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Kevin Melliger: «Ich musste nie reiten – ich wollte»

Persönlich. Kevin Melliger (16) gilt als eines der hoffnungsvollsten Reittalente. Mit seinem Vater Willi hat er ein überaus erfolgreiches Vorbild und einen fachkundigen Trainer.

Coopzeitung: Sie sind von morgens bis abends mit Pferden zusammen. Würden Sie trotzdem Pferdefleisch essen?
Kevin Melliger: Ja, klar, aber ich hab es nicht sehr gern. Warum fragen Sie?

Normalerweise sind es Mädchen, die in Ihrem Alter pferdeverrückt sind – die würden sicher kein Pferdefleisch essen.
Ja gut, ich bin ja nicht wie ein Mädchen, das sein Pferd den ganzen Tag streichelt und tut und macht. Klar, ich habe die Pferde auch gern, vor allem diejenigen, die ich selber reite. Mir tut es manchmal auch leid, wenn ein Pferd verkauft wird. Aber ich bin primär Sportler, und wir sind Pferdehändler: Da gehört der Verkauf dazu.

Haben Sie ein Lieblingspferd?
Das beste Verhältnis habe ich zur 18-jährigen Kassablanca. Seit sie fünfjährig ist, steht sie in unserem Stall, schon meine Mutter ist mit ihr geritten. Sie ist das einzige Pferd, das mein Vater nie verkauft hat.

Wie bringen Sie Reiten und Schule unter einen Hut?
Meine neun obligatorischen Schuljahre habe ich hinter mir, nun mache ich ein Zwischenjahr, und nach den Sommerferien beginne ich eine private Sportschule in Bern. Die dauert vier Jahre, und dann habe ich einen KV-Abschluss.

Und da wird auf Ihre sportlichen Ambitionen Rücksicht genommen?
Ja, sehr. Ich habe nur von 8.30 bis 12 Uhr Unterricht, danach kann ich mich dem Reiten widmen. Und ich kann freinehmen, wenn es um den Sport geht; zum Beispiel, wenn ich von Donnerstag bis Sonntag an einem Turnier bin.

Kommt es oft vor, dass Sie für ein Turnier so lange weg sind?
Sagen wirs so: Es wird eher die Ausnahme sein, dass ich die ganze Woche zur Schule gehen werde.

Wenn Sie sich diese Absenzen leisten können, müssen Sie ein sehr guter Schüler sein.
Nein, im Gegenteil. Ich wollte eigentlich nie mehr zurück in die Schule – das ist einfach nicht mein Ding. Aber meine Mutter fand, dass eine Ausbildung nicht schaden könne.

Hat sich das Zwischenjahr sportlich gelohnt?
Reiterlich habe ich mich sicher weiterentwickelt.

Wenn Sie den ganzen Tag frei haben, wie viel reiten Sie?
Das ist unterschiedlich. Ich reite an Concours fünf bis sechs Pferde, und die bewege ich meistens auch jeden Tag. Jedes vielleicht 30 bis 40 Minuten. Aber ich reite auch oft Handelspferde oder mal einen Pensionär. So lerne ich die verschiedenen Pferdetypen kennen.

Und dann stellen Sie Hindernisse auf und reiten Parcours?
Nein, das ist eher selten. Ich bewege die Pferde einfach. Mein Vater schaut mir zu und gibt mir Tipps. Und wenn sie wieder mal perfekt geritten werden müssen, reitet er sie auch selber. Mein Vater ist einer der besten Reiter, der hat eine riesige Erfahrung und versteht das super. Es ist natürlich toll, wenn man einen Vater hat, der alles im Griff hat.

Sie üben also nicht hohe Sprünge oder feilen an der Technik der Pferde, wie dies beispielsweise Leichtathleten tun?
Nein, das können die Pferde schon, und es ist besser, wenn sie ihre Kraft für die Concours am Wochenende sparen.

Hört man den Namen Melliger, denkt jedermann zuerst an Ihren Vater, der zwei Olympia- und 13 Europameisterschaftsmedaillen gewonnen hat. Ist das für Sie nicht mühsam und vielleicht sogar frustrierend?
Nein, für mich hat das nur Vorteile. Erstens für meine Ausbildung und dann öffnet mir der Name auch viele Türen. Ich habe auch kein Problem damit, dass die Ansprüche hoch sind. Ich finde es okay, wenn die Leute hohe Erwartungen an mich haben.

Wie gross ist oder war der Druck von Ihrem Vater, dass Sie auch ein Reiter werden müssen?
Ich glaube, er nimmt das gelassen. Aber er hofft sicher, dass ich auch mal gut werde und trägt seinen Teil dazu bei.

Sie selber hatten nie das Gefühl, Sie müssten diese Richtung einschlagen?
Nein. Wenn es ein Müssen gewesen wäre, hätte ich gar nie damit angefangen. Es war immer ein Wollen.

Rentiert Ihr Hobby?
Heute sicher noch nicht, wenn man alles rechnet: Unterhalt der Pferde, Reisen, Nenngelder. Das kommt hoffentlich später. Aber bei der Teilnahme an Concours geht es ja primär um etwas anderes: um den Pferdehandel. Wenn ein Pferd bei einem Turnier gut springt, kann man es auch besser verkaufen.

Dabei gehören Ihnen Ihre besten Pferde nicht mal.
Nein, die stellen mir meine Sponsoren zur Verfügung.

Wie viel kostet so ein Pferd?
Genau möchte ich Ihnen dies nicht sagen, aber meine Pferde haben einen Handelswert in der Grössenordnung von je 500 000 bis einer Million Franken. Bei absoluten Spitzenpferden könnens auch mal zwei bis drei Millionen Franken sein.

Haben Sie längerfristige Verträge mit Ihren Mäzenen?
Nein, es gibt gar keine Verträge. Wenn der Besitzer das Pferd verkauft, ist es weg. Aber so ein Pferd verkauft sich ja nicht von einem Tag auf den andern.

Wie sehen Sie Ihre Zukunft als Reiter?
Jetzt muss ich vier Jahre diese Schule machen, aber das behindert meine Karriere nicht. Schön wäre, wenn ich mal so viel Erfolg hätte wie mein Vater. Wobei: halb so viel wär auch schon was.

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Martin Zimmerli

Redaktor

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Dienstag 01.06.2010, 00:00 Uhr

Steckbrief

Kevin Melliger

Geburtsdatum: 17. März 1994
Wohnort: Oftringen AG
Ausbildung: 9 Jahre obligatorische Schulzeit an einer Privatschule, beginnt im Sommer eine vierjährige private Sportschule.
Aktuell: Vom 10. bis 13. Juni Start bei der Junioren-Schweizermeisterschaft in Bern auf seinem Pferd «Queeny» (2009: 2. Rang). Die Schweizermeisterschaft ist das vierte und damit letzte Qualifikationsspringen für die Junioren-Europameisterschaft, die vom 20. bis 25. Juli in Jardy (F) stattfindet; Melliger führt die Zwischenrangliste an.
Link: Schweizerischer Verband für Pferdesport




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