Happy End für Shrek

Sein Leben beginnt mit ziemlich schlechten Karten: Ein kleiner Kater hat den Katzenschnupfen, dazu noch Herpes. Doch zum Glück ist er sehr zäh. Und reden kann er auch – fast.

Der winzig kleine Kater miaute und schniefte. Man hörte bereits von Weitem den Katzenschnupfen. «Herbstkatzen» nennen Bauern diese zu spät in der Kälte geborenen Kleinen. Niemand will sie, da sie oft etwas kränkeln. Diese Katzen sind nicht anders als ihre im Frühling geborenen Brüder und Schwestern. Doch Kälte, Regen und eine vom Frühlingswurf bereits ausgehungerte Mutter können bewirken, dass sie schlechtere Chancen haben.

Mit gutem Futter, Wurmkuren und Antibiotika, vielen Streicheleinheiten und Nase putzen erholte sich das Kleine zusehends. Leider durfte es nicht mit gleichaltrigen Katzen spielen, wäre doch die Ansteckungsgefahr zu gross. Ich stand vor dem Käfig und machte mir Sorgen um das Katzenbaby: «Wer will schon eine chronisch verschnupfte Katze? Gibt es jemand, der sich nicht um angepfnüselte Fensterscheiben kümmert und ein Katzenleben lang immer wieder Medikamente gibt und Näschen putzen will?»

Der kleine Kater miaute, als ob er sagen wollte: «Doch, so jemanden gibt es ganz sicher!». Sein Lebenswille war so stark, dass sein Niesen bald nachliess. Doch dann wurde ein Auge plötzlich rot. Ich stöhnte. «Katzenherpes! Nicht genug, dass er immer wieder schnupft. Jetzt hat er noch ein solches Auge!» Nebst Näschenputzen kam also die Augenpflege hinzu. Die Augenlider verklebten trotz Behandlung, sodass er ein rotes Triefauge bekam. Auch verwuchs das dritte Augenlid, er würde ein Leben lang ein kleineres Auge haben.

Wir nannten ihn «Shrek» nach dem bekannten Film. «Er lebt in einem Sumpf, ist nicht schön und hat doch ein grosses Herz. Er muss Shrek heissen!», meinte eine Mitarbeiterin. Denn der Kleine spielte gerne mit Wasser und dem Katzenklo. Das Resultat war ein Sumpf, wenn wir nicht stündlich den Käfig putzten. Doch er war auch charmant und anhänglich. Zum Glück gab es wie im Märchen von Shrek ein Happy End.

Eine Katzen liebende Frau hatte eine chronisch verschnupfte Katze gehabt, die gestorben war. Sie fragte uns an, ob wir nicht ein armes Büsi hätten. «Sicher haben wir eines», antwortete ich. «Doch es ist ein Schnupfer und ein Auge wird etwas kleiner bleiben. Er macht mit seiner Liebe zum Menschen aber alles wieder wett! Und er braucht eine Besitzerin, die mit dem Schnupfen umzugehen weiss.» Und das wusste sie. Wenige Tage später holte sie Shrek ab. Zum Abschied miaute er mir noch einmal zu. Es klang wie: «Ich habs dir doch gesagt!»

(Coopzeitung Nr. 46/2011)

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Chantal Ritter

Tierärtztin

Foto:
Alamy
Veröffentlicht:
Montag 14.11.2011, 14:00 Uhr

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