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Passionsfrucht: Die kleine Schatztruhe

Man sollte nie vom Äusseren auf das Innere schliessen. Passionsfrüchte etwa machen auf unscheinbar. Doch unter ihrer Schale verbirgt sich eine Fülle von Aromen.

Meine Urgrossmutter Agustina war der jüngste Mensch, den ich als Siebenjährige kannte. Es war eigentlich gar keine Frage, wie alt sie war. Denn sie war natürlich genauso alt wie wir Kinder, also irgendwas zwischen eins und sieben. Sie war Leben, Leidenschaft und Temperament pur. Das hatte sie in ihrem südamerikanischen Blut. Wenn Urgrosi Agustina lachte, kniff sie die Augen zusammen, und ihr ohnehin sehr runzliges Gesicht legte sich in eine faszinierende Landschaftt aus Furchen und Falten in alle Richtungen. Ihre vielleicht grösste Leidenschaft galt der Floristik. Am liebsten hatte sie Passionsblumen. «Sie haben die schönsten Blüten und ihre Früchte sind wie ich», pflegte sie zu sagen. Eine Anspielung auf die schrumpelige Schale, die viele Passionsfrüchte einige Tage nach der Ernte entwickeln.

Für uns Kinder waren Passionsfrüchte nicht annähernd so faszinierend wie Grossmutters Haut. Doch wie eine Hellseherin sagte sie voraus: «Wenn ich mal nicht mehr bin, werdet ihr immer an mich denken, sobald ihr eine Passionsfrucht seht.» Sie sollte Recht behalten. Passionsfrüchte sind nur äusserlich «alt», ihr an Vitamin C reiches Innenleben offenbart ein ungeahnt explosives Feuerwerk an Aromen. In der auch Maracuja genannten Frucht tritt, wenn man sie halbiert, eine überraschende Farbenpracht zutage. Das goldgelb und orange leuch-tende Fruchtfleisch mit den eingebetteten, glitschigen Samenkernen scheint nur darauf zu warten, dass man es an Ort und Stelle mit einem Teelöffel herausschabt und genussvoll verschlingt. Welch ein komplexes Sinnenfest!

Einfach, schnell, gut: das Fruchtfleisch der Passionsfrucht beiseitestellen, die Schale mit einer Kugel Vanilleglace füllen, das herausgeschälte Fruchtfleisch über die Glace geben, fertig.

Einfach, schnell, gut: das Fruchtfleisch der Passionsfrucht beiseitestellen, die Schale mit einer Kugel Vanilleglace füllen, das herausgeschälte Fruchtfleisch über die Glace geben, fertig.
Einfach, schnell, gut: das Fruchtfleisch der Passionsfrucht beiseitestellen, die Schale mit einer Kugel Vanilleglace füllen, das herausgeschälte Fruchtfleisch über die Glace geben, fertig.

Es soll ja Leute geben, die das Fruchtfleisch-Samen-Gemisch durch ein Sieb pressen. Das kann man natürlich tun, zum Beispiel immer dann, wenn man dieses unglaubliche Aroma in einem Cocktail extravagant inszenieren möchte. Doch als Urenkelin Agustinas könnte mir dies nie passieren. Ich würde ja den besten Moment verpassen! Nämlich den, wenn dieses prickelnde, süss-saure Samenkonzentrat fast wie klitzekleine Knallbonbons zwischen den Zähnen zu zerplatzen scheint, sobald man draufbeisst. Damals wie heute habe ich Passionsfrüchte pur oder pur zu einer Glace am liebsten.

Inzwischen findet man hierzulande auch «Passionsfrüchte ohne Grossmutter». Das heisst, das Antlitz ihrer Schale hat sich von einem furchigen Gebirge zu einem Babypopo gewandelt. Ihre Schale ist auch nicht braun, sondern grün und glatt. Wie hätten wohl Urgrosi Agustina diese «neuartigen» Früchte gefallen? Schwer zu sagen. Ihr würden die Runzeln wahrscheinlich nicht so fehlen wie mir. Ich schlürfe die Früchte aber trotzdem genauso gern aus und schicke Urgrosi in Gedanken meine liebsten Grüsse in ihren Himmel.

Die Knorrige

Die uralte «chinesische Haselnuss» oder auch «Litschipflaume» kommt – ähnlich einer Maracuja – als Verhüllungswunder daher. Unter ihrer rosa bis bräunlichen, knorrigen Schale verbirgt sich ein herrlich duftendes, perlmuttfarbenes, festes, saftiges Fruchtfleisch. Die pflaumengrosse, kugelförmige Vitamin-C-reiche Frucht hat etwas Erotisches. Nicht umsonst
wird sie in China auch Liebesfrucht genannt.

Die Frucht der Drachen

Drachenfrüchte, oder auch Pitahayas, aus Vietnam schreiben dort erst seit rund 20 Jahren Erfolgsgeschichte. Zuvor wurden sie fast nur von buddhistischen Mönchen verzehrt. Heute sind die dekorativen Früchte mit der peppigen, roten Schale weithin bekannt und beliebt.

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Bettina Ullmann

Redaktorin

Foto:
Ferdinando Godenzi
Styling:
Marianne Ettlin
Veröffentlicht:
Mittwoch 07.12.2011, 10:16 Uhr

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