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Ana Ivanovic: «Für mich ist die Schweiz ideal»

Persönlich. Ana Ivanovic, Roland-Garros-Siegerin 2008 und ehemalige Weltranglistenerste, ist von der Schweiz begeistert – so sehr, dass sich die attraktive Serbin vorstellen kann, für immer hier zu leben.



Coopzeitung: Warum haben Sie die Schweiz als Wohnort gewählt?

Ana Ivanovic: Ich wohne seit meinem 18. Lebensjahr hier und habe das Glück, über eine Aufenthaltsbewilligung zu verfügen. Zurzeit wohne ich in Basel. Zum ersten Mal kam ich als Kind in die Schweiz – mit 13 oder 14. Der Anlass war natürlich Tennis. Die Trainingsmöglichkeiten in Belgrad, wo ich geboren bin, waren damals sehr limitiert. Zudem leben alle meine ehemaligen Trainer sowie mein Manager, Dan Holzmann, in der Schweiz.

Was halten Sie von Ihrer Wahlheimat?
Es war Liebe auf den ersten Blick. Die Schweiz ist so friedlich, jeder respektiert die Privatsphäre des andern. Die Landschaft ist traumhaft. Ich liebe es, hier zu trainieren, vor allem im Sommer. Eine weitere Facette der Schweiz, die ich sehr mag, ist die kulturelle und sprachliche Vielfalt.

Könnten Sie sich vorstellen, für immer hier zu leben?
Das könnte sehr gut sein, denn für mich ist die Schweiz ein idealer Lebensort.

Gehen Sie noch oft nach Serbien?
Zwei bis drei Mal pro Jahr. Meine Eltern wohnen noch dort; aber meine Mutter begleitet mich an fast alle Turniere, und mein Vater und mein Bruder unterstützen mich vor Ort, wann immer es ihnen möglich ist. Ich habe viele Verwandte in Serbien, und sie fehlen mir doch sehr. Deshalb kehre ich immer wieder gerne dorthin zurück; vor gut einem Monat war ich eben in Belgrad.

Was beelendet Sie an der Welt von heute?
Es macht mich jedes Mal traurig, wenn ich sehe, wie Menschen andern Böses antun, vor allem, wenn Kinder davon betroffen sind. Ich beteilige mich an einer Kampagne von Unicef in Serbien gegen Gewalt an den Schulen. Ich war schockiert und tief betroffen vom Ausmass an Einschüchterung und Boshaftigkeit in den Schulklassen. Es ist mir viel daran gelegen, einen Beitrag zur Entschärfung dieses Problems zu leisten. Wir haben bisher zwar schon einiges erreicht, aber es bleibt noch immer viel zu tun.

Die Welt gibt sich immer ökologischer. Wie sieht Ihr «grüner» Beitrag aus?
Während meiner Kindheit in Serbien war Recycling ein Fremdwort, und ich muss gestehen, dass ich einige Jahre brauchte, um mich daran zu gewöhnen. Heute mache ich, was ich kann. Ich war sehr beeindruckt, als ich letztes Jahr in Tokio vorgeführt bekam, welches Potenzial im Recycling steckt. Die Japaner sind in diesem Bereich ihrer Zeit voraus.

Und Ihr Privatleben? Sind Sie liiert?
Dazu möchte ich eigentlich nichts sagen. Nur so viel: Ich bin glücklich.

Sprechen wir vom Tennis: Sie haben 2008 Roland Garros gewonnen und waren danach Weltranglistenerste. Dann folgte ein Absturz. Heute belegen Sie Rang 64. Was ist geschehen?
Alles begann mit einer Daumenverletzung. Nach meinem Sieg in Paris war ich topmotiviert und trainierte wie eine Verrückte. Ich spielte häufig gegen Männer und war auf dem Weg zu meinem besten Tennis. Dann kam die Verletzung und ich verlor mein Selbstvertrauen.

Sie wurden auch noch krank ...
Ja, und ich hatte das Gefühl, alles würde noch schlimmer. Es waren nicht nur die Verletzungen, sondern auch die Art, wie ich aus dem Tief herausfinden und meinen Absturz verarbeiten wollte. Da habe ich offenbar Fehler gemacht. Doch ich möchte nicht zu sehr über Vergangenes klagen, sondern nach vorne schauen. Ich glaube an eine positive Zukunft.

Glauben Sie, dass Sie wieder Weltranglistenerste werden und weitere Grand-Slam-Titel gewinnen können?
Daran zweifle ich überhaupt nicht. Ich weiss, dass ich mit den Besten mithalten kann, und ich glaube wieder an mich selbst. Ich bin erst 22 Jahre alt und habe noch viele Jahre Profitennis vor mir. Ich möchte mich weiter verbessern und unbedingt wieder eine Topspielerin werden.

Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Weltranglistenerste zu sein, war ein einmaliges Gefühl. Aber Grand-Slam-Titel bedeuten mir mehr – ich würde gerne ein weiteres Major-Turnier gewinnen. Fast 15 Jahre nach Ihrem Debüt auf der Tour sind die Williams-Schwestern noch immer absolute Spitze.

Wie ist das zu erklären?
Es ist offensichtlich, dass sie sehr gut gearbeitet haben. Sie werden als zwei der besten Spielerinnen in die Geschichte des Frauentennis eingehen. Sie sind der lebende Beweis dafür, dass man eine sehr lange Profikarriere mit vielen Erfolgen haben kann. Es geht darum, die richtige Mischung aus Training, Wettkämpfen und Freizeit zu finden. Dass ihnen dies gelungen ist, dafür bewundere ich sie.

Welche Tennisspieler schätzen Sie besonders?
Die höchste Wertschätzung hege ich für Roger Federer und Rafael Nadal. Beide sind Musterprofis. Was ich an Roger am meisten bewundere, ist die Art, wie er sich auf dem Platz verhält. Er ist äusserst sensibel, kann sich während der Spiele kontrollieren und scheint immer sehr gelassen. Auch Rafa verhält sich auf dem Court vorbildlich; er spielt spektakulär und ist wie Roger ein echter Gentleman.

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Didier Walzer
Foto:
Peter Mosimann
Veröffentlicht:
Dienstag 13.07.2010, 00:00 Uhr

Steckbrief

Ana Ivanovic

Name: Ana Ivanovic 
Nationalität: Serbien 
Geboren: Am 6. November 1987 in der serbischen Hauptstadt Belgrad 
Wohnort: Sie lebt zurzeit in Basel 
Grösse: 186 Zentimeter 
Gewicht: 69 Kilo 
Erfolge: Acht Turniersiege, darunter Roland Garros 2008. Im Anschluss an diesen Grand-Slam-Titel erklomm sie die Nummer 1 der Weltrangliste. 
Aktuelle Platzierung: Nummer 64
Hobbys: Sprachen. Sie ist derzeit daran, ihr Spanisch zu verbessern. Ihr grösstes Hobby ist jedoch Lesen. Sie ist sehr an Psychologie interessiert. Zudem schaut sie gerne Filme auf DVD oder im Kino.



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