Familienrat. Los!

Eine Sitzung gegen Probleme macht Probleme.

Steven Schneider: Sonntagabend, Familienrat. Wir hatten die Idee, gemeinsam einmal wöchentlich darüber zu reden, was gut lief, was weniger gut war und wie wir es besser machen könnten. So lassen sich Konflikte klären oder sogar vermeiden. Und es gibt Regeln: Jeder bekommt seine Redezeit, wir unterbrechen einander nicht, sind respektvoll, bleiben ruhig, schreiben ein Protokoll, treffen Vereinbarungen und beenden den Abend mit positiven Gedanken. So weit die Theorie.

Unsere Kleinere ist viel zu klein für unser grosses Vorhaben und kämpft gegen die Langeweile. Schreiber redet angestrengt ernsthaft und mit seltsam aufrechter Körperhaltung, so, als würde sie auf einer Redaktion eine Sitzung mit lauter Drückebergern leiten. Unsere Grössere versteht die Sache mit dem Familienrat falsch und meint, wir würden uns einfach eine andere Art von Schimpfen aussuchen, was für sie natürlich keinen Unterschied macht, denn schimpfen ist schimpfen.

Und mir reicht es auch: Kaum sage ich etwas, sind alle schlecht gelaunt. Für mich bedeutet das eines: Familienrat abschaffen. Denn die Probleme beginnen erst, wenn wir beginnen, Probleme anzusprechen, die gar keine sind.

 

Sybil Schreiber: Wir haben vor einigen Wochen einen Familienrat ins Leben gerufen. Ich fand die Idee einer befreundeten Therapeutin gut, gemeinsam mit den Kindern einmal in der Woche Probleme, Wünsche und Abmachungen in aller Ruhe, also nicht aus dem Affekt heraus, zu besprechen. Heute ist unser dritter Abend.Ich bin gespannt. Die Grössere ist für das Protokoll zuständig, Schneider eröffnet die Sitzung. Hoppla!

Seine Körpersprache erscheint mir nicht sonderlich angebracht für ein harmonisches Gespräch: verschränkte Arme, stechender Blick. Dann legt er los und ereifert sich über eine Lappalie, bei der wir mit unseren Töchtern Ärger hatten. Ist vor einigen Tagen passiert – in deren Zeitrechnung also längst verjährt ...

Ich bewahre krampfhaft die Ruhe. Die Kinder sitzen wie vom Donner gerührt da. Sie verstehen nicht, was der alte Käse soll. Schneider wird laut, die Stimmung schlechter und schlechter. Da platzt mir der Kragen: Ich zische Schneider an, nerve mich über seinen Ton, der so was von unkonstruktiv ist, die Kinder fragen, ob wir streiten, ich nicke, dann marschieren sie wütend hinaus.

Schneider und ich sitzen mürrisch alleine am Tisch. Rat- und kinderlos.

(Coopzeitung Nr. 47/2011)

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Montag 21.11.2011, 10:00 Uhr

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