Wollte nie ein «krasser Siech» sein, sondern seinen Frieden haben und seine Musik machen. Und mit der feiert der in Baden lebende Adrian Stern grosse Erfolge.

Adrian Stern:
«Ich selber bin ja frei von Not»

Persönlich. Mit dem Song «Mueter» unterstützt Adrian Stern die Aktion «Jeder Rappen zählt». Der Musiker über das Älter- und Vaterwerden und warum es herausfordernd ist, einen Spendensong zu schreiben.

Coopzeitung: Sie werden bald Vater. Hat Sie das beim Schreiben des neuen Songs «Mueter» beeinflusst?
Adrian Stern: Klar beschäftigt mich momentan die Frage: Was bedeutet es, Eltern zu sein. Aber weil der Song für die Aktion «Jeder Rappen zählt» ist, hab ich mich vor allem mit der Situation von Eltern in Not befasst. Meine Eltern waren das zum Glück nie. Sie konnten immer für mich da sein und haben mich auch extrem unter-stützt. Mit dem Älterwerden und der bevorstehenden Vaterschaft wächst auch der Wunsch, davon etwas zurückzugeben. Darum wurde die Zeile «Ich lueg für dich, wie du für mi gluegt häsch» zum Schlüsselsatz.

Sie singen auch: «Du muesch dir kei Sorge mache». Gerade in der kommenden Adventszeit wirkt der Song wie die Replik auf die Zäller Wienacht, wo es heisst: «Kei Mueter weiss, was ihrem Sohn wird gscheh».
Ein Lied von Paul Burkhard. Ja, stimmt. Hier antwortet der Sohn.

Musste sich Ihre Mutter eigentlich um Sie sorgen?
Wenn ich sie fragen würde, würde sie es wahrscheinlich verneinen. Klar hatte ich meine antiautoritäre Phase, wo ich mit meinem Rollbrett die Nachbarschaft terrorisiert habe und die sich über den Lärm beklagt haben. Aber abgesehen davon, habe ich ihr kaum Sorgen bereitet.

Gab es nie eine Phase, wo Adrian Stern mit Punk-Musik rebellieren wollte?
Ich hatte nie das Bedürfnis,  ein krasser Siech zu sein. Klar gab es an der Schule die Springerstiefel-Fraktion, die sich vor allem damit beschäftigte, bös aufzufallen und einen Absturz zu inszenieren, damit sich die Frauen Sorgen machen. Aber das konnte ich schlicht nicht. Ich hab dann schnell gemerkt, dass, wenn ich Gitarre spiele, ich eigentlich in jeder Runde willkommen bin. So hatte ich meinen Frieden und konnte meine Musik machen. Ich war einfach der mit der Gitarre.

Dann fällt es Ihnen wohl einfacher, einen Spenden-Song zu schreiben als einen Protest-Song?
Eine gute Frage. Beides ist schwierig. Einen Song für eine Spendenaktion zu schreiben, fand ich extrem fordernd. Ich steh da auch in einer Tradition von Songs.

Sehen Sie sich denn in der Nachfolge von Songs wie «We Are The World»?
Wenn dich jemand für einen Spenden-Song anfragt, erhofft er sich bestimmt einen grossen hymnischen Song dieser Art. Aber das ist vielleicht eher ein amerikanischer Ansatz. Mir als Schweizer entspricht das nicht. Ich habe lange überlegt, aus welcher Sicht ich etwas Emotionales zum Thema Mütter in Not schreiben kann. Das Buch «Im Meer schwimmen Krokodile» hat mich dann auf die Idee gebracht. Wenn das Buch auch um das Aussetzen von Kindern geht, um sie zu retten. Trotzdem war es meine Inspiration.

Wenn ein Spenden-Song für Sie schwierig ist, weil Sie dann in den Fussstapfen von Grössen wie Michael Jackson stehen, was wäre dann die Schwierigkeit, einen Protest-Song zu schreiben?
Hmm, dass man nicht die Plattitüden und Parolen verwendet, die jeder kennt. Die Kunst ist es ja, die Hörer aufzurütteln.

Wenn Sie einen Weltverbesserungs-Song für Ihr Kind schreiben würden, was wäre da das Thema?
Mehr Bescheidenheit! Nicht nur für mein Kind. Ich wünsche, dass es in eine Gesellschaft reinwächst, wo nicht nur Wachstum wichtig ist, wo die reich mit Geld und Gütern Beschenkten sagen: Das reicht mir. Aber wenn man sich nur mit Geld beschäftigt, entsteht wohl die Gier. Mit unserer Infrastruktur und unseren technischen Möglichkeiten müssten wir glücklich sein. Aber jeder muss 40, 50 Stunden krampfen und dann hat es zu wenig Arbeit für alle.

Perfektes Material, einen Song für die Occupy-Bewegung zu schreiben.
Voll, da bin ich sehr solidarisch. Aber meine Stärke sind eher herzensnahe Themen.

Worin besteht Ihr Engagement für «Jeder Rappen zählt» genau: Darf nun jede Mutter Ihren Song gratis downloaden?
Nein, der Song ist mehr als Soundtrack für alle Bilder und Reportagen rund um die Aktion gedacht und geschrieben.

Und alle Tantiemen gehen dann in die Kasse von «Jeder Rappen zählt»?
Ich nehme es an. Das hab ich ehrlich gesagt noch nicht zu Ende gedacht.

Was sagen Sie zur Kritik, die «JRZ»-Aktion entziehe anderen Hilfswerken Aufmerksamkeit und Spendengelder?
Das stimmt natürlich. Das lässt sich bei so einer grossen Aktion kaum verhindern. Persönlich denke ich aber, dass es dieser Aktion gelingt, Leute zu mobilisieren, die sonst nicht spenden würden.

Was hat Ihre Mutter zum Song gesagt?
«Das ist der schönste Song, den du je geschrieben hast, auch wenn du ihn nicht für mich geschrieben hast». Das fand ich schön. Es ist ja ein Song für Mütter in Not, sei es aus medizinischen, religiösen, gesellschaftlichen oder kriegerischen Gründen. Das war schwierig, denn ich selber bin frei von Not. Und meine Mutter auch, so weit ich das beurteilen kann. Es wär mir einfacher gefallen, einen Song über die Beziehung zu meiner Mutter zu schreiben.

Adrian Stern

Steckbrief
Adrian Stern
Geburtsdatum: 22. März 1975 in Zürich
Zivilstand: ledig
Wohnort: Baden
Beruf: Musiker
Karriere: Seit seinem Solo-Debüt «Stern» 2003 hat Stern drei weitere Alben veröffentlicht. Sein aktuelles Album «Herz» schaffte es bis auf Platz 2 der Albumcharts und erreichte Platinstatus. Stern gewinnt 2011 den Swiss Music Award für das beste nationale Popalbum und den Prix Walo in der Sparte Pop/Rock.

www.adrianstern.ch

Weitere Antworten von Adrian Stern

Welches Buch liegt grad auf Ihrem Nachttisch?
Ein Ratgeber für werdende Väter

Welches ist Ihr Lieblings-Romanheld?
André Kaminski in seinem Buch Herzflattern

Und welche Vorbilder haben Sie in der Wirklichkeit?
In vielen Dingen meine Eltern. Wenn's um Musik geht, denke ich immer wieder mal an Ben Folds und Mani Matter.

Welchen Film haben Sie zuletzt gesehen?
Buck, einen Dokumentarfilm über Buck Brannaman einen berühmten Amerikanischen Pferdetrainer.

Und welchen Film würden Sie gerne wieder einmal sehen?
Back to the Future, meinen Lieblingsfilm aus Tennagertagen

Ihr Lieblings-Filmheld?
Hank Moody aus der TV-Serie Californication

Was für Musik hören Sie gerade?
Niels Frevert, ein toller Songwriter aus Hamburg

Welche CD würden Sie auf die einsame Insel mitnehmen?
Keine. Ich würde eine Gitarre mitnehmen und Lieder aus der Erinnerung spielen.

Mit welchem Musiker würden Sie gerne einmal einen trinken?
Paul McCartney

Was kochen Sie selbst?
Pasta nach Gefühl, alles weitere nach Rezept

Ihre Lieblingsspeise?
Fusilli mit selbstgemachter Bologneser Sauce

Ihr Lieblingsgetränk?
Espresso aus der Kolbenmaschine

Mit wem essen Sie am liebsten?
Mit meiner Freundin Mylen und meinem Manager Eric

Und wo essen Sie am liebsten?
Ich esse sehr gerne zuhause. Wenn Auswärts, dann muss es gemütlich und unprätentiös sein.

Mac oder PC?
Mac seit ich 12 bin.

Auto oder Zug?
Eine Kombination aus beidem

Wein oder Bier?
Bier und zwar am liebsten Pale Ale.

Pasta oder Fondue?
Beides sehr gerne!

Joggen oder Walken?
Weder noch. Wandern und Spazieren.

Berge oder Meer?
Berge mit Ausblick, im besten Fall bis an's Meer.

Wann haben Sie zuletzt geweint?
Als ich in Nashville den besten Songwritern zugehört habe.

Wie bringt man Sie zum Lachen?
Mit cleverer Situationskomik

Welches Tier wären Sie am liebsten?
Ein Bär

Wovon träumen Sie?
Von einer Reise um die Welt.

Was ist für Sie das grösste Glück?
Dass Gefühl, eine Zukunft zu haben.

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Olivier Joliat

Autor

Foto:
Christoph Kaminski
Veröffentlicht:
Dienstag 15.11.2011, 12:10 Uhr

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