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Dani Sparn: «Diese Musik tut meinem Herz gut»


Persönlich. Dani Sparn (23) tritt mit seinem 14-köpfigen Gala-Orchester in die Fussstapfen von Max Greger, Hugo Strasser und Co. Jetzt ist seine CD mit Tanzmusik im Handel.

Coopzeitung: Sie sind erst 23 Jahre alt und führen ein Orchester mit 14 Profimusikern. Sie müssen recht selbstbewusst sein.
Dani Sparn: Ja, schon. Klar, am Anfang war ich noch etwas schüchtern, vor allem, weil alle in der Band so um die 40 sind, also deutlich älter als ich.

Und Sie werden von den Musikern akzeptiert?
Ja, ja, da staunte ich am Anfang selber. Aber sie haben sehr schnell gemerkt, dass unsere Arrangements ein recht hohes musikalisches Niveau aufweisen, dass das nicht einfach 08/15-Nummern sind.

In Ihrem Alter spielt man als Trompeter doch eher in einer Combo.
Das machte ich auch, in einem Jazz-Sextett. Da spielten wir mal in Basel bei einer Matinee. Um 12 ging die Tür auf und Pepe Lienhard kam herein. Er sagte, er habe gehört, dass es da einen jungen Trompeter gebe, den wolle er sich anhören. Da wurde ich so nervös, dass ich wie blöd zu zittern begann. Aber Pepe hats offenbar gefallen. Er lud mich ein und gab mir ein paar Tipps. Das war für mich natürlich sehr wertvoll.

Was für Tipps?
Unter anderem riet er mir, das Sextett zu einem richtigen Tanzorchester auszubauen.

Und diesem Rat folgten Sie blindlings?
Ich wusste ja selber noch nicht, wohin ich musikalisch wollte. Aber Pepe hatte natürlich recht: Richtige Gala-Orchester, die auf Bällen und bei ähnlichen Anlässen spielen, gibt es kaum mehr.

Also stampften Sie – mir nichts, dir nichts – eines aus dem Boden.
So einfach wars natürlich nicht. Ich hatte ja keine Ahnung. Aber ich besuchte zu jener Zeit die Jazzschule in Basel und suchte mir Musiker aus meinem Umfeld zusammen. Zudem hatte ich das Glück, eine Stiftung zu finden, die meine Bemühungen unterstützte. Sehr rasch gingen wir dann auch einen Tag ins Studio und spielten eine CD ein.

Wie viele Exemplare verkauften Sie?
Wir produzierten 25 000 Stück und legten sie dem Magazin des Vereins für Blindenhunde bei, mit der Bitte, etwas für den Verein zu spenden. So wurden wir recht bekannt und konnten gleichzeitig etwas Gutes tun.

Und wie war der Erfolg?
Es wurde sehr rege gespendet, wir waren alle positiv überrascht. Und für mich persönlich besonders wichtig: Auf diesem Weg lernte ich Ambros Seelos kennen; er kam zur CD-Premiere und spielte mit uns ein paar Stücke. Das öffnete mir viele Türen. Ambros Seelos gehört mit Hugo Strasser und Max Greger zu den deutschen Swing-Legenden. Ich rutschte in die deutsche Szene, beschloss, in Hamburg die Jazzschule zu besuchen, und 2007 machten wir mit der Band sogar eine Tournee mit den drei Herren. Das war für mich eine grosse Ehre ...

… und der Startschuss zu weiteren grossen Taten.
Nicht direkt. Nach der Tournee stellte sich mir die Frage, wohin ich musikalisch wollte. Ich lernte in Hamburg auch einen Produzenten kennen. Wir hatten die Idee, ein Pop-Projekt mit Orchester zu realisieren und machten auch Studio-Aufnahmen. Doch das wars nicht. Dann kam mir wieder der Zufall zuhilfe.

Inwiefern?
Hugo Strasser kam auf mich zu und sagte, er wolle als
Orchester des Deutschen Allgemeinen Tanzlehrer-Verbandes aufhören, ob ich Interesse hätte.

Und Sie hatten.
Ja. Ich traf mich mit Markus Schöffel, dem Trend Scout des Verbandes. Er empfiehlt den Tanzschulen die Musik für den Unterricht. Und er war begeistert von der Idee, ein Orchester auf die Beine zu stellen, das sowohl live bei Tanzveranstaltungen spielen kann als auch wieder mal eine CD mit Musik zum Tanzen einspielt.

Wo liegt denn für das
Orchester der Unterschied zwischen live und CD?
Ganz einfach: Für die CD brauchts 19 Stücke, für einen Tanzball 70 bis 80.
Und jetzt sind Sie also das offizielle Orchester des Tanzlehrer-Verbands.
Wir haben eine Option für fünf Jahre, ja. Und wir durften die CD beim Internationalen Tanzlehrer-Kongress in Bochum vorstellen. Allein daraus resultierten gegen 30 Anfragen für Engagements. Im November und Dezember sind wir jedenfalls schon voll ausgebucht.

Ist diese Art von Musik nun das, was Sie immer schon machen wollten?
Ja, es ist die Art von Musik, die meinem Herz gut tut. Und auch das Umfeld gefällt mir. Das Ganze hat Stil. Man spielt im Anzug und benimmt sich auf der Bühne nicht daneben, wie dies bei vielen sogenannten Stars in anderen Branchen leider allzu oft der Fall ist.

Und auf dieser Schiene fahren Sie nun weiter?
Ich weiss nicht, ob sie auch zum Erfolg führt. Aber ich gebe mir jetzt zwei, drei Jahre Zeit, um zu schauen, ob ich davon auch leben kann. Sollte dies nicht möglich sein, schaue ich weiter.

Was sind die Alternativen?
Verschiedenes. Ich könnte mein Studium wieder aufnehmen, das ich für dieses Projekt zurückgestellt habe, oder ich könnte mir sogar eine Rückkehr in meinen angestammten Beruf als Offsetdrucker vorstellen.

Sie haben einen musikalischen Wunsch frei, ohne auf die Kosten zu achten. Was würden Sie machen?
Das Grösste für mich wäre ein Konzert mit meinem Orchester und den Idolen aus meiner Kindheit: James Last, Pepe Lienhard, Hugo Strasser, Ambros Seelos, Max Greger.

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Martin Zimmerli

Redaktor

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Dienstag 18.05.2010, 00:00 Uhr

Steckbrief

Dani Sparn

Geburtsdatum: 6. September 1986
Wohnort: Magden AG
Ausbildung: Lehre als Offsetdrucker, parallel dazu Ausbildung an der Jazzschule in Basel und Workshops am Lenk-Jazzfestival und in Montreux.
Lieblingsmusik: Jede Musik mit coolen Bläsersätzen, querbeet durch die Musikstile. Modern Jazz, Miles Davis, Chet Baker. Auch klassische Musik mit Sinfonieorchester: «Es ist imposant, welchen Sound ein Orchester in einen grossen Konzertsaal zaubern kann.» Konzerte aktueller Bands und Sänger, Funk.
Aktuell: Am 14. Mai erschien das Album «Dance with me» von Dani Sparn und seinem Orchester.
Link: Hompepage von Dani Sparn




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