Die alte Leier

Was unsere Kinder dauernd von uns zu hören bekommen, 2. Teil zum Thema Wiederholungen.

Sybil Schreiber: Wiederholungen prägen nicht nur das Fernsehprogramm, sondern auch das echte Leben. Und dieses sogar noch viel mehr. Schneider erzählt zum Beispiel stets die gleichen Witze. Allerdings muss ich jedes Mal wieder lachen. Warum? Weil ich mir den Witz seiner Witze nicht merken kann. Das ist praktisch für ihn und völlig normal bei uns. Denn ich sage unseren Kindern auch dauernd dasselbe, und sie tun immer so, als würden sie es zum ersten Mal in ihrem Leben hören.
Meine Klassiker, die ich täglich runter-leiere, und die völlig wirkungslos sind:
1. Hände waschen! 2. Schuhe wegräumen! 3. Hausaufgaben schon gemacht? 4. Wie wärs mit Flöte üben? 5. Du könntest auch mal fragen, ob es was zu helfen gibt. 6. Haben die Rennmäuse neues Stroh? 7. Wo ist meine Nagelfeile? (Ersatzweise geht hier auch: Haarbürste, Nagellack, Rouge, Wimperntusche.) 8. Haare hoch, sonst hängen sie im Essen! 9. Renn draussen nicht mit den Socken herum! 10. Papa und ich haben Feierabend, ab ins Bett!

Keiner dieser Sätze oder Fragen bewirkt irgendwas. Höchstens schlechte Stimmung. Ein Phänomen, für das es nur ein Wort gibt: Meine Kinder sind durch meine Wiederholungen längst «muttertaub» geworden.

Steven Schneider: Natürlich gibt es mich auch in Nett, aber wenn ich darüber nachdenke, was meine Töchter an Unfreundlichem von mir zu hören bekommen, so schmeichelt mir das wenig: Meine schwarze Liste ist eine Mischung aus kleinen Drohungen, knappen Befehlen, dummen Fragen und hilflosen Erpressungsversuchen:
1. Jetzt wird geschlafen! 2. Du bist gross genug, um das langsam selber zu können. 3. Du bist noch nicht gross genug, um das allein zu machen. 4. Würdest du bitte schöner essen! 5. Kannst du das auch in normalem Ton sagen? 6. Habt ihr oben die Lichter gelöscht? 7. Was macht das Matheheft auf dem Küchentisch? 8. Wenn ihr eure Zimmer aufräumt, schauen wir nachher einen Film. 9. Frag die Mama! 10. Schokolade gabs bei mir als Kind nur einmal in der Woche – und dann auch nur ein Reiheli.

Vor allem das mit der Schokolade beeindruckt bei uns niemanden – ausser mich selbst.
Und was ich merke, ist, dass diese Negativschlaufen immer weniger bringen, je mehr ich sie verwende. Noch schlimmer: Schreiber, die in gewissen Erziehungsfragen einen etwas anderen Stil hat, solidarisiert sich dann mit den Kindern – und isst gemeinsam und genüsslich mit ihnen eine ganze Tafel Schokolade.

(Coopzeitung Nr. 51/2011)

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Sybil Schreiber, Steven Schneider

Kolumnisten

Foto:
Ferdinando Godenzi
Veröffentlicht:
Samstag 17.12.2011, 10:00 Uhr

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