Der Sittich muss in die Kur

Milben können Wellensittichen ganz schön zusetzen. Sie befallen die Haut und bohren Löcher in den Schnabel der Tiere. Doch auch gegen diese Parasiten ist ein Kraut gewachsen.

Der Wellensittich fühlte sich gar nicht wohl. Nervös sprang er von einer Stange seines kleinen Transportkäfigs zur anderen. Sein Pfeifen übertönte alles. Vorsichtig versuchte ich ihn mit einer Hand zu fangen. Eine wilde Flatterei begann. Dann hielt ich ihn fest.

Vögel, die um den Brustkorb gehalten werden, ersticken. Die Kunst ist es, sie so zu halten, dass sie weder davonfliegen können noch sich verletzen, wenn sie sich wehren. Doch zu fest darf man sie auch nicht greifen. Irgendwie gelingt es aber allen Wellensittichen, sich an meinen Nagelhäutchen zu rächen. Wütend ziepte und knabberte der kleine Kerl an meinem Finger, bis ich ihn wirklich sicher hielt. Ich palpierte sein Brustbein und fühlte, wie mager er war. Auch hatte er keinen schönen Schnabel. Mit kleinsten Löchern durchsetztes, schwammiges Material befand sich an der Stelle der Wachshaut. Der Schnabel selber wuchs unregelmässig. Auch an seinen Beinen hatte er das kreidige, schwammige Material.

«Er leidet unter Milben! Diese bohren ihre Gänge in die Vogelwachshaut und zerstören so die Haut. Was bleibt, ist eine wuchernde, mit Milben durchsetzte Zone», erklärte ich. Milben leben in der Vogelhaut um den Schnabel und in den Vogelbeinen. Dort legen sie Eier, und die Haut beginnt, verletzt durch die Bohrgänge, zu wuchern. Durch die zerstörte Wachstumszone kann auch der Schnabel nicht mehr ordentlich wachsen. Die Behandlung ist nicht einfach. Milbeneier überleben ölige Substanzen. Mit dem Auftragen von Salben würden nur die adulten Milben zerstört. Auch müsste man alle Stellen sicher in regelmässigen Abständen erreichen. Das regelmässige Auftragen ist wichtig, um später geschlüpfte Milben ebenfalls abzutöten.

Der Vogel hätte einen grossen Stress. Zum einen durch das Einfangen, zum anderen würde das Tier, indem es sich putzt, viel von dem Medikament aufnehmen. Eine andere Möglichkeit ist, ein Präparat aus der Rindermedizin zu verwenden. Ein kleiner Tropfen auf den Nacken genügt, um einen Vogel für mehrere Tage von allen geschlüpften Milben zu befreien. Nach zwei Kuren sind die Vögel meist geheilt.

Der Wellensittich protestierte immer noch lautstark, als er mit dem Medikamententropfen auf seiner Nackenhaut wieder im Transportkäfig sass. «Solange du nicht anfängst zu muhen, ist alles in Ordnung», sagte der Besitzer lachend zu seinem Vogel.

Kommentare (0)

Danke für Ihren Kommentar

Enthält dieser Kommentar bedenkliche Inhalte?

Der Text wird geprüft und eventuell bearbeitet oder blockiert.

Ihr Kommentar

Bitte vergessen Sie nicht Ihren Kommmentar.

Bitte geben Sie Ihren Namen an.

Pflichtfeld
Bitte geben Sie Ihre E-Mailadresse an.





Bitte übertragen Sie die Zeichen in das Feld:

$springMacroRequestContext.getMessage($code, $text)






Bitte beachten Sie beim Kommentieren unsere Netiquette und gehen Sie respektvoll miteinander um.

Chantal Ritter

Tierärtztin

Foto:
Alamy
Veröffentlicht:
Samstag 03.12.2011, 10:00 Uhr

Mehr zum Thema:

Mehr Geschichten aus der Tierarztpraxis

Weiterempfehlen:

Diese Themen könnten Sie auch interessieren:


Die neuesten Kommentare zu den Geschichten aus der Tierarztpraxis:

Ursula antwortet vor 2 Monaten
Eins, zwei – ganz viele
Vielen Dank, mir gefallen alle ... 
Smithc477 antwortet vor 2 Monaten
Mein Hund, dein Hund
Awesome article post.Thanks Ag ... 
Sonja Tschudin antwortet vor 2 Monaten
Noro wahrt die Haltung
Für ältere Hunde, die plötzlic ... 


Login mit Coopzeitung-Profil

schliessen
Fehlertext für Eingabe

Fehlertext für Eingabe

Passwort vergessen?