Ein klangvoller Name

Jakobsmuscheln weisen Pilgern den Weg ans Grab des Apostels Jakobus. Ob dieser wohl gewusst hat, wie das Fleisch der edlen Muscheln schmeckt?

Wer auf einem der unzähligen Jakobswege nach Santiago de Compostela unterwegs ist, begegnet ihr auf Schritt und Tritt. Man sieht die Muschel als Wegweiser auf Hausfassaden, Steinmauern oder Strassen. Die Schalen baumeln als Erkennungszeichen an den ultraleichten Rucksäcken der modernen Pilger. Und in vielen Kirchen im Nordwesten Spaniens verziert die Jakobsmuschel Altäre, Säulen und Fenster. Seit Jahrhunderten weist sie den Weg an den Wallfahrtsort, wo sich das Grab des Apostels Jakobus befinden soll.

Ob die Millionen von Jakobspilger auch wissen, dass ihr Erkennungszeichen zu den grössten und schmackhaftesten Muscheln der Welt zählt? Jakobsmuscheln können nämlich bis zu 15 Zentimeter lang werden und wachsen in fast allen Meeren. Bei uns kennt und schätzt man vor allem jene aus dem Nordostatlantik. Das weisse, feste Fleisch der Jakobsmuschel hat einen nussigen, leicht süsslichen Geschmack. In Frankreich wird die «Coquille St. Jaques» auch Königin der Muscheln genannt. Im Gegensatz zur Auster, mit der sie diesen Titel teilt, sind ihre kulinarischen Eigenschaften jedoch weit weniger umstritten. Ihr zartes Fleisch harmoniert mit gesalzener Butter, Nussölen, Pilzen, Rohschinken oder Gewürzen wie Anis, Vanille, Safran und Curry.

Selbst roh sind Jakobsmuscheln eine Delikatesse. Für ein Carpaccio schneidet man die Muscheln in dünne Scheiben und legt sie auf einen leicht geölten Teller. Danach mit Zitronensaft und Olivenöl beträufeln und salzen. In der japanischen Küche wird rohes Muschelfleisch auch für Nigiri-Sushi verwendet.

Wer eine ganze Muschel öffnet, sieht neben dem weissen Muskel einen rötlichen Rogensack – den Corail. Er kann angebraten oder zu einer Sauce verarbeitet werden. In Asien ist er oft Bestandteil von Suppen. An manchen Orten wird der Corail auch getrocknet, zerrieben und zu einem Sorbet verarbeitet. Da sich in der Schweiz die Nachfrage in Grenzen hält, wird bei uns aber meist nur das Muschelfleisch angeboten.

Doch was genau hat diese Muschel nun mit dem Apostel Jakobus zu tun? Einer Überlieferung zufolge missionierte er auf der Iberischen Halbinsel und wurde nach seinem Tod im heutigen Santiago de Compostela beigesetzt. Einer anderen Legende nach wurde Jakobus im Jahr 44 nach Christus in Jerusalem mit dem Schwert hingerichtet. Danach hätten seine Jünger die Leiche einem Schiff ohne Besatzung übergeben. Dieses landete später auf wundersame Weise an der Küste Galiziens. Es wird erzählt, dass ein junger Adliger dem Schiff entgegenritt, auf dem sich der Leichnam von Jakobus befand. Als die Fluten über Reiter und Pferd zusammenschlugen, soll ihn Jakobus vor dem Ertrinken gerettet haben. Und als der Adlige aus dem Wasser kam, sei er über und über mit Muscheln bedeckt gewesen. Seither gelten die Jakobsmuscheln als Schutzzeichen. Vielleicht war es aber auch einfach so, dass der gute Jakobus während seiner Missionsreise so viele der leckeren Muscheln verspies, dass sie nach ihm benannt wurden.

Jakobsmuscheln in Olivenöl anbraten, in der vorher gereinigten Muschelschale anrichten und dann mit einer Sauce, bestehend aus Olivenöl, Limettensaft, gehacktem Knoblauch, glatter gehackter Petersilie, etwas Chilischote, Salz und Pfeffer beträufeln.




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Nicole Hättenschwiler

Stv. Chefredaktorin

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Ferdinando Godenzi
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Marianne Ettlin
Veröffentlicht:
Mittwoch 21.12.2011, 16:00 Uhr

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