In der «Bonne Auberge» in Les Bugnenets wuchs Didier Cuche auf. Und ging seinen Eltern nicht nur an der Kaffeemaschine zur Hand.

Didier Cuche:
«Gib nie auf!»

Der 37-jährige Didier Cuche steht in seiner 17. Weltcup-Saison. Kurz vor seinem ersten Einsatz sitzen wir mit ihm und seiner Mutter Marlies am Tisch. In der «Bonne Auberge», die seine Eltern bis 1999 führten. Hier in Les Bugnenets im Neuenburger Jura, gleich neben einem Skilift, ist Didier Cuche mit seinen Brüdern aufgewachsen.

Coopzeitung:Herr Cuche, wenn Sie an Ihre Kindheit zurückdenken, was kommt Ihnen als Erstes in den Sinn?
Didier Cuche: Dass ich relativ früh schon mit Ski ums Haus herumstampfte, unzählige Male umgefallen und wieder aufgestanden bin (lacht). Und dass ich dann später einen guten Grund hatte, weniger zu Hause zu sein, denn ich durfte ja an den Wochenenden Skirennen fahren.
Marlies Cuche: Didier ist als Dreieinhalbjähriger zum ersten Mal auf den Ski gestanden. Er musste schon früh lernen, selbstständig zu werden, Ski und Skischuhe selber anzuziehen. Und da er es mit seiner Ausdauer in der ersten Zeit rund ums Restaurant versuchte, hatten wir ihn ja immer in Sichtweite. Zudem setzte er sich früh auch in unserem Familienbetrieb immer wieder ein, sei es in der Küche, am Buffet oder sonstwo.

Gab es einen speziellen Moment, in dem es für Sie besonders wichtig war, für Didier da zu sein?
Marlies: (lacht ebenfalls) Ich habe in diesen Jahren einige Spitäler kennengelernt, in denen Didier nach Verletzungen untersucht und behandelt wurde. Wenn immer es möglich und nötig war, versuchte ich präsent zu sein, zum Beispiel bei seinem Beinbruch 1993. Verpäppelt haben wir Didier aber nie. Mein Mann hat ihm immer gesagt: «Du brauchst niemandem etwas zu beweisen, mach in deiner Freizeit einfach, was dir Spass macht.»
Didier: Das habe ich ja dann auch gemacht. Es ist halt meist eine Uhr mitgelaufen, wenn ich den Berg runterfuhr. Während meiner Zeit als Junior brachten meine Eltern oft mich und mein Gepäck zum Bahnhof oder chauffierten mich auch später, wenn ich wegen einer Verletzung nicht selber Auto fahren konnte.

Haben Sie Angst, wenn Sie Didier eine Abfahrt fahren sehen?
Marlies: In den ersten Jahren schon. Ich weiss aber, was Didier kann, und auch, dass die Gefahren auf einer Autobahn oder einer Strasse mit Gegenverkehr grösser sind, als wenn er auf der Skipiste alleine unterwegs ist.

Was geht in Ihnen vor, wenn Sie in einer Abfahrt mit über 100 Stundenkilometern unterwegs sind?
Didier: Während der Saison, wenn ich austrainiert bin, merke ich erst in der Nähe von 150 Stundenkilometern, dass ich schnell unterwegs bin, die Ski besser kontrollieren muss und mehr Kraft brauche. Vorher eigentlich nicht, es bleibt auch keine Zeit, darüber nachzudenken.

Verfolgen Sie die Rennen von Didier persönlich vor Ort, am Fernsehen oder gar nicht?
Marlies: Ab und zu fahren mein Mann und ich an ein Rennen in Europa, meist schauen wir die Rennen aber im Fernsehen.
Didier: Ich freue mich immer, wenn ich meinen Eltern mit einer Einladung zu einem Rennen eine Freude machen und ihnen damit etwas zurückgeben und auch auf diese Art Merci sagen kann.

Die Saison hat zwar erst angefangen. Wie planen Sie Ihre weitere Zukunft?
Didier: Kurzfristig ist sicher die angelaufene Saison am wichtigsten. Ich habe aber auch begonnen, mit verschiedenen Unternehmen Partnerschaften aufzubauen. Und Nachwuchssportler liegen mir ebenfalls am Herzen.

Das heisst, Sie setzen sich für die Jungen ein?
Didier: Ja, ich wirke als Berater und bei der Mittelbeschaffung bei einem Projekt des jurassischen Skiverbandes mit. Dabei geht es, zusammen mit drei Schulen, um die gezielte Förderung junger Sportler. Zudem bin ich auch Schirmherr einer Aktion von Procter & Gamble, einem Unternehmen, das weltweiter Sponsor der Olympischen Spiele ist und die ersten Olympischen Winter-Jugendspiele vom 13. bis 22. Januar 2012 in Innsbruck unterstützt.

Sehen Sie sich in Zukunft auch als Trainer von Nachwuchstalenten?
Didier: Wohl eher nicht, denn da wäre ich etwa gleich viel unterwegs wie als Aktiver. Und wie gesagt ist für junge Sportler neben der Unterstützung der Eltern auch weitergehende finanzielle Hilfe wichtig. Mit meinem Bekanntheitsgrad kann ich in dieser Richtung auch Türöffner sein.

Haben Sie eine Botschaft an junge Athleten und deren Eltern?
Marlies: Eine Mutter und ein Vater können ihren Kindern vor allem den Boden für ein gesundes Selbstvertrauen legen. Zwingen sollte man niemanden zu nichts. Eltern sollten stützen, nicht stossen.
Didier: Setze dir dein Ziel selber, habe den Willen, dieses zu erreichen. Gib nie auf!

Didier Cuche

Geboren: 16. August 1974
Werdegang: Aufgewachsen, Schule und erste Skiversuche in der Gemeinde Les Bugnenets NE. Lehrabschluss als Metzger. Steter Aufstieg in verschiedenen Kadern von Swiss Ski.
Karriere: 60 Podestplätze im Weltcup, viermal Weltcup-Disziplinensieger Abfahrt, einmal im Super-G, einmal im Riesenslalom, Weltmeister im Super-G 2009, Silbermedaille im Super-G an den Olympischen Spielen 1998 in Nagano (Japan) und weitere zahlreiche Spitzenplätze.
Aktuell: Botschafter der Kampagne von Procter & Gamble (P & G) anlässlich der Olympischen Jugend-Winterspiele 2012 zugunsten junger Schweizer Sporttalente. Mit jedem Verkauf eines P & G-Produktes bei Coop wird die Schweizer Sporthilfe finanziell unterstützt.

www.didiercuche.ch (auf Französisch)

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John Wittwer

Redaktor

Foto:
Darrin Vanselow
Veröffentlicht:
Sonntag 27.11.2011, 00:00 Uhr

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