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Dani Sparn: «Diese Musik tut meinem Herz gut»


Persönlich. Sänger Michael von der Heide (38) über sein Verhältnis zu Gold, Beziehungsgewitter und das Eurovisions-Lied «Il pleut de l’or».

Coopzeitung: Wann fühlten Sie sich letztmals, als ob es Gold geregnet hätte?
Michael von der Heide: Als ich im Dezember erfuhr, dass ich mit meinem Lied von der nationalen Jury unter 60 Bewerbern als Schweizer Vertreter für Oslo ausgewählt worden bin. Ein Bubentraum war in Erfüllung gegangen.

Welche ist Ihre früheste Jugenderinnerung an den Eurovision Song Contest (ESC)?
Die stammt aus dem Jahr 1980, als Paola die Schweiz mit «Cinéma» vertreten hat. Als ich sie im Fernsehen sah, habe mich unsterblich in ihre Musik und ihre Aus-
strahlung verliebt.

Was reizt Sie heute an diesem Wettbewerb?
Als ich ihn mir 2009 wieder einmal von A bis Z ange-
schaut hatte, fand ich, dass er wieder an Qualität gewonnen hat. So wollte ich meinen alten Plan doch noch umsetzen und ein Lied für einen Künstler schreiben, der noch am Anfang seiner Karriere steht. Alle Freunde meinten jedoch, ich müsste es selbst interpretieren. Ich dachte, ich wäre schon zu alt für den «Concours», und weihte aus Angst vor einer Blamage nur zwei Menschen in die Bewerbung ein.

Haben Sie sich hingesetzt und für den ESC einen Song massgeschneidert?
Nein, eine leichte und fröhliche Grundidee, die meinen Vorstellungen entsprach, existierte bereits. Mit Gitarrist Pele Loriano komponierte ich dann diese Disco-Pop-Nummer mit dem gewissen Retro-Chic, die mir vorschwebte. Als ich Koautorin Heike Kosbach das Demo später übers Telefon vorspielte, sagte sie mir, sie hätte das Gefühl, es regne Gold. Da wusste ich: Das mache ich zur Hauptzeile!


Besitzen Sie Gold, und was bedeutet es Ihnen?
Als Kind habe ich von meinen Eltern ein Goldkettchen mit meinem Namen drauf und zur Konfirmation ein Goldvreneli bekommen. Goldschmuck würde ich mir jedoch nie kaufen, er steht mir nicht. Mir gefällt Gold als Symbol für etwas Schönes und Wertvolles. Im Lied steht es natürlich für die Liebe – ganz gross und poetisch.

Wie oft stehen Sie in der Liebe im Regen?
Wie man weiss, bin ich seit 15 Jahren liiert. Da ist die Liebe natürlich nicht jeden Tag gleich. Manchmal gibt es ein Gewitter.

Was empfinden Sie, wenn Sie an Ihre erste ESC-Kandidatur mit «Bye Bye Bar» denken?
Ich singe das Lied nur noch selten. Damals habe ich nicht aus eigenem Antrieb mitgemacht. Ich hatte mit «Jeudi amour» gerade den Durchbruch geschafft und fand, ich wäre nun ein ernst zu nehmender Sänger. Als die ARD dem Schweizer Fernsehen jedoch den Platz in der deutschen Vor ausscheidung anbot, damit wir nach dem Gunvor-Nuller 1999 nicht ganz aussetzen mussten, wollte ich die Plattform nutzen.

Haben Sie nach dem teils politischen ESC-Scheitern von DJ Bobo & Co. gar nichts mehr zu verlieren?
Anders als früher sehe ich heute nur noch die Chancen. Und meine Erfahrungen in den letzten Wochen bestärken mich. Ein irisches Radio hat mein Lied schon auf der Playlist. Zu einem Eurovisions-Event in Amsterdam kamen 250 Journalisten aus ganz Europa – nur keine aus der Schweiz.

Wären Sie für den Fall gerüstet, dass Europa Ihren Song mehr liebt als die Schweiz, wo ihn ausser DRS 3 kaum jemand spielt?
Wegen dem überrraschend zeitaufwendigen ESC-Projekt wird mein neues Album erst in einem halben Jahr fertig. Für den internationalen Markt kann ich jedoch rasch eine Art «Best of» zusammenstellen, falls die Nachfrage entsteht. Ich mache mir aber nichts vor: Weltkarrieren wie diejenige von Abba wurde beim ESC schon lange nicht mehr lanciert.

Wird Ihre Gelassenheit bis zum Auftritt anhalten?
Nachdem ich schon vor dem «Swiss Award» sehr nervös war, vermute ich, dass es mich am Tag des Halbfinales fast «putzen» wird. Aber dann befände ich mich in bester Gesellschaft. Patricia Kaas hat mir erzählt, dass sie im letzten Jahr vor Aufregung fast gestorben wäre.

Werden Sie in Oslo Ihr goldenes Jacket tragen?
Nein, das ist nur für die Song-Premiere im Rahmen des «Swiss Award» gemacht worden, wo ich mich vor all den Ex-Missen bewähren musste! (lacht) Mein Freund, Modedesigner Willi Spiess, hat jetzt ein neues Outfit entworfen, das ich vor dem Halbfinale niemandem zeigen werde. Schliesslich soll das Lied «Il pleut de l’or» im Mittelpunkt stehen!

Und wo werden Sie sich von diesem Nervenkrimi erholen?
Wenn mir Griechenland am meisten Punkte gibt, werde ich die dortige Wirtschaft ankurbeln! (lacht) Noch lieber wäre es mir allerdings, wenn ich keine Zeit für Ferien hätte und der Stress erst richtig losginge …

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Reinhold Hönle

Autor

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Dienstag 25.05.2010, 00:00 Uhr

Steckbrief

Michael von der Heide

Beruf: Sänger, Songschreiber und Schauspieler
Geburtsdatum: 16. Oktober 1971 in ­Amden
Zivilstand: seit 15 Jahren liiert mit Modedesigner Willi Spiess
Wohnort: Zürich
Laufbahn: 1996 Debütalbum «Michael von der Heide», 1998 Durchbruch mit «30º» und der Single «Jeudi amour», 2000 erfolgreichstes Album «Tourist», 2008 achte CD «Freie Sicht». Mehrere Rollen in Inszenierungen von Christoph Marthaler.
Link: Hompepage von Michael von der Heide




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