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Yolanda Oluoma: «Ich scheue keinen Kampf»




Persönlich. Die Fussballerin Yolanda Oluoma (17) aus Bern-Bethlehem über den Dokumentarfilm «Pizza Bethlehem», ihre nigerianischen Wurzeln und die WM in Südafrika.

Coopzeitung: SF1 strahlt am Sonntag die TV-Fassung des Kinofilms «Pizza Bethlehem» aus. Welche Reaktionen haben Sie auf den Dok-Film über Ihr Multikulti-Fussballteam bekommen?
Yolanda Oluoma:
Wir haben viele Komplimente erhalten, weil wir so natürlich und ehrlich rüberkommen würden. Dabei haben wir uns nicht einmal speziell darum bemüht. Ich bin dann jedoch ein wenig erschrocken, als ich mich auf der grossen Leinwand gesehen habe. Bin das wirklich ich? Den vielen Facebook-Anfragen und Telefonen nach wohl schon … (Lacht.)

Was lieben Sie am Fussball?
Unseren Teamgeist beim FC Bethlehem. Die Mannschaft ist für mich wie eine zweite Familie, in der ich mit gleich-altrigen Kolleginnen über das reden kann, was mich gerade beschäftigt. Fussball ist ein toller Ausgleich zum Büroalltag. Speziell gefällt mir, dass es ein körperbetontes Spiel ist, bei dem ich meine Emotionen herauslassen kann.

Wie kamen Sie auf diesen Sport?
Als ich mit zehn Jahren die Lust am Ballett und Hip-Hop verlor, kam ich durch meinen Vater, der beim FC Bümpliz Verteidiger spielte, auf die Idee, dass Fussball auch etwas für mich sein könnte. Er freute sich riesig, als die älteste seiner drei Töchter auf den Geschmack kam, da all seine vier Frauen zwar sportbegeistert sind, aber sonst – bis heute – keine seine Leidenschaft teilte.

Wie hat Ihr übriges Umfeld reagiert?
Früher waren die «Giele» froh, dass ich mitschuttete, wenn sie noch jemand brauchten, aber je älter sie werden, desto mehr wirst du belächelt, da Fussball als Männersport gilt. Immerhin werde ich nicht als Lesbe verdächtigt. Diesem Klischee entspreche ich nicht.

Sie spielen nun im 3.-Liga-Team des FC Bethlehem. Wo liegen Ihre Stärken?
Technisch bin ich weniger talentiert, aber dafür habe ich eine laute Stimme, mit der ich die Verteidigung gut dirigieren kann. Ich bin schnell, habe eine gute Kondition und scheue mich nicht, im Zweikampf meinen Körper einzusetzen.

Dann sind Sie schuld, dass Ihr Team so berüchtigt ist?
Nein, dieses Image entstand vor meiner Zeit! (Lacht.) Es ging schon damals nicht um brutale Foulspiele. Wir Frauen treten weniger, da wird mehr hintenherum gegiftelt. Man provoziert die Gegnerin, in dem man verbal sensible Zonen wie ihre Figur oder Familie attackiert.

Wie viele Karten haben Sie in dieser Saison schon kassiert?
Keine, das ganze Team bekam nur eine einzige Verwarnung, und zwar, weil eine Spielerin den Nasenstecker herauszunehmen vergessen hatte und ihre Gegenspielerin sofort zum Schiedsrichter rannte und sie an-schwärzte.

Wem werden Sie bei der Fussball-WM in Südafrika die Daumen drücken?
Da mein Vater aus Nigeria stammt und meine Mutter Schweizerin ist, bin ich immer etwas hin und her gerissen. In den Gruppenspielen gegen Spanien, Chile und Honduras werde ich sicher unserer Nati helfen; falls sie später auf eine afrikanische Mannschaft treffen sollte, würde mein Herz jedoch vermutlich eher für diese schlagen, weil mir ihr Temperament näherliegt.

Dann waren Sie im Herbst nach dem Finale der U17-WM enttäuscht?
Nein, ich war stolz, dass Nigeria ein stimmungsvolles Turnier organisiert hatte, aber ich habe den Schweizer Junioren den Titel gegönnt, da bekannt ist, dass bei Nigeria die Altersangaben öfters manipuliert werden. Wenn es um Gerechtigkeit geht, bin ich sehr schweizerisch!

Wo werden Sie sich die WM-Spiele ansehen?
Ich hoffe, dass es wieder coole Public-Viewing-Möglichkeiten geben wird, da ich mich beim Fussball nur dann gerne aufs Zuschauen beschränke, wenn ich in Gesellschaft bin und mit anderen Fans diskutieren, sticheln und lästern kann. Andernfalls werde ich ganz kribbelig, da ich mich am liebsten selbst auf den Ball stürzen würde.

Worauf können wir uns bei der ersten Fussball-WM in Afrika besonders freuen?
Auf die überschwängliche Lebensfreude der Menschen und die rauschenden Partys, die sie zu feiern wissen. Da wird jede Gelegenheit benutzt, um auf die Strasse zu gehen, zu singen und zu trommeln. Zurückhaltung ist dort ein Fremdwort.

Wo erkennt man Ihre nigerianischen Wurzeln sonst noch?
Mein Englisch hat diesen harten, aggressiv klingenden Unterton. Ich höre sehr gerne Reggae, Dancehall und afroamerikanische Musik. Mein Idol ist Alicia Keys. Ich esse sehr gerne die west-afrikanische Nationalspeise: Foufou, ein Brei, der mit der Hand gegessen wird, etwas fester als Härdöpfelstock und weicher als Polenta. Noch lieber habe ich nur Schoggi! (Lacht.)

Könnten Sie sich vorstellen, Profi-Fussballerin zu werden?
Nein, für mich ist dieser Sport ein schönes Hobby. Zwei Trainings pro Woche und ein Match reichen mir. Ich bin froh, dass ich beim Berner Architekturbüro Hebeisen & Vatter eine Lehre als Hochbauzeichnerin machen kann. Wir waren 120 Bewerber, und ich hatte das Glück, unter den beiden Auserwählten zu sein. Besonders gefällt mir, dass wir nicht nur moderne Gebäude entwerfen, sondern auch bei Umbauten historischer Bauwerke wie des Stadttheaters oder der Dampfzentrale mitwirken.

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Reinhold Hönle

Autor

Foto:
Philipp Zinniker
Veröffentlicht:
Dienstag 08.06.2010, 00:00 Uhr

Steckbrief

Yolanda Oluoma

Beruf: Ausbildung zur Hochbauzeichnerin
Geburtsdatum:
28. Mai 1993 
Zivilstand: in festen Händen 
Wohnort: Bern 
Schwächen: Unpünktlichkeit, Schokolade 
Hobbys: Fussball, Pianospielen, «Desperate Housewives» 
Aktuell: Bruno Molls Dokumentar-Kinofilm «Pizza Bethlehem» gibt es ab 10. August als DVD mit Bonus-Material zu kaufen.
Link: trigon-film



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