Die Geige wird nur fürs Foto ausgepackt: Raphael Jeger arbeitet im Internet-Team von Coop.

Raphael will gewinnen

Am Samstag entscheidet sich, wer beim Eurovision Song Contest 2012 in Baku die Schweiz vertreten wird. Unter den 14 Finalisten der grossen Live-Show auf SF 1 und HD Suisse ist einer, dem viele Coop-Mitarbeiter die Daumen drücken.

Zwei Laptops und ein PC-Monitor, daneben Computer-Zeitschriften und Aktenmappen –nichts deutet darauf hin, dass an diesem Arbeitsplatz ein Mensch arbeitet, dessen Leben in wenigen Tagen vielleicht komplett umgekrempelt sein wird. Raphael Jeger ist bei Coop einer der Informatiker, die den Internet-Auftritt des Unternehmens betreuen. Die Arbeit trennt er sorgfältig von seiner wahren Leidenschaft, der Musik. «Es wäre ein Traum, von dem leben zu können, was ich am liebsten mache», sagt der 32-Jährige, «aber ich weiss natürlich, dass dies in der Schweiz nicht einfach ist.»

Einen grossen Schritt auf dem Weg zur Verwirklichung dieses Traums hat Raphael jetzt vor sich: Er hat sich für den Eurovision Song Contest (ESC) 2012 in Baku beworben und tritt am kommenden Samstag als einer von 14 Kandidaten zur Entscheidung in der Show des Schweizer Fernsehens an. Geschafft hat er den Finaleinzug über das Publikumsvoting – der selbst komponierte und getextete Titel «The Song In My Head» kommt offenbar nicht nur bei seinen Fans gut an. Dass er es ganz nach oben schaffen kann, hat Raphael Jeger bereits vor fünf Jahren gezeigt. Bei der Castingshow «Superstar» wurde er Dritter.

Seine erste Geige bekam Raphael, als er sechs Jahre war, und seither hat ihn die Musik nicht mehr losgelassen. Das geht so weit, dass er bei Konzertbesuchen richtig leidet. «Wenn ich im Publikum stehen muss und nicht selber auf der Bühne sein kann, macht mir das Mühe», erklärt Raphael. Aber wa-rum hat er nicht Musik studiert, obwohl er die Aufnahmeprüfung zum Konservatorium in Basel bestanden hatte? «Ich konnte mir nicht vorstellen, als Musiklehrer zu arbeiten, und eine andere Perspektive sah ich damals nicht», erklärt Raphael. Heute ist das anders: Zu Hause im solothurnischen Fehren unterrichtet er in seiner Freizeit Klavier und Geige – auch dies mit Erfolg: Raphaels Schüler Naim (9) meinte im Interview mit der SF-Sendung «glanz & gloria», es wäre schade, wenn sein Lehrer beim ESC gewinnen würde, weil er dann sicher weniger Zeit für ihn hätte.

Das könnte gut sein, denn dass er gewinnen will, ist für Raphael keine Frage. «Und wenn ich dann die Schweiz in Baku vertreten darf, werde ich natürlich alles geben, um auch dort zu siegen.» 
Dies wäre eine eigentliche Sensation, denn schliesslich gab es bislang nur zwei Schweizer ESC-Siege, und die liegen schon sehr lange zurück: 1988 in Irland gewann Céline Dion, und 1956, als der Wettbewerb in Lugano zum ersten Mal überhaupt durchgeführt wurde, hiess die Siegerin Lys Assia. Dass die heute 87-jährige Sängerin am Samstag in Kreuzlingen ebenfalls als Kandidatin der Schweizer Endausscheidung auf der Bühne stehen wird, hat für Raphael keine grosse Bedeutung: «Ich hatte gar keine Zeit, gross über die anderen Kandidaten nachzudenken. In den vergangenen Wochen waren für den Wettbewerb so viele Dinge zu erledigen.» So etwa die Autogrammkarten: Sie seien nicht ganz perfekt, meint Raphael, aber während der Bildbearbeitung am heimischen Computer habe er gleichzeitig ein Telefoninterview geben müssen. 

Daher ist er dankbar, dass die Kolleginnen und Kollegen ebenso wie seine Vorgesetzten bei Coop ihm den Rücken freihalten so weit es geht. Und wenn er am Samstag gewinnt, geht es ihnen wohl nicht viel anders als dem kleinen Naim …

Live im TV – Die Entscheidung

Samstag, 10. Dezember 2011, 20.05 Uhr, SF 1 und HD suisse: Eurovision Song Contest.

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Martin Winkel

Redaktor

Foto:
Heiner H. Schmitt
Veröffentlicht:
Montag 05.12.2011, 16:31 Uhr

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