1 von 2



«Ich entdecke die Welt neu»

Persönlich. Die 15-fache OL-Weltmeisterin Simone Niggli-Luder über Erwartungen der Öffentlichkeit, ihr Engagement für den Bio-Landbau und über literarische Vorlieben.

Coopzeitung: Getschuttet hat schon jeder irgendwann, orientierunggelaufen ist man eher weniger. Können Sie ihre Faszination für diesen Sport kurz erklären?

Simone Niggli-Luder: Für mich ist der Orientierungslauf das optimale Zusammenspiel von körperlicher und geistiger Leistung: Begreife ich die Karte nicht sofort, kann ich nicht rennen. Doch kann ich nicht schnell rennen, nützt auch alles Kartenlesen nix.

Sie sind eine Spitzenathletin und hätten wohl auch in anderen Sportarten grossen Erfolg gehabt. Top-Skifahrerinnen oder –Leichtathletinnen etwa können reich werden. Sind Sie nie eifersüchtig?
Eifersüchtig nicht. Aber natürlich sehe ich auch, dass man in telegeneren Sportarten sehr, sehr viel Geld verdienen kann. Doch ich renne ja nicht wegen des Geldes, sondern aus Freude. Ausserdem kann ich dank meinen Sponsoren seit einiger Zeit von meinem Beruf leben.

Stichwort Leben: Sie sind seit über zehn Jahren als Spitzensportlerin unterwegs. Überkommt Sie manchmal das Gefühl, etwas verpasst zu haben?
Nein, überhaupt nicht. Ich muss sicher disziplinierter leben als jemand, der nicht Spitzensport betreibt, und ich schlug in meiner Jugend vielleicht weniger über die Stränge. Dafür bin ich viel auf Reisen, lerne fremde Menschen kennen und ich mache Erfahrungen, die mir als Nicht-Spitzensportlerin versagt geblieben wären.

Aber es gibt eine Simone Niggli-Luder jenseits von Sport?
Klar. Ich habe die vielfältigsten Interessen, welche leider etwas zu kurz kommen. Aber wenn ich mich im Familien- und Freundeskreis umsehe, dann geht das heutzutage offenbar nicht nur Spitzensportlern so. Wofür ich mir immer mal wieder Zeit nehme, ist das Kino.

Welche Bücher liegen auf Ihrem Nachttisch?
Nordische Krimis – und nicht nur auf dem Nachttisch. Die Stieg-Larsson-Trilogie habe ich verschlungen. Und gerade habe ich den letzten Roman von Henning Mankells Wallander-Reihe zur Seite gelegt. Eigentlich schade …

Düstere und oft auch politische Nordland-Krimis sind derzeit sehr im Trend: Gibt es noch Geheimtipps?
Ja, die Bücher von Lisa Marklund und Leena Lehtolainen.

Sie sind nicht nur literarisch mit Nordeuropa stark verbunden, sie leben ja einen Teil des Jahres in Schweden. Warum?
Mein Mann und ich haben die Liebe zu Schweden an der dortigen WM 2003 entdeckt. Die Trainingsbedingungen in den riesigen Wäldern sind ideal und so hat es sich ergeben, dass Schwedenüber die Jahre zu unserer zweiten Heimat geworden ist.

Wie unterscheiden sich Schweden von Schweizern?
Es gibt vor allem grosse Ähnlichkeiten: seriös, gründlich, gewissenhaft und nicht gerade impulsiv.

Sie sind Mutter der zweijährigen Malin. Hat sich Ihre Sicht der Dinge durch das Muttersein verändert?
Mein ganzes Leben hat sich verändert. Einmal ganz abgesehen von der Verantwortung, ist das Grösste wohl die Freude am Einfachen, am Kleinen: Wenn ich sehe, wie Malin von Gräsern, Schneckenhäusern oder einem Kie-sel fasziniert ist, entdecke ich selber die Welt wieder neu.

Dürfen Sie eigentlich essen und trinken, was Sie wollen?
Im Grossen und Ganzen schon. Ich trinke bei Gelegenheit auch gerne mal ein Glas Wein. Aber ich esse wenig Fleisch, dafür vor allem vor Wettkämpfen viele Kohlenhydrate. Bei meinen Einkäufen schaue ich auf die Regionalität der Produkte, und seit Malin auf der Welt ist noch vermehrt auf das Bio-Knospe-Label als früher schon.

Bio-Produkte kaufen viele. Sie engagieren sich aber neben sozialen und ökologischen Organisationen auch für den Bio-Saatgut-Züchter Sativa. Warum?
Mir liegt eine intakte Umwelt gerade auch wegen Malin am Herzen. Dazu gehört auch gesunde Nahrung. Daher mein Einstehen für Sativa. Es ist eminent wichtig, dass der Bio-Landbau weitere Fortschritte macht. Dazu braucht es auch angepasstes Saatgut.

Seit vorgestern sind die OL-Weltmeisterschaften im Gange und Sie werden einmal mehr als Favoritin gehandelt. Wie gehen Sie mit dem Druck um?
Druck auszuhalten ist kein Problem – das gehört dazu. Was mir manchmal zu denken gibt, ist die Selbstverständlichkeit, mit der Siegehingenommen werden. Wenn etwa Roger Federer nicht gewinnt, grenzt das schon fast an Landesverrat. Dabei übersieht man den riesigen Trainingsaufwand und die Leistung, die nicht nur von Roger, sondern auch vom Dritten oder der Fünfzehnten eines Wettkampfs erbracht werden.

Sie haben mehrfach alles gewonnen, was man im Orientierungslauf gewinnen kann. Was treibt sie noch an?
Ich mag die Stimmung vor und während der Wettkämpfe, diese Spannung und die Erregung. Und ich bringe gerne Leistung.

Sie sind seit 12 Jahren im Spitzensport aktiv. Machen Sie sich manchmal Gedanken über die Zeit danach?
Ja, allerdings noch nicht konkret. Ich kann mir aber etwas im Trainingsbereich vorstellen und mein gelernter Beruf Biologin fasziniert mich nach wie vor.

Kommentare (0)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.





Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld:

$springMacroRequestContext.getMessage($code, $text)






Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.

Foto:
Peter Mosimann
Veröffentlicht:
Dienstag 10.08.2010, 08:00 Uhr

Steckbrief
Simone Niggli-Luder

Beruf: Biologin
Geburtsdatum: 9. Januar 1978
Zivilstand: verheiratet mit Matthias, gemeinsame Tochter Malin
Wichtigste sportliche Erfolge: 15-fache OL-Weltmeisterin, 6-fache Weltcupgesamtsiegerin, 7-fache Europameisterin, 14-fache Schweizer OL-Meisterin, Weltranglisten Nr. 1, Schweizer Sportlerin des Jahres 2003, 2005 und 2007 Engagement: unter anderem für Sativa (www.sativa.ch)
Aktuell: WM in Trondheim (N) vom 6.–16. August

Link: Homepage von Simone Niggli-Luder

 



Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?