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Musik ist sein Ein und Alles

Persönlich. 18 Jahre jung, voll Esprit und Ambitionen. Das Klaviertalent Teo Gheorghiu möchte auf den grössten Bühnen der Welt spielen. Das Zeug dazu hat er.

Coopzeitung: Welche sind Ihre Lieblingskomponisten?
Teo Gheorghiu: Bach, Mozart, Chopin, Debussy, Beethoven, Rachmaninov …

Und Schubert?
Oh ja, natürlich! Den habe ich vergessen, aber ich habe ihn bis jetzt noch nie gespielt. Es tut mir so leid, aber ich bin noch sehr jung.

Gibt es eine Rangfolge?
Jeder hat andere Qualitäten. Bach ist mein Lieblingskomponist. Er ist Perfektion mit musikalischer Regung, aber auch emotional. Seine Musik ist sehr von der Religion geprägt. Das heisst aber nicht, dass ich religiös bin. Beethovens Werke sind umso besser, je älter sie sind. Man spürt seine Verzweiflung aufgrund seiner zunehmenden Taubheit. Mozart ist schwieriger zu spielen, als man denkt. Pianist Artur Schnabel hat es einmal sehr treffend gesagt: Mozart ist zu einfach für Kinder und zu schwierig für Erwachsene. Mozart kann man nicht emotional überbordend spielen.

Ist der emotionale Aspekt der Musik wichtig für Sie?
Musik muss mich bewegen, dies ist die einzigartige Eigenschaft von Musik. Hauptsächlich da (legt seine Hand auf sein Herz). Bei vielen modernen Komponisten ist das nicht der Fall, obwohl ich sie interessant finde. Wir Musiker sind ein Medium, wir haben die Aufgabe, die Absicht des Komponisten in jeder Hinsicht wiederzugeben.

Worin sehen Sie Ihre besonderen Stärken als Pianist?
Das müssen Sie oder das Publikum beurteilen. Ich versuche einfach mein Bestes. Wenn ein Musiker denkt, er hat es geschafft, ist er oder sie verloren.

Dann bleibt immer ein Rest, der nicht befriedigt ist?
Man kann nie denken, dass man ein Stück gemeistert hat.

Eine musikalische Interpretation hat auch viel mit emotionaler Reife zu tun.
Das auch, ja. Es ist emotionale und geistige Reife. Man kann das ganze Leben lernen und am Ende weiss man immer noch nicht genug. Deswegen ist es eine Suche.

Wie viele Stunden üben Sie am Tag?
Fünf Stunden.

Wie können Sie sich über Stunden so konzentrieren?
Wenn alles im Leben rund läuft, ist das kein Problem. Nur, es läuft ja nie immer alles rund …

Was könnte zum Beispiel mal weniger gut laufen?
Ganz banale Dinge, Ärger in der Schule, mit der Freundin oder irgendetwas.

Sie beginnen in Amerika eine neue Ausbildung. Ihre Freundin wohnt in England, wo Sie gemeinsam ein Internat für hochbegabte Musiker besucht haben. Dann können Sie sich nicht mehr so oft sehen?
Das wird schwieriger. Wir werden es trotzdem versuchen.

Wo möchten Sie irgendwann einmal Ihr Zelt aufschlagen?
Am liebsten, wo es viel Sonne gibt. Obwohl ich mein Zuhause in Zürich so sehr liebe! Aber auch das Ausland könnte in Frage kommen.

Welche Sprachen sprechen Sie?
Rumänisch, Deutsch, Englisch. Französisch verstehe ich sehr gut.

In der Schweiz kennt man Sie als 12-jähriges Klaviertalent aus dem Film Vitus. Hätten Sie auch mal wieder Lust, einen Film zu machen?
Nein. Ich habe keine Zeit und bin kein Schauspieler. Ich bin Pianist. Ich könnte jetzt nicht mehr schauspielern. Ich war jung und habe nicht darüber nachgedacht, was ich tat.

Ist Pianist der einzige Beruf, den Sie sich vorstellen können?
Der einzige, obwohl meine zweite Leidenschaft dem Fussball gilt.

Achten Sie darauf, dass Sie sich nicht verletzen?
Nein, nicht bewusst. Ich hatte mir einmal die Hand gebrochen. Raten Sie mal, wie?

Beim Fussball spielen?
Nein. Ich bin die Treppe runtergefallen. Ich fahre auch Velo. Ich bin ein ganz normaler Mensch! Was ich gern mache, das mache ich auch. Ich gehe aber kein unnötiges Risiko ein.

Entscheiden Sie das allein oder mit Ihrer Familie?
Das entscheide ich allein.

Sie haben auch einen kleineren Bruder.
Ja, er ist 14 Jahre alt und ein begeisterter Gymi-Schüler.

Hat er auch so ein herausragendes Talent wie Sie?
Ich habe, was er nicht hat. Und er hat, was ich nicht habe. Er ist ganz akademisch begabt und kann sehr viel speichern. Ich nur Musik. Konkurrenzkampf in der Familie ist etwas, was ich überhaupt nicht verstehe.

Freuen Sie sich auf Amerika?
Es wird eine völlig neue Lebenssituation. Ich bekomme einen neuen Lehrer und ich hoffe sehr, dass die Chemie zwischen uns stimmen wird.

Wie feiern Sie Ihren 18. Geburtstag?
Ich fliege nach London. Ich werde sicher mit meiner Freundin und meinem bestem Kollegen feiern, geplant ist noch nichts. Vielleicht gehen wir in einen Jazzclub.

Ihre Freundin ist Flötistin. Spielt die Musik in Ihrer Beziehung eine Rolle?
Ich habe sie schon mal begleitet. Aber sehr viel haben wir noch nicht zusammen gemacht. Jetzt ist sie gerade mit dem National Youth Orchestra fort gewesen. Ich bin stolz auf sie und sie ist stolz auf mich.

Mit wem würden Sie mal am liebsten zusammen spielen?
Allein. Auf den grössten und renommiertesten Bühnen der Welt.

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Bettina Ullmann

Redaktorin

Foto:
Christian Lanz
Veröffentlicht:
Dienstag 17.08.2010, 00:00 Uhr

Beruf: Pianist
Geboren: 12. August 1992
Lebenslauf: Seit seinem 5. Lebensjahr spielt Teo Gheorghiu Klavier. 2006 spielte er das 12-jährige Wunderkind in dem Film Vitus (2006) von Fredi M. Murer (Foto links, mit Bruno Ganz). Von 2001–2010 besuchte er die Purcell School in London, ein Internat für musikalisch Hochbegabte. Die Schule hat er in diesem Sommer mit der Internationalen Matura abgeschlossen. Im letzten Jahr erschien seine erste CD mit Konzerten von Schumann und Beethoven. Jetzt wird er an dem renommierten Curtis Institute in Philadelphia (USA) sein Musikstudium fortsetzen.
Nächster Auftritt in der Schweiz: 3. Oktober 2010, 19.30 Uhr, Tonhalle Zürich (wichtig: siehe unter «Veranstalter» Festival Classics!).

 



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