Ein dringender Notfall

Ein alter Hund mit schweren, epileptischen Anfällen wird in die Praxis gebracht. Es könnte auch eine Vergiftung sein. Und der Verdacht bestätigt sich.

Ein Notruf kam auf mein Handy. «Mein Hund krampft und speichelt. Es scheint, dass er einen epileptischen Anfall hat.» Der Hund war ein alter Berner Sennenhund. Ein längerer Anfall von Epilepsie kann gefährlich werden. «Er hat plötzlich angefangen zu krampfen», berichtete die Besitzerin. Den ganzen Nachmittag seien die Hunde zu Hause gewesen. Besuch ging ein und aus und niemand habe etwas bemerkt. Erst, als alle fort waren, sei ihr aufgefallen, dass der Hund einen Anfall hatte. Während ich mich von Norden her durch den Stossverkehr kämpfte, kämpfte sich die Kundin von Westen her durch den Abendverkehr. Praktisch gleichzeitig kamen wir bei der Praxis an.

War das ein rein epileptischer Anfall oder hatte er eine Vergiftung? Aber es war ein hunde- und katzensicheres Haus: Es gab keine giftigen Pflanzen und auch keine anderen Giftstoffe. Konnte ein gut behüteter Hund unbemerkt so viel Gift aufnehmen, dass es tödlich endete?

Ein epileptischer Schub löste den nächsten aus. Der alte Hund befand sich in einem traurigen Zustand. Wir beschlossen schweren Herzens, ihn zu erlösen. Hätte er diese Anfälle überlebt, dann nur mit bleibenden, schweren Störungen. Während wir über mögliche Ursachen einer plötzlichen Epilepsie diskutierten, klingelte wieder das Handy: Der zweite Hund der Familie sei die Treppen hinuntergefallen und zittere ganz komisch …

Noch nie war ein Auto so schnell von Luzern nach Kriens und zurück gefahren, mitten in der Stosszeit. Der Verdacht auf eine Vergiftung bestätigte sich. Vermutlich hatten die Tiere im Garten etwas gefressen, das ihnen jemand zugeworfen hatte. Der zweite Hund, etwas kleiner und weniger verfressen, hatte ebenfalls Anfälle. Diese aber waren zum Glück weit weniger heftig. Dank der Informationen des Toxcenters und nach mehrstündigem Kampf mit Infusionen und Epilepsiemittel beruhigte er sich allmählich.

Traurig über den Verlust des grösseren Hundes, aber überglücklich, dass wir den kleineren durchgebracht hatten, meinte die Besitzerin, der Berner Sennenhund habe eigentlich dem kleineren das Leben gerettet: Durch seine gierige Art habe er wohl dem kleineren alles Gift weggefressen.

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Chantal Ritter

Tierärtztin

Foto:
Alamy
Veröffentlicht:
Montag 19.12.2011, 17:00 Uhr

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