Ewig gleich

Vorwürfe à discrétion: Wiederholungen Teil 1.

Steven Schneider: Aus Sicht meiner Töchter bewege ich mich zwischen Extremen. Mal bin ich ein Star – wenn wir in den Europapark fahren. Dann der weltgrösste Spielverderber – wenn ich zu irgendetwas Nein sage. Die Anwürfe im letzteren Fall haben etwas gemeinsam: Sie kommen von Herzen, sind oft von Stampfen oder Schnauben begleitet – und immer gleich. Hier die zehn häufigsten:

1. Heute schmecken mir Rüebli halt nicht mehr!
2. Ihr Stück Schoggi ist grösser!
3. Ich habe die Zähne geputzt, ich schwörs!
4. Immer muss ich!
5. Kannst du auch mal «Ja» sagen?
6. Papa, du kapierst gar nichts!
7. Nie darf ich dein Handy haben.
8. Papa, man sagt nicht Scheisse!
9. Meine Freundinnen dürfen viel mehr als ich.
10. Ich kann wirklich nicht einschlafen!

Und während ich nachdenke, warum sich in unserem Leben das meiste meist um das Gleiche dreht, meint meine Jüngere: «Papi, du bist der Beste!» «Ach, wirklich? Schön!» «Ja. Darf ich jetzt noch etwas Süsses?» Darf sie? Ich beschliesse, zur Abwechslung nicht wie immer zu antworten – nämlich mit Nein – sondern für einmal «Ja» zum Süssen zu sagen. Damit statt Wiederholung auch mal Veränderung möglich ist. Und ich für eine Weile der beste Papi bleibe.

Sybil Schreiber: Schneider wird im Winter stets ein wenig nachdenklich. Jetzt spricht er gerade von Wiederholungen, Regeln und Listen. Da ich nicht weiss, was er meint, und ratlos dreinschaue, erklärt er mir seine Idee ganz anschaulich: «Überleg dir mal, welche zehn Sätze du von unseren Kindern ständig zu hören bekommst.» Ständig? Da brauch ich nicht lange nachzudenken, die Platte kenn ich auswendig:

1. Du bist viel zu streng!
2. Ich habe nicht kalt.
3. Mensch, sei nicht so ängstlich, ich kann das!
4. Mein Zimmer gehört mir!
5. Mama, dein Zimmer ist noch viel unordentlicher als meins.
6. Ich kann in der Küche viel besser Hausaufgaben machen als an meinem Schreibtisch.
7. Du verstehst mich nicht!
8. Darf ich an den Computer? Ich muss dringend im Internet das neue Lied von Selena Gomez hören.
9. Die anderen Mütter schimpfen nie!
10. Nie bastelst du mit uns!

– Ach, und woher kommen dann all die beklebten Schächtelchen, Teelichter, Kalender, Weihnachtssterne und bemalten Bilderrahmen in unserem Haus? Jetzt werde auch ich nachdenklich. Ist doch seltsam: Wenn ich was mache, ist es das Falsche, wenn ich nichts mache, erst recht. Eine Erkenntnis, die mich nicht wirklich «muttiviert».

(Coopzeitung Nr. 50/2011)

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Sonntag 11.12.2011, 11:00 Uhr

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