seinen Verbrauch deutlich eingeschränkt. Man kann gerade bei Kindern einiges bewirken.

Und wo schränken Sie sich ein?
Wir sortieren den Müll, haben ein Haus gekauft, das mit einer Erdsonde beheizt wird, und Melanie hat ihren Geländewagen gegen ein verbrauchsgünstiges Auto eingetauscht. Es gibt aber auch kleine Dinge, die wir beachten. Vor zwei Monaten lagen in einem Laden toll aussehende Mangos, die mich an unsere Ferien erinnerten. Aber meine Frau sagte, dass wir sie nicht kaufen sollten, momentan sei nicht Saison.

Sie haben schon einmal ein Lied für eine Coop-Umweltkampagne gemacht. Welche Reaktionen haben Sie auf «On a qu'une terre» erlebt?
Die meisten Rückmeldungen waren sehr positiv. Wahrscheinlich, weil es nicht mehr genug Musik mit einer Botschaft gibt. Dabei sollte man die Omnipräsenz der Musik in der heutigen Welt nutzen, um sich für etwas Gescheites zu engagieren!

Was erwarten Sie von Coop?
Was ich an der Firma mag, ist die Einstellung, dass man nicht perfekt ist, aber sich laufend zu verbessern versucht. Für mich war Coop immer relevant, weil sie ein Pionier ist in Sachen Bio und Umweltschutz.

Was tun Sie sonst noch, um zu helfen, dass der letzte Dominostein - wie im Videoclip - nicht fällt?
Wir haben viele Anfragen von Schulen. Leider kann ich sie nicht alle besuchen. Wir versuchen jedoch, aus dem Material, das wir zusätzlich zum Videoclip drehten, eine coole Reportage zu schneiden, welche die Jugendlichen an-spricht, und sie mit weiteren Infos möglichst vielen Interessierten zugänglich zu machen.

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Reinhold Hönle

Autor

Foto:
Cosmo Entertainment
Veröffentlicht:
Dienstag 04.05.2010, 00:00 Uhr

Steckbrief

Stress

Name: Andres Andrekson
Beruf: Rapper, Musiker und Schauspieler
Geburtsdatum: 25. Juli 1978 in Estland
Zivilstand: verheiratet mit Melanie Winiger
Wohnorte: Zürich und Lausanne
Ausbildung: Wirtschaftsstudium in Lausanne
Laufbahn: fünf CDs mit der Hip-Hop-Formation Double Pact (1995-2006), vier Solo-Alben: «Billy Bear» (2003), «25.07.03» (2005), «Renaissance» (2007), «Des rois, des pions et des fous» (2009)
Auszeichnungen: drei Swiss Music Awards 2008 unter anderem für «On a qu'une terre» und zwei weitere 2010 Filme: «Breakout» (2007), «Verso» (2009)
Link: Hompepage von Stress




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