Zitrusfrüchte: Das Versprechen des Südens

Die Sonne hat sich in Richtung Mittelmeer davongemacht. Von dort kommen aber wie ein Trost in dunklen Tagen Orangen, Mandarinen und Co. zu uns.

Der Herbst tut ja so, als ob er ein verspäteter, endloser Sommer sei. Doch es hilft alles nichts: Schon morgen oder übermorgen ists vorbei. Dann werden wir alle wieder frieren. Der Deckel zieht sich übers Mittelland, die eh schon kurzen Tage unterscheiden sich nur durch eine Nuance Grau von der Nacht und hinter jeder Ecke hockt der Blues.

Doch dann sind sie auf einmal da: Orangen, Clementinen, Mandarinen, Tangerinen, Kumquats, Bigaraden, Minneolas, aber auch Limetten, Limonen, Zitronen oder Grapefruits. Gut – Letztere gibt es das ganze Jahr. Erstere jedoch sind mit ihren leuchtend roten und orangen Farben wie das Versprechen des Südens, ein Trost in diesen kalten, nebligen Tagen: vollgesogen mit Sonne und Wärme. Gar nicht zu reden von Vitaminen, Spurenelementen und ätherischen Ölen. Übrigens – wer sagt denn, dass beispielsweise Bio-Clementinen oder Bio-Orangen nur zum Essen gut sind: Das Öl von zwei bis drei Clementinen-Schalen reicht schon für die Massage kleiner Körperpartien – einfach zusammenpressen – nein, nicht die Körperpartien!, die Schalen – und das austretende Öl auf die Haut geben und sanft einmassieren.

Und wenn wir schon beim Thema sind – der Duft von Clementinen soll aphrodisiakische Wunder wirken. Sagen jedenfalls die Araber, die die Orangen und weitere Zitrusfrüchte nach Spanien gebracht haben. Ob das stimmt, das mit dem Aphrodisiakum? Sicher ist auf jeden Fall, dass sich die Zitrusfrüchte kreuz und quer gepaart haben: Die Clementine ist ein Kind von Orange und Bigarade. Die Tangerine eine Kreuzung zwischen Mandarine und Bigarade. Die Calamondin-Orange entstand, als sich Kumquat und Mandarine trafen.

Tangelo wurde geboren, als Grapefruit und Mandarine sich über den Weg liefen, und Tangor ist die Frucht der Begegnung von Tangerine und Orange.Nun könnte man ja noch etwas über Verzehr und Genuss von Zitrusfrüchten schreiben, über ihre gesundheitlichen Aspekte oder gar Rezepte erläutern – aber das wäre Wasser in den Rhein getragen. Darum hier einfach noch ein Tipp für alle grossen und kleinen Kinder: Wenn man das Mandarinen-, Clementinen-, Orangen-Öl usw. statt auf die Haut in eine brennende Kerze sprüht, kommts zu kleinen Explosionen und es verbreitet sich ein angenehmer Geruch im ganzen Raum. Fast schon wie Weihnachten.

Warme Tage und kalte Nächte

Orangen werden ab einem bestimmten Zuckergehalt geerntet, die Farbe Orange ist kein Hinweis auf den Reifezustand oder die Qualität der Frucht. Zitrusfrüchte, besonders Orangen, bekommen ihre Farbe und die geschmackliche Abrundung bei leichten Nachtfrösten um die Minus 1 Grad ! Daher wachsen die feinsten Orangen nur in einem recht schmalen Gürtel im südlichen Europa, in dem genau diese Temperaturen während der Reifezeit gelegentlich auftreten. Für Zitronen gilt Ähnliches: Zitronen werden im Sommer einfach nicht gelb, weil die entsprechende Kälte fehlt, sie bleiben grün.
Bei konventionellen Zitronen, die übrigens im Sommer auch grün sind, wird durch Wärmebehandlung die gelbe Farbe nachträglich geschaffen.

Kleine Vitaminbombe für kalte Tage: Früchte schälen, von der weissen, bitteren Haut befreien, in mundgerechte Stücke schneiden und nach Belieben mit etwas Grand Marnier abrunden. Darf, muss aber nicht sein! Ein Gaumen-, aber auch ein Augenschmaus: Stillleben mit Zitrusfrüchten.




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Franz Bamert

Redaktor

Foto:
Ferdinando Godenzi
Styling:
Marianne Ettlin
Veröffentlicht:
Donnerstag 17.11.2011, 00:00 Uhr

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